Facebook – die neue alte Privatsphäre

Mit etwas Abstand betrachtet: Die ganze Aktion war eine große PR-Nummer. Mehr nicht.

Facebook hat vor einigen Wochen die Einstellungen zur Privatsphäre erneuert.

Es gibt weiterhin viel Unklares, aber auch Verbesserungen. Damit möchte ich anfangen:

1. Es ist mit einem Klick möglich alle Applikationen innerhalb von Facebook zu deaktivieren/blockieren.
2. Die automatische Personalisierung von Dritt-Webseiten lässt sich komplett und einfach deaktivieren.
3. Facebook hat versprochen zukünftig keine Einstellungspunkte mehr zurückzusetzen – wie vor sechs Monaten geschehen.

Es gibt Punkte, die mich wirklich verärgern:

Zuckerberg hat gesagt, dass 50% der Nutzer mindestens eine Einstellung innerhalb der Privatsphäre verändert hat. Er legt das als Erfolg aus. Ich finde es besorgniserregend, dass scheinbar zwischen 200 und 250 Millionen Nutzer mit einem komplett offenem Profil durchs Netz surfen. Das ist krank.

In einem Video, das Zuckerberg zu den neuen Einstellungen online gestellt hat, kommt er wieder mit dem “umso mehr Informationen geteilt werden, umso schneller lassen sich die Probleme dieser Welt lösen”-Satz. Ich weiß nicht, ob er das wirklich ernst meint – wenn ja, ist Zuckerberg komplett kaputt im Kopf. Meint er es nicht ernst, würde sich wenigstens meine alte Vermutung über Zuckerberg bestätigen.

Was sollen wir für Probleme lösen, wenn Menschen private Fotos und Informationen allen anderen Menschen zur Verfügung stellen? Ich halte viel von Protestgruppen, Aktionen, die sich über Facebook organisieren und Veranstaltungen auf die viele Leute aufmerksam gemacht werden. Aber es gibt einen Bereich meines Lebens, der privat ist. Und zwar so privat, dass er nur von wirklich ausgewählten Leuten erschlossen werden soll – selbst Facebook sollte diese Zeilen dann ignorieren. An so etwas denkt Zuckerberg nicht. Das bereitet mir Sorgen.

Außerdem findet sich auf den Erklärseiten zu den neuen Einstellungsmöglichkeiten ein Widerspruch, der nicht aufgelöst wird:

“Werbekunden: Wir teilen deine persönlichen Informationen niemals mit Werbekunden.”

“Umgehende Personalisierung: Einige ausgewählte Partnerseiten können auf deine Informationen zugreifen, um dein Nutzererlebnis zu personalisieren sobald du ihre Webseite aufrufst.”

Letzteres betrifft zwar nur Informationen, die eh schon “ALLEN” zur Verfügung gestellt werden. Der Gedanke, das von Facebook erwählte Seiten trotzdem meine Informationen verarbeiten können, ist verwirrend und erzeugt Unsicherheit. Zumal hier nicht klar getrennt wird. Können Werbekunden auch Partnerseiten sein?

Was mich außerdem verwirrt ist das Verständnis von Facebook Dinge zu vereinfachen. Ja, die neuen Privacy-Einstellungen sind besser strukturiert. Aber weit davon entfernt simpel, deutlich und klar zu sein. Man muss weiterhin in mindestens drei Untermenüs, teilweise sogar noch tiefer.

Vor allem wer einzelne Punkte wirklich allen vorenthalten möchte, oder – noch heftiger – bestimmte Punkte nur bestimmten Personen oder Nutzerlisten zugänglich machen will, kommt schnell in ein Klick-Chaos mit unsicherem Ende. Ob man wirklich an alles gedacht hat, ist nicht ganz klar.

Außerdem fasst Facebook sehr viele Punkte unter einem Punkt zusammen – wer dort noch mal unterscheiden will, der kann ein Buch drüber schreiben. Ich finde sogar, dass einige Punkte erst richtig versteckt wurden.

Zusammengefasst lässt sich ganz klar sagen: guter PR-Stunt. Nach der ganzen negativen Presse in den letzten Wochen und Monaten, schickte Facebook seinen 26jährigen Gründer vor die Presse. Er musste den Kopf hinhalten und zu Kreuze kriechen. Auf seine bekannte eklige “ich will doch nur die Welt verbessern” Art.

Verbessert hat sich nicht wirklich etwas. Zumal der Umgang mit einmal eingetragenen Daten – ewiges Speichern, kompliziertes Löschen des Profils, unklare Rechtelage der geposteten Inhalte – nicht geändert wurde. Hier bleibt Facebook seiner Linie treu: was du gibst, nehmen wir dir.

Deshalb würde ich weiterhin uneingeschränkt empfehlen auszutreten und vorher noch E-Mail-Adressen oder Handynummern auszutauschen.

Mehr Links von Danny Sullivan:

Facebook – Gespräch mit NDR Info zum QuitFacebookDay

Warum treten viele Menschen aus? Was hat sich geändert? Was wenn meine Kinder zu Facebook möchten? (Zum Hören klicken)

“Es war eine große PR-Kampagne”

Heute im Mittagsecho bei NDR Info.

Was veröffentlicht Facebook über mich?

Es ist ein wenig undurchsichtig was Facebook nun anderen Seiten in welcher Form über eine Person zur Verfügung stellt. De Facto ist es so, dass andere Seiten über gewisse Schnittstellen auf euer Profil zugreifen können.

Deshalb sollte natürlich jeder seine Privacy-Einstellungen genau durchschauen. Hier noch einmal die aktuellen Screenshots verlinkt.

Es gibt allerdings hier einen guten Test: http://www.rabidgremlin.com/fbprivacy/

Klickt dort einfach auf den LogIn-Button und die Seite zeigt euch an, welche Daten von eurem Facebook-Profil frei verfügbar sind. Das ist sehr spannend und zeigt, ob ihr auch wirklich alle Einstellungen korrekt getätigt habt.

Einschätzung zum Google WLAN-Problem

Google ist nicht das Problem. Dazu gleich mehr.

Die Geschichte in Kurzform:

Google hat über drei Jahre – laut eigenen Aussagen aus Versehen – Fragmente von Datensätzen aus offenen WLAN-Netzen gesammelt. Das ist im Zuge des Projekts Street View passiert.

Laut Google wurden Teile eines Programms verwendet, das ein Google-Mitarbeiter im Jahre 2006 programmiert hat.

Die Daten wurden laut Google nie verwendet, gelangten nicht an die Öffentlichkeit, sind scheinbar auch nicht verwertbar und sollen gelöscht werden. Es handelt sich um 600 Gigabyte. Betroffen waren nur Datenfragmente aus offenen WLAN-Netzen.

Die Politik reagierte – freundlich ausgedrückt – ungehalten.

(Und inkompetent, wie so oft.)

Es ist tatsächlich schwerwiegend und grenzwertig, dass Google erst nach drei Jahren dieser gravierende Fehler im Code auffiel. Und das auch erst nach mehrmaligen Nachfragen.

Das lässt sich wirklich schwer nachvollziehen. Der Umgang und das Coming Out dieses massiven Fehlers, der auch einen beträchtlichen Imageschaden nach sich zieht und in der aktuellen Street-View-Diskussion mehr als unpässlich ist, ist jedoch einigermaßen gelungen.

Zurück zu meinem ersten Satz: Google ist nicht das Problem.

Wenn ein Unternehmen wie Google scheinbar problemlos Fragmente von personenbezogenen Daten aus offenen WLAN-Netzen sammeln kann, kann das jeder.

Von Google erfahren wir durch das große Scheinwerferlicht. Aber was ist mit kleineren Firmen, die seit Jahren WLAN-Netze abscannen und eine Landkarte zur schnellen Ortung von Handys erstellen?

Was kann jeder von uns tun? Das WLAN-Netz so dicht wie möglich machen.

Googlet nach eurem Router in Verbindung mit den Stichworten: unsichtbar machen und WPA2-Schlüssel. Außerdem solltet ihr den Schlüssel selbst wählen.

Mit diesen Einstellungen ist euer WLAN-Netz unsichtbar und nach heutigem Standard sehr sicher.

(In den kommenden Tagen werde ich einen kleinen Artikel zu der Argumentationslinie “Warum ich Google mehr vertraue als Facebook” schreiben)

Facebook Privacy: the closest you’ll get (Screenshots)

Frage nach den Einstellungen der Facebook-Privatsphäre. Welche Punkte sollten wie eingestellt sein?

Allgemein ist Facebook, was die Privatsphäre angeht, ein Schweizer Käse. Es gibt Löcher, die von Haus aus kommen und die sich nicht stopfen lassen. Man kann nur drum rum essen. Das sollte jeder bedenken. Außerdem würde ich folgende Grundregeln befolgen:

  1. Kein Upload von privaten Fotos.
    Laut Facebook-AGBs werden alle Rechte abgetreten. Konkret: “Du gibst uns eine nicht-exklusive, übertragbare, unterlizenzierbare, unentgeltliche, weltweite Lizenz für die Nutzung jeglicher IP-Inhalte, die du auf oder im Zusammenhang mit Facebook postest („IP-Lizenz“). Diese IP-Lizenz endet, wenn du deine IP-Inhalte oder dein Konto löscht, außer deine Inhalte wurden mit anderen Nutzern geteilt und diese haben sie nicht gelöscht.”
    Alternative: ladet die Fotos zum Beispiel bei flickr.de hoch – dort gebt ihr diese Rechte nicht so weiträumig ab. Das gleiche gilt übrigens für Videos.
  2. Nutzt nicht die Funktion “Finde Personen, denen du E-Mails sendest” im Bereich Freundefinder
    Facebook speichert alle E-Mail-Adressen, die bei deinem E-Mail-Provider hinterlegt sind und knüpft so im Hintergrund ein Netzwerk aller Menschen auf dieser Welt. Grund: so können sie schon nach der Anmeldung neuen Mitgliedern Personen vorschlagen, die sie vielleicht kennen könnten. Ein nachträgliches Löschen ist unter diesem Link möglich.

Direkt nach der Anmeldung sind im Übrigen alle Tore bei Facebook offen. Jeder sollte und muss in den Privatsphären-Einstellungen nachbessern. Warum ist das so? Facebook will zum Einen, dass die Leute abhängig werden. Das passiert in dem die Mitglieder möglichst viele Informationen mit möglichst vielen anderen Menschen teilen. Außerdem will Facebook möglichst viel über seine Nutzer wissen um gezielter Unternehmen Informationen zum Targeting zur Verfügung zu stellen.

Für Facebook ist dieser Umgang übrigens normal:

“Menschen sind einverstanden damit, Informationen über sich mit anderen zu teilen und werden immer offener zu immer mehr Menschen. Die sozialen Normen hier haben sich in der Zeit entwickelt.” (Mark Zuckerberg, Facebook-Gründer)
Quelle: Spiegel.de

Ein großes Problem ist die Verknüpfung aller Online-Aktivitäten auf einer Plattform. Während Google seine Dienste Suche, Mail, Google Reader und Google Kalender physisch trennt, wird bei Facebook alles unter einer ID – deinem persönlichen Namen – gespeichert. Facebook weiß deutlich mehr und deutlich personenbezogen – nämlich mit Klarnamme – über seine Nutzer als Google.

Zum Vergleich: Google kennt erst einmal nur die IP-Adresse eines Nutzers. Das heißt wenn einen PC drei Personen im gleichen Haushalt nutzen, steckt für Google die gleiche Person dahinter. Bei Facebook loggt sich jeder mit seinem privaten Namen ein. Das ist ein wichtiger Unterschied.

Nun zu den Screenshots. Alle Einstellungen findet ihr unter dem Punkt “Konto” -> “Privatsphäre-Einstellungen” (für Vollbild auf das Bild klicken):

Facebook Privatsphäre-Einstellungen Kontaktinformationen

Facebook  Privatsphäre-Einstellungen Suche

Facebook Privatsphäre-Einstellungen Suche

Facebook  Privatsphäre-Einstellungen Profilinformationen

Facebook Privatsphäre-Einstellungen Profilinformationen

Facebook  Privatsphäre-Einstellungen Anwendungen und Webseiten

Facebook Privatsphäre-Einstellungen Anwendungen und Webseiten

Facebook  Privatsphäre-Einstellungen Anwendungen und Webseiten Übersicht

Facebook Privatsphäre-Einstellungen Anwendungen und Webseiten Übersicht

Zuletzt noch der Hinweis wo ihr euer Facebook-Profil komplett und gänzlich löschen könnte: hinter diesem Link.

Verbesserungsvorschläge gerne über die Kommentare.