Live-Fernsehen ohne Langeweile #143 //1000.Ideen

Schaue gerade die zweite Battle-Show von The Voice. Unheimlich langweilig, bis auf die Performances. Diese ganzen uninteressanten Einspieler zwischen den Live-Performances sind sicherlich ein Abschalter für viele. Die Quoten werden morgen nicht so gut ausfallen wie bei den Blind Auditions.

Also brauchen wir eine Alternative. Und zwar zum Zeitpunkt von potentiell langweiligen Strecken.

Die Show läuft, dramaturgisch unterschiedliche Elemente wechseln sich ab. Sobald der Switch zu einem neuen Sendeelement kommt, wird mir über Split-Screen eine Alternative angeboten. Ich habe ja eh die Möglichkeit schnell zu RTL umzuschalten. Seid euch sicher: ich werde sie nutzen.

Am Beispiel von The Voice: Live-Performance endet. Entscheidung wer das Battle gewonnen hat. Jetzt kommt also wieder ein langweiliger Teil. Im Split-Screen wird mir aber angeboten die beiden Performances der beiden nächsten Kandidaten noch mal anzuschauen. Nehme ich diese Möglichkeit wahr, wandert das Hauptbild der Show in eine obere Ecke und der Countdown läuft runter bis zum nächsten Show-Element (dann der Liveperformance). Ich schalte also nicht zu RTL sondern bleibe in der The Voice Welt.

Sensationell.

Wie die Piraten das Parteiensystem abschaffen #88 //1000.Ideen

Wer das Liquid Feedback System der Piraten verstanden hat, weiß folgendes: Jedes zahlende Mitglied der Piraten kann mit seinen Argumenten Politik machen. Das ist kein Scherz und auch keine Polemik. Das ist Fakt. Eine Debatte wird gestartet, meist mit einer Frage. Es wird argumentiert, eine These aufgesetzt und am Ende steht das – für die Gesellschaft – bestmögliche Ergebnis.

Gehen wir noch einmal langsam diese Schritte durch, denn sie sind essentiell.

1. Gesellschaftliches Problem X wird erkannt.

2. Es muss eine Haltung zu X gefunden werden.

3. Das Problem wird via Liquid Feedback aufgearbeitet und dargestellt.

4. Die Parteimitglieder diskutieren, tauschen Argumente aus.

5. Fehlerhafte Fakten werden entlarvt. Lügen werden aufgedeckt. Das Für und Wider abgewogen.

6. Es kristallisiert sich über einen längeren Zeitraum eine Konsensmeinung Y eraus.

7. Diese Konsensmeinung Y ist für einzelne nicht die optimale Antwort zu Problem X – aber sie ist die bestmögliche für die Masse, also die Gesellschaft.

8. Konsensmeinung Y wird umgewandelt in Recht und Gesetz.

Das heißt – und das ist ein wirklich wahres Argument der Piratenpartei – um möglichst viel Einfluss zu haben, muss ich mich einmischen und mitdiskutieren. Es reicht nicht, wenn ich an einem Sonntag um 12.30 Uhr mein Kreuzchen mache, mich dann vier Jahre hinlege und darüber aufrege, was der ganze Mist in Berlin soll.

Also kann nur die einzige Konsequenz daraus sein, dass möglichst viele Menschen beginnen sich daran zu beteiligen. Schließlich bekommen sie mit, dass Problem X diskutiert wird. Bisher – in Zeiten von Bundestag und klassischen Medien – konnten sie sich nur äußerst schwer und extrem homöopathisch in die Diskussion einmischen (Leserbriefe, Betroffenenbeiträge bei SternTV).

Jetzt allerdings können sie mitdiskutieren und – viel differenzierter als bei einer Petition, deren Aussage schon vorgelegt ist – den Diskussionsverlauf und somit die Gestaltung von Recht und Gesetz beeinflussen. Die Diskussion wird also auf reine Fakten hinauslaufen. Und Fakten sind Wahrheiten und die überzeugen.

Also kann es nur Ziel eines Bürgers sein, dass er sich an dieser Diskussion beteiligt. Er tut es ja auch jetzt schon. Die Diskussion findet nur extrem zerstreut und diffus auf unzähligen Blogs, Plattformen, in Talkshows, Facebook-Untergruppen, Twitterstreams, Google+ Threads und Foren statt. Das Wissen zu einem Thema wird bis heute nicht gebündelt und durchdiskutiert. Die Gesetzeslage sähe dann schnell in vielen Punkten anders aus.

Die oben genannten Punkte sind also ein finales Zusammentragen des aktuellen Wissenstandes der Gesellschaft. Es kann also nur ein Bestreben sein sich daran zu beteiligen. Sollte nun die Piratenpartei als einzige diese Kultur führen, würden alle Bürger früher oder später die Piratenpartei wählen, weil sie die Partei wäre, die immer die besten Argumente zusammengetragen hat um eine Entscheidung zu treffen.

Selbst wenn jetzt alle anderen Parteien auf die Idee kommen ebenfalls Liquid Feedback einzuführen, würden am Ende – weil nun wieder das Wissen komplett gesammelt wird – das wohl bestmögliche Ergebnis stehen. Im besten Fall ist es in der Anwendung identisch mit denen, die die anderen diskutiert haben.

Ihr seht wo das hinführt.

Das bedeutet: Entweder die gesamte Idee des “Bürgers” scheitert oder wir stehen vor dem größten Umbruch der Demokratie. PURE POLEMIK ist das hier!

Selbst wenn dieser erste Versuch scheitern wird – am System, am Machterhalt der Eliten und an fehlenden Spannungen zwischen Macht und Bemächtigten, läuft es vermutlich darauf hinaus. Es würde durch das permanent offengelegte Fehlverhalten von Politikern – so wie wir es nun seit einigen Monaten erleben – der Zwang und Druck entstehen mehr intelligente, nicht klassisch politisch aktive Menschen einzubinden. Eben genau das was die Piraten machen. Und wir starten wieder bei Punkt 1 oben – ein zweites Mal. Ich finde das gut – Ergänzung: glaub ich jedenfalls.

Wir müssen da langsam anfangen uns was zu überlegen.

Die Playstation-Zone im Flughafen-Wartebreich //1000.Ideen #34

Die erste Idee zu einer besseren Versorgung im Abflug-Wartebereich am Flughafen veröffentlichte ich gestern. Sie stoß überall auf große Zustimmung!

Hier kommt meine nächste. Neben ungenutzter Zeit herrscht in diesen Gebieten vor allem ungenutzter Platz vor. Also fordere ich Playstation 3 Ecken powered by Sony. Oder Wii-Ecken powered by Nintendo. Oder Xbox.. ihr versteht die Idee. Rennspiele, Jump’n'Run, Ego-Shooter (da freue ich mich schon auf die politische Diskussion) – kurzweiliges eben. Einrichten, bitte!

Der Ich-hab-meinen-Arzt-überall-dabei-Patient //1000.Ideen #2

Da Lat, Vietnam, Freitag, 16.30 Uhr deutscher Zeit. Hubert Kaufmann muss sich übergeben. Mehrmals. Das Essen kann nicht schlecht gewesen sein. Erika Kaufmann, seine Frau, hat ebenfalls dieses Nudelgericht gegessen, die macht das immer, die nimmt immer das was Hubert Kaufmann auch ißt. Und nur dem Hubert Kaufmann ist nun richtig schlecht. Irgendwas stimmt da nicht. Hubert Kaufmann ist 64 Jahre alt. Er kennt seinen Körper, er braucht seine Medikamente und die müssen auch in seinem Magen bleiben, sonst macht das Herz nicht mehr so richtig was es soll.

Nun gibt es in Da Lat, Vietnam, keinen deutschsprachigen Arzt. Und Hubert Kaufmann kann dem vietnamesischem Arzt nicht wirklich klar machen wo sein Problem liegt, seine Krankengeschichte bekommt er auf englisch ebenfalls nicht hin, sonst könnte er ihm sagen, dass er vor vier Wochen einen kleinen Rippenbruch hatte und der Arzt könnte gezielt schauen, ob ein kleines Stück Rippe seinen Magen entzünden lassen hat. Stattdessen macht sich Erika Kaufmann Sorgen, dass sie ihren Hubert nicht mehr im Flieger neben sich, sondern unten im Bauch in einem schwarzen Sarg verpackt mit nach Hause nehmen muss. Dabei haben sie gestern doch noch diese Wanderung gemacht.

Hubert Kaufmann liegt nun bei diesem vietnamesischen Arzt, der klopft auf seinem Bauch herum, findet nichts und der Hubert Kaufmann muss sich weiterhin ständig übergeben und hat ziemlich starke Schmerzen. Da wird es Zeit mal seinen Arzt anzurufen. Da wäre es doch auch gut, wenn der Arzt nicht nur zuhören könnte sondern auch gleich zuschauen würde, wie es dem Hubert Kaufmann geht. Dann könnte der Arzt von Hubert Kaufmann die Medikation in ein Formular und per verschlüsselter E-Mail an den vietnamesischen Kollegen schicken, der es dann nur noch ausdruckt und unterschreibt.

Ja und? Warum machen wir das nicht?

Ja das verstehe ich auch nicht so ganz. Zuerst einmal bräuchte jeder Arzt natürlich eine schnelle Internetanbindung. Das wäre allgemein ganz gut, aber es gibt immer noch Ärzte, die in Gebieten wohnen, in denen es über ISDN Geschwindigkeit nicht hinaus geht.

Dann bräuchte jeder Arzt natürlich eine Webcam und die Akte seines Patienten abrufbar in seinem Computer. Dann bräuchte man so etwas wie standartisierte Rezepte. Wieso überhaupt Rezepte? Der Arzt soll mir einen Strichcode auf mein Handy schicken – per App oder SMS – und die Apothekerin in Vietnam scannt das Ding ab und gibt mir die Packung Schmerzmittel.

Und dann bräuchten wir noch die Möglichkeit Blutergebnisse schnell von einem Labor in Vietnam zu einem Arzt nach Hamburg zu schicken. Und zwar nicht erst wenn eine Hilfskraft in Vietnam diese Daten falsch abgetippt und per E-Mail rübergeschickt hat, sondern wenn die Bluttest-Maschine im Labor die Werte ermittelt hat.

Und wenn die Werte so kritisch sind, dass der Hubert Kaufmann wirklich dringend eine Medikation braucht, dann müssen bei seinem Arzt in Hamburg-Hamm alle Handys klingeln, das Licht angehen und dann müssen die Ergebnisse und Medikamentenvorschläge bei dem Arzt von dem Hubert Kaufmann auf dem Handy-Display und Fernsehflatscreen stehen und der Arzt muss nur noch okay klicken und der Hubert Kaufmann bekommt in der Apotheke seine Medikation und die Erika Kaufmann kann ihren Mann noch mal mit nach Hause nehmen, dann kann der nämlich endlich den Rasen mähen, was er eigentlich noch vor dem Urlaub machen wollte.

Die Stadt ohne Autos auf ihren Straßen //1000.Ideen #1

Hamburg, Winterhude. Es quietscht, es hupt, es ist kein Platz auf den Straßen und daneben schon gar nicht mehr – Parkplätze sind so selten geworden, wie Frauen im Alter von 32, die keinen Kinderwagen vor sich herschieben oder Männer, die keinen Schal tragen – zu welcher Jahreszeit auch immer.

Nerven tun immer nur die Autos. Also: weg damit. Das wäre doch etwas schönes, oder? Freie Straßen für Kinderwägen, Kinderfahrräder, spielende Kinder und noch mehr Stühle und Tische für Cafés. Ich stelle mir das traumhaft vor: Es riecht besser, es ist viel ruhiger und ich muss keine Angst mehr haben mit dem Fahrrad einen Mercedes SLK zu streifen um für die Reparatur mehr zu bezahlen als ich im Monat als festangesteller WDR-Mitarbeiter verdiene.

Dann wären auch die Straßen frei für Fahrräder und Fußgänger, für kleine elektronische Rollstühle und andere Gefährte. Vielleicht statten wir die Mitte der Straße einfach mit Rollbändern aus, wie am Flughafen, um direkt vom Edeka zum „Harms & Schacht“ zu rollen. Diese Rollbänder würden dann an jeder Kreuzung enden. Dort könnte man entweder zwei Schritte vorwärts gehen um weiter geradeaus zu rollen oder nach links laufen um auf das nächste Rollband zu steigen.

Der Regen wäre dann auch kein Problem. Da ja keine Autos mehr auf den Straßen fahren, könnte man eine durchsichtige Überdachung aufstellen. So kann ich selbst bei Sturzregen mit dem Fahrrad in die Stadt gleiten. Für das Gesundheitssystem würden sich gleich mehrfach Einsparungen und Effizienzen in ungeahnten Möglichkeiten ergeben. An diesen Überdachungen würde man außen Solarzellen und innen Heizstrahler und Lampen anbringen. Dann gäbe es in den Abend- und Nachtstunden wärme und leichtes Licht. Aufgeladen werden die Batterien tagsüber über die angebrachten Solarzellen.

Wir könnten sogar an vielen Stellen der Stadt neue Wohnungen bauen. Wir bräuchten schließlich keine vier- oder sechsspurigen Straßen und Kreuzungen mehr. Fahrräder brauchen deutlich weniger Platz, Menschen sowieso. Und mit der Zeit müssen wir unsere Stadtteile eh immer weniger verlassen. Wir erledigen Behördengänge, Arztbesuche und Einkäufe immer öfter online.

Aber wohin mit den Autos? Ich muss doch auch mal weiter weg oder etwas transportieren?

Sämtliche Transportmittel werden unter die Erde gelegt. Das Erdreich nutzen wir schon jetzt in verschiedenen Formen. Wir bauen U-Bahnen, Tunnel und Tiefgaragen. Ein unterirdisches Transportsystem würde die Stadt also problemlos tragen können. Derzeit wird die neue U4 in Hamburg gebaut. Eine U-Bahn-Linie, die die neue Hafencity mit der Innenstadt verbindet. Hätte man das gleich richtig geplant, hätten wir doch direkt die Straßen unterirdisch mit Parkplätzen ausstatten können und wären mit den Fahrstühlen und Rolltreppen nicht aus U-Bahnen-Schächten nach oben gekommen sondern aus Autostraßen-Schächten.

Vor der Stadt geht es in die Tunnel, erste unterirdische Parkhäuser regen zum Parken an. Ansonsten geht es per Leitsystem in den Stadtteil direkt unters Café der Wahl in der die verbliebenen Freunde, die nicht aufs Land ziehen wollten, ihren Latte Macchiato für 3,50 Euro genießen.

Aber der Lieferverkehr muss doch nun wirklich in jede Ecke kommen?!

Ja. Kann er doch. Die ganze Stadt ist doch unterirdisch miteinander vernetzt.

Aber das kostet doch wahnsinnig viel Geld?

Ja. Sicher. Ökonomisch steigen Lebensqualität, Energieeffizienz, Gesundheits- und Umweltfaktor der Stadt so sehr, dass der Gewinn über lange Zeit jedoch deutlich größer sein sollte. Schon jetzt wird teilweise so geplant. Die A7 soll Richtung Norden überdacht und mit Häusern bebaut werden. Warum nicht gleich ein paar Parplätze eine Etage tiefer, ein paar Rolltreppen oder Fahrstühle anbringen.

Alle neuen unterirdischen Straßen würden mit kleinen Metallstreifen ausgestattet werden, die eine Menge Energie produzieren. So wird ein angenehmes Tageslicht und das Luftfiltersystem angetrieben. Die Abgase werden im neuen Asphalt gespeichert.

Der große GutSCHEIN?!

Bisher habe ich mich nur bedingt zu den Themen Groupon, DailyDeal, CityDeal etc. geäußert. Einmal vor vier Monaten als Tweet:

Deals sind das neue Jamba.

Ein weiteres Mal in meinem Blogbeitrag “Wir haben doch keine Zeit” vor einigen Wochen.

Aber einchecken in meinem Lokal – wozu? Um Gutscheine abzugreifen? Wenn es mir zu teuer ist, gehe ich nicht hin. Ökonomisch ist der Preis gebildet, mit Gutscheinen ist kein langfristiger Effekt zu gewinnen.

Der Artikel nahm zwar Bezug auf Gutscheine, die ich bei Foursquare und Co. abstauben kann, das Prinzip dahinter ist jedoch ähnlich.

Mir hat sich bisher nie die Frage gestellt, diese Angebote ernsthaft als nachhaltig zu betrachten. Es ist ein Hype, der schnell zusammenfallen wird. Schneller als Jamba würde ich tippen.

Wieso? Meine ökonomischen Kenntnisse beschränken sich zwar auf den Wirtschaftsteil der ZEIT, dem regelmäßigen Konsum des grandiosen Blogs weissgarnix.de und einem zweitägigen Zeit-Akademie “Studiums” aber diese Basis reicht aus um zu erkennen, dass Gutscheine nicht nachhaltig sind und somit auch das Geschäftsmodell der Gutschein-Anbieter es nicht ist.

Spätestens nach dreimaligem Nutzen werden die Kunden feststellen, dass sie die Gutscheine in den meisten Fällen gar nicht einlösen. Und nach einmaligem Nutzen werden Firmen, die über Groupon & Co. mit Hilfe von Gutscheinen neue Kunden gewinnen wollten, feststellen, dass das nicht der Fall ist.

Lange habe ich überlegt, ob ich dazu meine Gedanken ausführlich äußern soll. Das brauche ich jetzt zum Glück nicht mehr. T3N hat das für mich übernommen. Im Artikel “Groupon-Analyse: Die Zeichen stehen auf Fiasko” zieht Autor Dieter Petereit ein eindeutiges Fazit:

Groupons Modell schafft keine Werte, sondern zerstört sie. Je mehr Groupon-Präsenz in einer Region ist, umso schneller geht das. Am Ende muss das Groupon-Geschäftsmodell unweigerlich scheitern.

Update: Das ist ja noch viel besser.

The customers she attracted weren’t likely to be regulars. One customer tried to use three Groupons at once. “What are you going to get for $39? Do you want the whole shop? And they were really offended.” “Most people took a trek here. This is definitely a neighborhood shop. People don’t come here from other parts of town just to get coffee.”  Some were abusive to staff and didn’t tip.

Den kompletten Artikel “Groupon was ‘the worst decision I have ever made as a business owner” lesen.

Apple killt BluRay (MacBook Air)

Schon als Apple vor zwei Jahren die erste Version des MacBook Air vorgestellt hat, war klar welche (logische) Vision Steve Jobs vorschwebt. Der eigentliche Anfang dieser Geschichte liegt im Jahr 1998: Apple stellte den iMac vor. Das “i” stand seinerzeit für “Internet” – dieser Rechner war darauf ausgelegt mit dem Internet zu kommunizieren.

Jobs und die Leute um ihn herum erkannten sehr schnell, dass das Internet die Art wie wir miteinander kommunizieren (also Daten austauschen), revolutionieren würde. Seitdem passt Apple seine Produkte an die Fähigkeiten des Internets an.

Als die Handynetze schnell genug waren um ein ansehnliches Internet unterwegs zu ermöglichen, kam das iPhone.

Jetzt machen die Geschwindigkeiten des stationären Internets sämtliche Datenträger obsolet. Was 2008 bei der Vorstellung des ersten MacBook Airs belächelt wurde, zeichnet sich immer deutlicher ab. BluRay ist nur eine Blaupause – die Zukunft kommt kabellos übers Internet auf den Rechner oder Fernseher. Keiner wird mehr eine CD brennen sondern große Datenmengen in der Cloud ablegen.

Apple selbst geht sogar davon aus, dass 128 GB vorerst als Speicherplatz wieder reichen werden.

Was heißt das? Für die Unterhaltungsbranche wird Apple unumgänglich. Es ist nicht mehr möglich einem Apple-Kunden einen Film oder ein Album auf DVD bzw. CD zu verkaufen. iTunes wird massiv wachsen (müssen). Apple muss allerdings auch selbst dafür sorgen, dass das Angebot der Nachfrage entspricht. Im deutschen iTunes Store gibt es zum Beispiel nicht den ersten Teil von “Wall Street” mit Michael Douglas.

Apple deutet außerdem an, dass der Datentransfer zukünftig kabellos geschehen wird. Das kann nur zu einem iTunes in der Cloud führen. Flatrates all over the place – Mietmodelle – neue Lizenzformen. Eine Lizenzform entwickelt Apple gerade selbst: One for all devices. Pages funktioniert dann durch einmaliges kaufen auf allen Macs im Haus, sowie dem iPad.

Es wird spannend. Durch die Macht gestaltet Apple diese Entwicklung massiv mit, sie steuern wie wir in Zukunft Filme und Musik konsumieren werden. Bisher musste Steve Jobs die Welt von seinen Visionen überzeugen, zukünftig wird ihm schneller gefolgt – weil es für Apple-Nutzer schon kaum noch Alternativen gibt.

Diese Entwicklungen sind alle absehbar gewesen. Apple bezeichnete lange seinen Apple TV als “Hobby” – Jobs wartete nur auf den richtigen Moment, dieser war in diesem Jahr gekommen – und es ist noch nicht das Ende, wie ich schon bezüglich Apple TV vor einigen Monaten geschrieben habe. Auch das MacBook Air war bisher ein “Hobby” dessen Moment 2010/2011 nun gekommen sein wird.

Seit 2001 waren es die Jahre des iPods. Seit 2007 waren es die Jahre des iPhones. 2011 wird das Jahr des Macs.

Von der Gefahr den Gates zu machen – zu den Medientagen 2010

Bill Gates ist ein unglaublich reicher Mann. Er hat mit dem Betriebssystem Windows und seiner Firma Microsoft die Welt in den 90ern massiv revolutioniert.

Nur dann hat er, aus für mich absolut unerklärlichen Gründen, das Internet für nicht zukunftsfähig erklärt. Vielleicht hat ihn irritiert, dass Steve Jobs iMacs herstellen ließ. Das “i” stand einmal für “Internet” und bisher hatte noch nichts so richtig funktioniert, was Steve Jobs gestartet hat. Zumindest nicht kommerziell im Vergleich zu den Erfolgen von Microsoft.

Folge: der Internet Explorer brauchte Jahre, um doch noch Marktführer zu werden, nur um jetzt wieder an Bedeutung zu verlieren (gerade im privaten Bereich), Angebote wie MSN, Windows LIVE und BING mussten und müssen sich ihren Platz erkämpfen. Es hat lange gedauert, bis eine klare Strategie im Onlineangebot von Microsoft erkennbar war. Jetzt versucht der Laden auch auf dem Smartphonemarkt zu retten, was noch zu retten ist. Ein paar Marktanteile zwischen iOS, Android und Blackberry soll sich Windows Phone 7 sichern.

Bisher konnte Microsoft mit viel Geld seine Produkte zumindest mit viel Macht in den Markt drücken – auch nachträglich. Beim Internet Explorer hat das geklappt und auch BING ist der erfolgreichste webbezogene Launch seit langer Zeit.

Eine gewisse Arroganz sorgte dafür, dass Microsoft nach der Jahrtausendwende davon ausging, dass alles was mit und auf einem PC passiert, aus Redmond (dem Sitz der Zentrale in den USA) gesteuert werden kann. Und solange sollte auch die Marktführerschaft auf allen Bereichen, die irgendwas mit einem Computer im Privatbereich zu tun haben, bestehen bleiben.

Hart musste Microsoft spüren, dass am Ende nicht die Logik des Marktes oder bestehende Macht über die Zukunft entscheidet, sondern der Nutzer.

Daraus kann jeder wirklich viel lernen. Wir können da auch einen kurzen Blick zu Steve Jobs wagen. Er geht gänzlich und einzig vom Nutzer aus. Viele sagen er führe den Laden wie ein Diktator und setzt seinen Willen durch. Ich glaube das nicht. Apple überlegt sich ganz genau: Wollen das die Leute? Und wenn ja, funktioniert es auch so, dass es jeder versteht?

Wer den aktuellen “Bill Gates”‘ der Medienbranche in München zuhört, möchte meinen, dass sie auch gerne mit aller Macht die bestehenden Konstruktionen so belassen wollen, wie sie sind. Sie haben Angst vor dem Internet auf dem Fernseher – gleichzeitig haben sie kein Problem mit dem Fernsehen auf internetfähigen Laptops. Sie befürchten die Vermischung von Rundfunk und Wildfunk, sie sehen immer noch einen Unterschied zwischen einem großen 27″ Monitor mit einem Kabel zur Internetdose und einem Fernseher, der an einem anderem Stecker hängt.

Und es ist besonders irritierend, dass in der “Elefantenrunde” zum Auftakt der Medientage noch einmal innerhalb der kurzen Qualitätsdebatte (schlimmes, schlimmes RTL) darauf hingewiesen wird, dass das was mit dem Internet auf den Fernseher kommt, noch alles viel schlimmer und widerwärtiger wäre als alles was wir bisher sehen. Als gäbe es das Internet bisher nur in dunklen Hinterräumen von irgendwelchen Kneipen und dort sei immer noch nicht geregelt, was gezeigt werden darf und was nicht.

Da fragt man sich schon, wie realitätsfern diese Menschen sind und ob sie mitbekommen was gerade passiert. Viel schlimmer noch: Verfallen sie auch dem Glauben, dass sie als reine Contentlieferanten die technischen Verbreitungswege steuern könnten? Das war noch nie so und wird auch in Zukunft nicht sein. Wie sich Medienfirmen darauf einstellen mussten, dass es nach dem Buchdruck irgendwann Radio und später irgendwann das Fernsehen gab, kann jetzt nicht gefordert werden: Entwicklung stopp, uns geht das alles ein wenig zu sehr kreuz und quer.

Was gerade passiert ist längst keine Revolution mehr. Es ist pure Evolution. Es gibt keinen Knall, wie bei der Internetblase, es gibt auch keine Pressemitteilung vom “Internet” in der steht, dass jetzt alles anders läuft und es werden erst recht keine roten Knöpfe gedrückt. Es kommen einfach noch mal neuere Fernseher von Sony und Co., es kommen noch leistungsstärkere Handys und Tablets von Apple und Co. und Google wird auch nicht aufhören das Internet zu sortieren und auszulesen nur weil es sich ein paar Medienschaffende anders überlegen. Wer immer noch glaubt, lineares Fernsehen wird in zehn Jahren noch existieren, hat die letzten zehn Jahre gnadenlos ignoriert.

Man kann nur hoffen, dass das alles eher Spaß ist, was viele vorgeben zu glauben und sie sich einfach nicht in die Karten schauen möchten. Ansonsten wird das für alle ein großer Knall in den kommenden Jahren.

Apples schlummernde Revolution

“Apple TV ist ein Hobby”, so Tim Cook, COO von Apple. Aber Apple gibt den Leuten seit fast drei Jahren die perfekte Fernbedienung in die Hand um die nächste Revolution zu starten.

Hybrid-Fernseher, die auch online gehen können, sind in verschiedenen Formen ein Trend. Ob Widget-gesteuerte Lösungen, HBBTV oder HD Videotext. Das Internet soll auch auf das Gerät kommen vor dem die Deutschen im Schnitt immer noch die meiste Zeit verbringen. Die Vorteile sind klar: YouTube, RTLNow, die ARD Mediathek und viele mehr können so auf der großen Glotze von der Couch aus genossen werden.

Es gibt nur ein Problem: unterschiedliche Darstellungsformate und es wird ein neues Gerät benötigt. Dabei hat doch gerade halb Deutschland auf HD umgerüstet.

Google arbeitet laut dem Wall Street Journal an einer TV-Box, die jeden Fernseher online bringen soll. Mit Chrome OS oder Android stehen die passendenen Betriebssysteme schon bereit. Nur das Bedienelement ist nicht geklärt. Mit Tastatur auf der Couch sitzen? Das wäre nicht sonderlich komfortabel.

Apple ist deutlich weiter – und kaum einer merkt welche Revolution in Apple TV schlummert.

Schon jetzt bietet die kleine Box Apple TV unzählige On-Demand-Highlights über iTunes. Der Zugriff ist mit der kleinen Remote-Control von Apple schon relativ komfortabel. Weiterhin bleibt die gezielte Eingabe von Text und das freie Surfen im Netz verschlossen. Dafür hatte auch Apple noch keine komfortable Lösung.

Mit dem iPod Touch, dem iPhone und dem iPad hat Apple ganz nebenbei die perfekte Fernbedienungen für den Apple TV erschaffen. Und eine Armada an Medienkonzernen stellt mittlerweile Inhalte bereit, die auch auf einem großen Fernseher wirken würden: Videos, Livestreams, großflächige Bildershows. Was auf dem iPad funktioniert, wird auch problemlos auf einem großen und auch alten, kleineren Fernseher funktionieren. (Von Spielen mal ganz abgesehen)

Die Inhalte sind da, die Bedienungseinheit für ein apple-gewohntes Bedienungsgefühl ist da, das Gerät gibt es seit Jahren. Und der Vorteil: die Konsumenten können jeden Fernseher nutzen.

Apple braucht gar nicht so viel zu erklären. Sie müssen nur noch alle iPod-touch-, iPhone- und iPad-Nutzer in kurzen Spots erklären wie sie mit diesen Geräten ihre Fernseher aufpimpen. Die Weichen sind längst gestellt.

Nachtrag: Techcrunch stößt in eine ähnliche Richtung.

ZEIT ONLINE: “Nachrichten gegen Geld ist kein Modell für uns”

Lars Hinrichs (Gründer von XING) & Rainer Esser (Geschäftsführer von DIE ZEIT) waren zu Gast in der Sendung “Abendjournal Spezial: Mit Eigensinn” bei NDR 90,3.

Die beiden Gäste sorgten für ein angeregtes Gespräch. Hinrichs, der laut eigener Aussage keine Zeitungen und Zeitschriften mehr kauft, sondern nur noch online konsumiert, und Esser, der den Spagat zwischen klassischer Verlagskultur und neuen Medien versucht und meiner Meinung nach immer besser umsetzt.

Es war eine kleine Kuschelrunde, das vorweg. Umso spannender waren die Meinungen beider Seiten. Beide kannten sich schon aus früheren Gesprächen. Rainer Esser konnte noch nicht bei XING Mitglied werden. Obwohl Hinrichs ihm eines kostenlose Mitgliedschaft schon mehrfach angeboten hat.

“Die Zeit ist so erfolgreich wie nie zuvor”, stellt Moderatorin und Direktorin des Landesfunkhauses Hamburg beim NDR, gleich zu Beginn fest und zeigt somit sehr einfach, dass die derzeitige Verlags-Krise nicht dem Internet geschuldet sein kann.

Rainer Esser glaubt zu wissen warum das so ist: “Redaktion und Verlagsabteilungen arbeiten eng zusammen. Und wir sind sehr innovativ. Jeder einzelne im Haus sieht, was sein Beitrag zum Erfolg beiträgt und das sorgt für eine unglaubliche Motivation.”

20 Prozent hat DIE ZEIT an Auflage zugelegt. Umsatz und Ergebnis liegen noch stärker im Plus. 40 Redakteure wurden für ZEIT ONLINE insgesamt bisher eingestellt.

Und: “Die Zeit hat auch einen starken Online-Arm, der dynamisch in den letzten Jahren gewachsen ist. Das ist auch ein Teil des Erfolges.”, so Esser.

Esser stellt weiter fest, was viele immer noch zu unterschätzen scheinen: “Wenn ich alles zusammenrechne: alle Wohltaten, alle Abonnenten, die wir über online bekommen. Dazu die Stärkung der Reputation, Modernisierung der Marke – da würde ich sagen, dass wir uns mit Online langsam Richtung Break-Even bewegen.”

Geld wird immer noch über die Anzeigen im Heft, die Vertriebserlöse und durch Seitengeschäfte (Buchreihen, Veranstaltungen, Zeitschriften, Merchandising) verdient. Er hält diese Vielfalt für ein Zukunftsmodell. Dazu gehört auch Qualität.

Hinrichs würdigt das: “Herr Esser hat eine sehr starke Print- und eine sehr starke Online-Marke. Es wird immer die Kombination gewinnen.”

Ganz klar ist für Esser die Paid-Content-Strategie. Ein Modell, wie es das Hamburger Abendblatt fährt – also einzelne Beitäge gegen Geld – kommt für Esser nicht in Frage: “Online kann man gut verdienen, wenn man besondere Dienste anbietet. Aber wenn ich Nachrichten anbiete, die eine ganze Reihe von Anbietern kostenlos anbietet, kann ich dafür kein Geld verlangen.”

Der größere Anteil von ZEIT ONLINE bleibt also auch weiterhin umsonst. Aber mit kommenden, neuen technischen Innovationen – wie dem iPad – ist es denkbar, dass zum Beispiel die Original-ZEIT auf so einem Gerät digital gegen Geld abrufbar sein wird.

Hinrichs macht im Gespräch auch mehrfach deutlich, dass man für das reine Abrufen von journalistischen Texten kein Geld verlangen kann. Er spielt den Traffic-Ball: je mehr Benutzer eine Seite besuchen umso mehr Anzeigen werden geschaltet, umso mehr Geld wird damit verdient.

Eine Rechnung, die meiner Meinung nach nicht ganz korrekt ist, denn unterschiedliche Inhalte kosten unterschiedlich viel Geld, bringen aber nicht unbedingt mehr Werbeeinnahmen. Gerade hart recherchierte Randthemen, die nur wenige Leute interessieren, werden kaum abgefragt, sind aber von gesellschaftlicher Relevanz und müssen bearbeitet werden.

Laut Esser sind ebenfalls die Journalisten stärker gefordert. Zum einen im Bereich des Produzierens. Aber auch in Sachen Kreativität: “Wir müssen uns in den Verlagen immer wieder neue Dinge ausdenken, um mit unserer Zielgruppe in Kontakt treten.” und weiter: “Der Drang für Journalisten sich verändern zu müssen ist genauso groß. Sie müssen sich viel mehr auf das einstellen, was ihre Leser lesen wollen.”

DIE ZEIT selbst hatte ihre Krisen laut Esser vor zehn Jahren: “Da haben wir beschlossen, dass wir, wenn es um Innovation geht, ganz vorn dabei sein.” Sie wollen sich auch weiterhin sofort darauf einstellen, “wenn sich die Welt da draußen verändert.”. Vielleicht hatte DIE ZEIT also das Glück, dass die eigene Krise schon überstanden war.

Es lohnt sich die ganze Stunde zu hören - in der NDR Mediathek.