Dieses Posting beschreibt keine grundlegende, bahnbrechende Idee. Es ist eher ein Ausblick mit einem Fragezeichen, hinter der sich eine Menge Potential für neue Ideen verbirgt.
Es wird sich etwas grundlegend verändern und ich denke wir gehen gerade einen ersten entscheidenden Schritt in eine Richtung, die wir noch nicht abschätzen können und die von vielen Medienschaffenden unterschätzt werden.
Die Zeit, in der wir nach für uns relevanten Informationen im Internet hauptsächlich suchen, wird enden. Die für uns relevante Information wird uns finden.
Einige Google Visionäre haben das schon immer verschlüsselt angedeutet, obwohl ich glaube, dass sie in Nuancen etwas anderes meinten. Sie sprachen davon, dass Google weiß was wir als nächstes suchen werden und deshalb die Antwort schon vorher geben kann.
Ich glaube es wird etwas anderes passieren und ich versuche es so klar wie möglich zu formulieren.
Es sind zwei Ideen und Ansätze, die wir im neuen iPhone finden, die mich zu diesen Überlegungen haben kommen lassen.
Wir dürfen Apple hier nicht unterschätzen. Es handelt sich schließlich um die Firma, die grafische Oberflächen auf Computer und das Internet aufs Handy gebracht hat. Sie haben all das nicht erfunden, aber sie haben es zu Massentechnologien gemacht, ohne die die Welt heute eine andere wäre.
1. Sprachsteuerung
Wir sind seit Erfindung der Spracherkennung an ihr gescheitert. Wörter und Zusammenhänge wurden kaum erkannt oder konnten nicht korrekt interpretiert werden. Pausen und Dialekte fanden keine Beachtung. Weder das korrekte Erkennen des Gesprochenen, noch die Antwort war zuverlässig.
Dank der Vernetzung aller Menschen werden wir ab dem kommenden Jahr immense Fortschritte sehen. Siri, so heißt Apples eingekaufte Spracherkennungstechnologie, kann lernen. Durch die Anbindung ans Netz ist es nicht auf eine lokal gespeicherte Worterkennung beschränkt. Es kann Wörter und Zusammenhänge erlernen, umso mehr Menschen es nutzen. Es wird in Zukunft alle Sprachen verstehen.
Und Siri gibt Antworten. In der ersten Form sind das nur sehr einfache Antworten auf sehr einfache Fragen. Wobei ich die Frage “Brauche ich einen Regenschirm?” für einen Computer schon mehr oder weniger komplex finde – schließlich gab es bisher kein Gerät, das diese Frage hätte beantworten können.
Die Betonung liegt hier auf dem ersten Schritt, den wir gehen. Erinnert sich jemand an den ersten Laptop? Wir befinden uns im Jahr 2011. Vor fünf Jahren gab es noch kein Facebook, wir nutzten YouTube eher selten und Handys konnten im Netz nur WAP-Seiten erträglich darstellen. Fünf Jahre. 2012 ist das erste Jahr der wirklich funktionierenden Spracherkennung.
Google? Hörst du zu? Werden wir irgendwann die Information, die wir suchen direkt präsentiert bekommen? Google erlangt viele Besuche durch die eingebauten Suchzeilen in iOS, Android und dem Firefox- und Chrome-Browser. Viele Menschen suchen nach dem neuen Video von Lady Gaga über Google oder YouTube.
In Zukunft sage ich meinem Handy “Spiel mir das neue Lied von Lady Gaga”. Done. Keine Suchergebnisse mehr, kein Klicken mehr, kein Hinschauen mehr.
2. Ortsgebundene Erinnerungen
Simple Erfindung. Ich erreiche einen Ort und bekomme dort eine Information, die genau jetzt wichtig ist. Ich laufe am Rewe vorbei und mein Handy erinnert mich, dass ich keine Butter mehr habe. Ich komme zu Hause an und mein Handy erinnert mich daran, dass ich die Wäsche aufhängen soll. Diese Informationen haben für mich eine einhundertprozentige Relevanz.
Persönliche Relevanz
Wie viel Zeit haben wir mit Zappen verbracht? Wie oft wechseln wir den Radiosender im Auto? Wie viele Artikel einer Zeitung lesen wir wirklich? Ein Großteil der Informationen, die uns jeden Tag erreichen sind für uns vollkommen irrelevant. Facebook und Twitter, Radio und Fernsehen, Zeitungen und Zeitschriften. Uns interessiert oftmals nur ein kleiner Bruchteil von dem was uns dort vorgesetzt wird und wir sind ständig auf der Suche nach den kleinen Perlen, die uns wirklich interessieren, die wirklich für uns wichtig sind, die eine Relevanz haben.
Facebook und Google+ versuchen durch Verknüpfungen zu Freunden und Themen näher an uns zu gelangen. Trotzdem langweilt uns die Masse an irrelevanten Informationen. Die Gedanken und Ideen unserer Freunde – so gern wir sie haben – sind nicht immer für uns wichtig. Sie sind es sogar in den seltensten Fällen.
Neues entdecken
Aber wie entdecken wir dann noch Neues? Früher liefen im Radio neue Songs, die wir genau dort zuerst gehört haben. Im Fernsehen entdeckten wir spannende Dokumentationen. In der Zeitung stießen wir auf Themen, die wir vorher nicht im Blick hatten.
Daran wird sich nichts ändern. Freunde empfehlen uns neue Bands und Lieder, sie schenken uns Bücher und erzählen uns von Dingen, die sie beschäftigen. Wir werden weiterhin gezielt nach weiteren Informationen suchen, wenn unser Blick spannendes, unbekanntes Neues streift. Die Welt ist voll davon, wir müssen keine Angst vor der hermetisch abgeriegelten Themenwelt haben – nur weil wir plötzlich nicht mehr zappen.
Die Kommunikation nimmt so stark zu, dass wir weiterhin mit vielen, uninteressanten, irrelevanten Dingen konfrontiert werden. Schließlich beschränkt sich unser Informationszufluss nicht nur auf analoge und digitale Medien.
Linear… endet.
Derzeit wächst eine Generation heran, die eine Welt ohne digitale Vernetzung nicht kennen. Eine Generation, die es nicht nötig hat sich “berieseln zu lassen”. Sie akzeptiert es nicht mit irrelevanten Informationen belästigt zu werden. Deshalb nutzen sie das Fernsehen als Nebenbeimedium, der zweite Schirm – das Netz – hält die spannenderen Inhalte bereit.
Vor fünf Jahren gab es noch kein YouTube, Facebook, Twitter und kein iPhone. In fünf Jahren sind die heute zwölfjährigen schon 17. Sie waren acht als Papa mit dem ersten iPhone nach Hause kam.
Sie akzeptieren keine irrelevanten Inhalte. Die nächste Generation wird mit Plattformen sozialisiert, die immer Spannendes bieten. Etwas, das ein Sender (Radio, Zeitung, Fernsehen) niemals bieten kann.
Sie werden diese Inhalte zukünftig nicht suchen. Die Inhalte werden sie finden.



