Sie waren die ersten, sie waren aggressiv und sie haben es vielleicht vermasselt. Mit einer Abo-App wollte der Axel Springer Verlag seine Marken BILD, BILD.de, WELT und WELT KOMPAKT noch stärker an die Nicht-Zeitungskäufer binden. Doch bei der Umsetzung kam es zu katastrophalen Fehlern.
Auch ich hatte nach der Ankündigung ein positives Gefühl. Viele Ideen, die Springer in seine BILD- und WELT-App steckte, klangen innovativ und qualitativ hochwertig. Der angebotene Push-Dienst hatte mich auf dem Papier überzeugt, die BILD vom nächsten Tag schon gegen 22.00 Uhr zu lesen ist für viele auch spannend. Die integrierte 1414-Einbindung ist für Springer nicht unwichtig, dazu iBILD View zum Durchscannen der aktuellen Schlagzeilen im BILD-Style, das klang in Ansätzen nach einer guten Umsetzung der Springer-Marken für die angepeilte Zielgruppe und das betreffende Endgerät.
Die Preise sind in Ordnung (79 Cent für die BILD-App im ersten Monat; 1.59 Euro für die WELT-App) , selbst das Abo-Modell ist auf den ersten Blick überschau- und bezahlbar (BILD-App: 1,59 Euro pro Monat ohne BILD als PDF, 3,99 Euro für BILD mit PDF, WELT-App: 2,99 Euro ohne WELT-Kompakt, 4,99 Euro mit WELT-Kompakt – pro Monat).
Beide Apps schossen in den ersten Stunden durch die gute Marketingkampagne in den eigenen Blättern schnell in den App-Store-Charts nach oben (BILD Platz 1, WELT in den Top 5).
Und doch störten mich nach ein paar Minuten die ersten kleineren Sachen. Vor allem die lange Ladezeit ist unverständlich und nervig. Von BILD.de bin ich es auf dem iPhone gewohnt in wenigen Sekunden den schnellen Überblick zu bekommen. Das ist mit der App nicht möglich. Nach dem Start dauert es auf dem iPhone 3G selbst im WLAN noch einige Zeit.
Das PDF der kommenden BILD-Zeitung beschränkt sich auf den deutschlandweiten Mantel. Vor allem die Regionalteile sind jedoch ein Grund die BILD-Zeitung doch noch in der Redaktion durchzublättern. Den gedruckten Mantel-Teil hatte ich längst online gelesen. BILD hält die exklusiven Sachen nicht nur dem Heft vor. Auch hier stören die immensen Ladezeiten, das iPhone wird extrem schwerfällig. Auch das lesen der großen Heftseiten macht nicht viel Spaß, das Blättern dauert einige Sekunden – da hat man schneller eine komplette BILD-Zeitung durchgelesen eh in der App die neue Seite geladen hat.
Bleibt der PUSH-Dienst, den ich für eine geniale Idee halte. In den Einstellungen lege ich fest, welche Informationen direkt auf mein iPhone durchgeschickt werden sollen. Ich werde also informiert, wenn beim Spiel meines Lieblingsvereins ein Tor fällt. HSV, Bayern, Hoffenheim und St. Pauli – diese Mannschaften habe ich für das erste Wochenende abonniert. Außerdem die Breaking News von BILD-Online.
Der Service versagt leider auf ganzer Linie. Seit vergangener Woche ist gerade eine Eilmeldung auf mein Handy durchgedrungen, es war der Spendenstand von “Herz für Kinder”. In der selben Zeit hat https://twitter.com/cnnbrk (@CNNBRK, der Twitter-Account von CNN) über zehn Mal zugeschlagen. Auch die Fußballergebnisse schickt BILD nur sporadisch durch. Vom 2:2 beim Spiel St. Pauli gegen Fürth ist nur das 1:0 bei mir angekommen. Von den vier Toren des HSV kein einziges. So vergrault man Nutzer und verliert Vertrauen.
Und so sind auch die Kommentare mittlerweile vor allem sehr, sehr negativ. Nur noch drei Sterne für die WELT-App und gerade mal 2,5 Sterne für die BILD-App (Stand: Sonntag, 16.00 Uhr). Damit kann niemand bei Springer zufrieden sein. Denn wer sich jetzt Kompetenzen der Marke im mobilen Web verspielt, wird es schwer haben, diese in den nächsten Jahren zurückzuholen.
Die Probleme mögen zum Teil dem iPhone geschuldet sein, doch sollte Springer wissen, dass dieses Image auf die App zurückfällt. Auf dem kommenden iPhone, das vermutlich im Sommer erscheinen wird, läuft die App sicherlich flüssiger. Die Frage ist, ob sie bis dahin noch auf den Handys ist. Denn 79 Cent sind schnell ausgegeben und tun beim Wegwerfen nicht weh. Das kostenlose BILD.de im Browser des iPhones ist komfortabler und bietet die gleichen Inhalte. Zumindest habe ich da nicht das Gefühl etwas zu verpassen.
Sie waren die ersten, sie waren aggressiv und sie haben es vielleicht vermasselt. Mit einer Abo-App wollte der Axel Springer Verlag seine Marken BILD, BILD.de, WELT und WELT KOMPAKT noch stärker an die Nicht-Zeitungskäufer binden. Doch bei der Umsetzung kam es zu katastrophalen Fehlern.
Auch ich hatte nach der Ankündigung ein positives Gefühl. Viele Ideen, ...