100% Relevanz #93 //1000.Idee

Dieses Posting beschreibt keine grundlegende, bahnbrechende Idee. Es ist eher ein Ausblick mit einem Fragezeichen, hinter der sich eine Menge Potential für neue Ideen verbirgt.

Es wird sich etwas grundlegend verändern und ich denke wir gehen gerade einen ersten entscheidenden Schritt in eine Richtung, die wir noch nicht abschätzen können und die von vielen Medienschaffenden unterschätzt werden.

Die Zeit, in der wir nach für uns relevanten Informationen im Internet hauptsächlich suchen, wird enden. Die für uns relevante Information wird uns finden.

Einige Google Visionäre haben das schon immer verschlüsselt angedeutet, obwohl ich glaube, dass sie in Nuancen etwas anderes meinten. Sie sprachen davon, dass Google weiß was wir als nächstes suchen werden und deshalb die Antwort schon vorher geben kann.

Ich glaube es wird etwas anderes passieren und ich versuche es so klar wie möglich zu formulieren.

Es sind zwei Ideen und Ansätze, die wir im neuen iPhone finden, die mich zu diesen Überlegungen haben kommen lassen.

Wir dürfen Apple hier nicht unterschätzen. Es handelt sich schließlich um die Firma, die grafische Oberflächen auf Computer und das Internet aufs Handy gebracht hat. Sie haben all das nicht erfunden, aber sie haben es zu Massentechnologien gemacht, ohne die die Welt heute eine andere wäre.

1. Sprachsteuerung

Wir sind seit Erfindung der Spracherkennung an ihr gescheitert. Wörter und Zusammenhänge wurden kaum erkannt oder konnten nicht korrekt interpretiert werden. Pausen und Dialekte fanden keine Beachtung. Weder das korrekte Erkennen des Gesprochenen, noch die Antwort war zuverlässig.

Dank der Vernetzung aller Menschen werden wir ab dem kommenden Jahr immense Fortschritte sehen. Siri, so heißt Apples eingekaufte Spracherkennungstechnologie, kann lernen. Durch die Anbindung ans Netz ist es nicht auf eine lokal gespeicherte Worterkennung beschränkt. Es kann Wörter und Zusammenhänge erlernen, umso mehr Menschen es nutzen. Es wird in Zukunft alle Sprachen verstehen.

Und Siri gibt Antworten. In der ersten Form sind das nur sehr einfache Antworten auf sehr einfache Fragen. Wobei ich die Frage “Brauche ich einen Regenschirm?” für einen Computer schon mehr oder weniger komplex finde – schließlich gab es bisher kein Gerät, das diese Frage hätte beantworten können.

Die Betonung liegt hier auf dem ersten Schritt, den wir gehen. Erinnert sich jemand an den ersten Laptop? Wir befinden uns im Jahr 2011. Vor fünf Jahren gab es noch kein Facebook, wir nutzten YouTube eher selten und Handys konnten im Netz nur WAP-Seiten erträglich darstellen. Fünf Jahre. 2012 ist das erste Jahr der wirklich funktionierenden Spracherkennung.

Google? Hörst du zu? Werden wir irgendwann die Information, die wir suchen direkt präsentiert bekommen? Google erlangt viele Besuche durch die eingebauten Suchzeilen in iOS, Android und dem Firefox- und Chrome-Browser. Viele Menschen suchen nach dem neuen Video von Lady Gaga über Google oder YouTube.

In Zukunft sage ich meinem Handy “Spiel mir das neue Lied von Lady Gaga”. Done. Keine Suchergebnisse mehr, kein Klicken mehr, kein Hinschauen mehr.

2. Ortsgebundene Erinnerungen

Simple Erfindung. Ich erreiche einen Ort und bekomme dort eine Information, die genau jetzt wichtig ist. Ich laufe am Rewe vorbei und mein Handy erinnert mich, dass ich keine Butter mehr habe. Ich komme zu Hause an und mein Handy erinnert mich daran, dass ich die Wäsche aufhängen soll. Diese Informationen haben für mich eine einhundertprozentige Relevanz.

Persönliche Relevanz

Wie viel Zeit haben wir mit Zappen verbracht? Wie oft wechseln wir den Radiosender im Auto? Wie viele Artikel einer Zeitung lesen wir wirklich? Ein Großteil der Informationen, die uns jeden Tag erreichen sind für uns vollkommen irrelevant. Facebook und Twitter, Radio und Fernsehen, Zeitungen und Zeitschriften. Uns interessiert oftmals nur ein kleiner Bruchteil von dem was uns dort vorgesetzt wird und wir sind ständig auf der Suche nach den kleinen Perlen, die uns wirklich interessieren, die wirklich für uns wichtig sind, die eine Relevanz haben.

Facebook und Google+ versuchen durch Verknüpfungen zu Freunden und Themen näher an uns zu gelangen. Trotzdem langweilt uns die Masse an irrelevanten Informationen. Die Gedanken und Ideen unserer Freunde – so gern wir sie haben – sind nicht immer für uns wichtig. Sie sind es sogar in den seltensten Fällen.

Neues entdecken

Aber wie entdecken wir dann noch Neues? Früher liefen im Radio neue Songs, die wir genau dort zuerst gehört haben. Im Fernsehen entdeckten wir spannende Dokumentationen. In der Zeitung stießen wir auf Themen, die wir vorher nicht im Blick hatten.

Daran wird sich nichts ändern. Freunde empfehlen uns neue Bands und Lieder, sie schenken uns Bücher und erzählen uns von Dingen, die sie beschäftigen. Wir werden weiterhin gezielt nach weiteren Informationen suchen, wenn unser Blick spannendes, unbekanntes Neues streift. Die Welt ist voll davon, wir müssen keine Angst vor der hermetisch abgeriegelten Themenwelt haben – nur weil wir plötzlich nicht mehr zappen.

Die Kommunikation nimmt so stark zu, dass wir weiterhin mit vielen, uninteressanten, irrelevanten Dingen konfrontiert werden. Schließlich beschränkt sich unser Informationszufluss nicht nur auf analoge und digitale Medien.

Linear… endet.

Derzeit wächst eine Generation heran, die eine Welt ohne digitale Vernetzung nicht kennen. Eine Generation, die es nicht nötig hat sich “berieseln zu lassen”. Sie akzeptiert es nicht mit irrelevanten Informationen belästigt zu werden. Deshalb nutzen sie das Fernsehen als Nebenbeimedium, der zweite Schirm – das Netz – hält die spannenderen Inhalte bereit.

Vor fünf Jahren gab es noch kein YouTube, Facebook, Twitter und kein iPhone. In fünf Jahren sind die heute zwölfjährigen schon 17. Sie waren acht als Papa mit dem ersten iPhone nach Hause kam.

Sie akzeptieren keine irrelevanten Inhalte. Die nächste Generation wird mit Plattformen sozialisiert, die immer Spannendes bieten. Etwas, das ein Sender (Radio, Zeitung, Fernsehen) niemals bieten kann.

Sie werden diese Inhalte zukünftig nicht suchen. Die Inhalte werden sie finden.

Wir haben doch keine Zeit!

Freunde, der unterhaltsamen Mitmach-Kultur im Internet,

wir diskutieren mehrmals täglich über die Zukunft der Printmedien. Wir sehen Blogs, Twitter und iPads als die Rettung des Journalismus. Wir glauben, dass das ganze Land irgendwo einchecken wird, den App-Store leer kauft; wir hoffen, sie laden Videos hoch, personalisieren sich ihre eigene Zeitung, fluten das Netz mit Bildern und geben bei diesem ganzen Wahnsinn auch noch ihr ganzes Geld aus.

Kommen wir zu etwas ganz anderem: ich will euch meinen guten, besten Freund Steve vorstellen. Steve ist seit dem vergangenen Herbst Lehrer an einem Gymnasium in der Nähe von Stuttgart. 5.30 Uhr klingelt sein Wecker, Steve schlurft ins Bad, macht das Radio an, SWR3 berichtet ihm von den Staus auf seiner Strecke Richtung Stuttgart, verrät ihm, während Steve Zähne putzt, ob die Regenjacke wichtig wird. Steve erfährt am Küchentisch das Neuste aus Japan und von der Euro-Krise während der erste Kaffee durchläuft und die Müsli vorbereitet werden. 6.30 Uhr: Steve sitzt in seinem neuen VW Golf Richtung Stuttgart. Bis 16.00 Uhr geht der Unterricht an vielen Tagen. Danach geht es zurück nach Hause, mit seiner Frau, auch Lehrerin, wird gemeinsam gegessen. Die Vorbereitungen auf den nächsten Tag nehmen zwei bis vier Stunden ein. Dazwischen wird eine Pause vor den Abendnachrichten eingelegt, um überhaupt mitzubekommen was an diesem Tag in der Außenwelt passiert ist. Steve antwortet sehr unregelmäßig auf meine E-Mails. Er sagt, er lese sie, nur zum Antworten fehle meist die Zeit. Bei Facebook ist er angemeldet um Kontakt zu alten Freunden zu halten.

Steve ist Lehrer, also Teil einer Berufsgruppe, der im Allgemeinen sehr viel Freizeit zugesprochen wird. Frisöre, der freundliche Herr an der Kasse von Aldi, die Bedienung im Café, die Frau an der Hotline von meinem Internetanbeiter: Ein sehr großer Teil der Menschen arbeitet, ein sehr großer Teil teilweise acht bis zehn Stunden täglich. Dazu kommen die Kinder, der Haushalt, die Pflichten als gesetzestreuer Mensch (Rechnungen bezahlen, Auto zum TÜV bringen) und irgendwann wollen wir alle ja auch noch soziale Kontakte pflegen, mit Freunden, mit echten Freunden – zu Hause oder im Café, im Kino oder im Biergarten.

Was ich sagen will: der größte Teil hat überhaupt keine Zeit sich tagtäglich die Welt selbst zu basteln – und selbst, wenn sie wollen würden, wer erklärt Ihnen wie das alles geht? E-Mail ja, Facebook ist simpel und spiegel.de kann jeder in eine Adresszeile eingeben. Aber einchecken in meinem Lokal – wozu? Um Gutscheine abzugreifen? Wenn es mir zu teuer ist, gehe ich nicht hin. Ökonomisch ist der Preis gebildet, mit Gutscheinen ist kein langfristiger Effekt zu gewinnen.

Einige wenige entdecken das Netz als ihr Hobby. Verbinden es mit ihrer Leidenschaft, wie dieser junge Mann, der sich liebevoll um Star Wars Figuren kümmert. Andere gehen lieber Fahrradfahren in ihrer Freizeit, zocken Spiele auf iPad, PS3 oder Wii.

Für mehr haben wir doch gar keine Zeit. Keine rentable Masse will sich eine eigene Zeitung zusammenstellen. Die meisten wissen mit ihrer Freizeit besseres anzufangen.

Nur ganz kurz noch als finaler Gedanke zu diesem komplexen Thema: hier hat Apple wirklich etwas erkannt. Die Dinge, die wir herstellen, müssen einfach funktionieren. Die Leute haben gar keine Zeit – und somit auch keine Lust und Energie – sich damit zu beschäftigen, wie etwas funktioniert. Anderes, sehr gutes Beispiel: ein Telefon. Ich wähle die Nummer von Person X, die ihm fest zugewiesen ist, und es klingelt. Er geht ran oder nicht. Wie das alles funktioniert, weiß kein Mensch. Es interessiert auch niemanden, aber es funktioniert. So und nun personalisieren wir uns mal alle eine Zeitung mit der wir 100 Prozent zufrieden sind. Bwahahaha.

Guten Morgen. Ich muss jetzt mal duschen.

Robert

Shopping: Das beste Internetradio

Frage nach dem “besten Internetradio für die Küche”.

Erinnere mich noch gut an die ersten WLAN-Radios. Noxon hat sich irgendwann mit seinen Geräten durchgesetzt. Persönlich kann ich diese Geräte alle nicht empfehlen. Vor allem in der Bedienung und Administration ist das alles scheisse.

Meine Empfehlung: der iPod touch – gerne gebraucht, gerne eine ältere Version. Da muss es nicht das neuste Modell sein, viel Speicherplatz ist ebenfalls nicht nötig. Neu kostet der 8GB iPod Touch zur Zeit 229,- Euro. Es geht auch deutlich günstiger via eBay oder amazon.de.

Dazu gesellt sich eine Dockingstation.

Für kleinere Räume (Küche, Bad): JBL Dockingstation für ca. 85 Euro.
Für mittelgroße Räume (Schlafzimmer, Büro): Bose Dockingstation für ca. 400 Euro
Für das Wohnzimmer: per Adapterkabel (Cinch auf 3,5mm Klinke) an die Stereoanlage anschließen und besten Sound genießen.

Dazu empfehle ich folgende Radio Apps aus dem App Store:

TuneIn Radio

Vorteile: Favoritenliste ohne Anmeldung, weltweit viele Sender, läuft im Hintergrund, Aufnahmemodus, Anzeige aktueller Titel/aktuelle Sendung

Preis: 1,99 Euro

Besser geht es meiner Meinung nach nicht.

PS: Ich bekomme kein Geld von Apple und halte derzeit auch keine Aktien in dem Laden.

Interview 2.0

Spätestens jetzt sollte sich jede Pressestelle, jeder selbsternannte oder auch ausgewiesene Experte Gedanken machen. Die Tagesschau – das Nachrichten-Flagschiff der ARD – schaltet um 20.00 Uhr einen Korrespondenten via live Skype.

So geschenen am Montag, 4. Oktober 2010 mit Markus Gürne aus Neu-Dehli.

Das ist kostengünstig, qualitativ absolut in Ordnung für eine erste Einschätzung zur Lage, unkompliziert und in vielen Gegenden stabil machbar.

Das Infoprogramm EinsExtra nutzt diese Möglichkeit regelmäßig um Korrespondenten kostengünstig ins Programm zu scahlten.

Dann aber ruft man bei der ein oder anderen Pressestelle an, und bekommt weder ein Bild noch eine Tonqualität, die über das normale Telefon hinausgeht. Das ist schade und verschenkt.

Jeder Hörfunk-, Radio- und Internetjournalist ist dankbar für eine qualitativ einwandfreie, kostengünstige Leitung zu jeglichen Experten in der ganzen Welt. Oftmals wird dann auf den zurückgegriffen, der in der Nähe ist und sich in ein Regionalstudio setzen kann.

Dabei ist die Anschaffung der Technik und Software günstig und eine einmalige Investition.

Wer einen Mac besitzt, hat schon eine qualitativ gute Webcam. Skype ist kostenlos, die Installation schnell und unkompliziert.

Selbst qualitativ hochwertige HD-Webcams sind mittlerweile günstig (ab 40 Euro), Mikrofone sind oft eingebaut. Falls nicht: Ansteckmikros kosten nicht die Welt.

Mittlerweile sollte jede Pressestelle mit dieser Technik ausgestattet sein. Selbst ein kleines TV-Studio für Live-Schalten in hoher Qualität einzurichten, ist kein Problem und kostet weit unter 2.000 Euro samt Kamera, Streaminglaptop und einer weißen Wand mit Logo im Hintergrund.

In meiner Zeit bei ARD-Aktuell war es immer wieder frustrierend, wenn die gewünschten Gesprächspartner nicht schaltbar waren. Teilweise war es zeitlich nicht möglich in ein nahgelegenes Regionalstudio zu kommen, ein ander Mal war ein Kabel für die Webcam nicht vorhanden. Oftmals musste auf Gesprächspartner zurückgegriffen werden, die nicht immer allererste Wahl waren (wobei sie qualitativ natürlich weiterhin den Ansprüchen voll genügten).

Wir konnten einfacher nach Afrika schalten, da ein Student dort mit Skype ausgestattet war als zu einem Professor in Norddeutschland.

Das als Anregung.

ARD/ZDF-Onlinestudie: Video wird King.

Gestern haben ARD und ZDF die Ergebnisse ihrer jährlichen Onlinestudie vorgestellt. Die Randdaten finden sich in dieser Pressemitteilung, genauere Zahlen finden sich auf der dazugehörigen Homepage. Hier einige herausgepickte Werte und Einschätzungen.

Videos im Netz

65 Prozent der Onliner nutzen mindestens gelegentlich Video-Angebote im Netz.
9 Prozent der Onliner nutzen täglich Video-Portale, 36 Prozent monatlich oder wöchentlich.

Es war nicht anders zu erwarten. In einer vom Fernsehenkonsum bestimmten Medienwelt ist die Form VIDEO die stärkste und beliebteste Umsetzungsform für Inhalte. YouTube hat den Weg vorgezeichnet. In urbanen Gegenden mit schnellem Internetanschluss sind schon seit einigen Jahren Videoplattformen beliebte Anlaufziele im Netz. Viele junge Menschen googlen nicht mehr nach Antworten auf ihre Fragen, sie youtuben.

Die amerikanischen Fernsehanbieter, die BBC und das ZDF haben sehr schnell erkannt, dass hier die Zukunft liegt. Videos, onlinegerecht aufbereitet, sind leicht und schnell zu konsumieren und entsprechen dem über Jahre gelernten Offline-Nutzungsverhalten der allermeisten Internetnutzer.

Meiner Meinung nach macht hier BILD-Online den besten Job unter den erfolgreichen Online-Angeboten “klassischer Anbieter” in Deutschland. Absolut indiskutabel ist die inhaltliche Qualität der Beiträge von BILD-Online. Trotzdem gibt es zu den wichtigsten Themen des Tages bildstarke, kurze Videos, die unterhalten.

Auch tagesschau.de* präsentiert sich durch die Kraft von ARD-Aktuell mit einem starken Videoangebot im Netz. Vor allem die Tagesschau in 100 Sekunden und “tagesschau24” sind meiner Meinung nach hochjournalistische und qualitativ sehr wertvolle Video-Angebote.

Damit sind BILD.de, ARD und ZDF bestens gerüstet, wenn die Onliner in Zukunft weniger vor dem PC/Laptop sitzen werden sondern diese Inhalte auch auf dem Fernseher, dem Handy und Tablets konsumieren. Sind die Beiträge einmal digitalisiert, muss man “nur” noch eine Umsetzungsform für die Ausspielwege finden.

Videopodcasts

Nur noch drei Prozent der Onliner nutzen Videopodcasts. (7 Prozent im Jahre 2008)

Auch das ist keine überraschende Entwicklung. In Zeiten von ständigen, günstigen Internetverbindungen ist ein Download nicht mehr zwingend notwendig. Bin ich online, kann ich Videos schauen. Außerdem kann ich jederzeit wieder darauf zugreifen. Im Internet geht fast nichts verloren. Ausgenommen die Angebote von ARD, ZDF und dem Deutschlandradio.

Spannend hier: bei iTunes hat der Audio-Podcast der Tagesthemen eine bessere Bewertung als der Video-Podcast.

Live-Fernsehen im Internet

15 Prozent der Onliner schauen mindestens gelegentlich Live-Fernsehen über das Internet. (2009: 19%)

Diese Form der Nutzung geht scheinbar schon wieder zurück. Persönlich halte ich davon wenig. Die Qualität ist für längeres Fernsehen deutlich schlechter als das klassische Fernsehen. Zumal in Zeiten von HD, Dolby und Flatscreens das Fernsehschauen ein deutlich stärkeres, emotionales Erlebnis ist. Das zeigen auch die Zeiten der Fernsehnutzung: sie ist mit 244 Minuten im Schnitt pro Tag so hoch wie noch nie seit der Erhebung.

Onlineangebot stehen für die zeitsouveräne und selektive Nutzung und ist somit ein fantastisches Ergänzungstool zum klassischen Fernsehen. Es deutet auch darauf hin, dass die anstehende Verschmelzung von Fernsehen und Internet einen großen Boom auslösen kann. Google und Apple kämpfen bereits um den Markt – derzeit noch relativ unbemerkt im Hintergrund.

Radio im Internet

27 Prozent der Onliner hören mindestens gelegentlich über das Internet Radio.

Die Radionutzung über das Internet nimmt stetig zu.  Es sind kleine Schritte. Es könnte sprunghaft ansteigen, ist das Autoradio erst einmal internetfähig und stellen die mobilen Handynetze genügend Bandbreite zur Verfügung. Gerade junge Menschen mit einem extrem differenzierten Musikgeschmack finden auf der UKW-Frequenz keinen passenden Sender. Radio lebt hier vom Monopol. Die In-Haus-Nutzung nimmt stetig ab. Es ist ein schleichender Wandel. Radiosender müssen sich darauf einstellen. Verkehr und Wetter können mobile Geräte schon jetzt deutlich besser als das Radio an sich. Letzter Vorteil vom klassischen Radio: ich habe Augen und Hände frei um die Information zu konsumieren.

Communitys

45 Prozent aller Onliner nutzen täglich eine Community.
bei den ab 60jährigen sind die Wachstumsraten immens.
Alle Zahlen auf dieser Übersichtsseite.

Sie sind Alltag. Sie lösen die E-Mail nicht ab. Sie sind das perfekte Tool um mit echten Bekannten dauerhaft in Kontakt zu bleiben. Kaum jemand kennt die E-Mail-Adressen der Freunde, SMS sind immer noch unverschämt teuer, telefonieren geht nicht immer. Communitys nutzen diese Lücke perfekt. Am häufigsten werden Communitys zum Chatten und Versenden von Nachrichten genutzt.

Twitter

97 Prozent der Onliner nutzen nie Twitter.

Das muss ein wenig relativiert werden, da Google mittlerweile Twitter-Ergebnisse in das Ergebnisse einer Suche einspeist und somit viele Nutzer gar nicht der Twitter-Nutzung bewusst sind. Ansonsten zeichnet sich hier das deutliche Bild ab, dass Twitter eine Randerscheinung ist. Unnötig zu diskutieren jedoch, dass sich jeder Journalist mit dem Tool vertraut machen sollte. Allein, damit solche blamablen Meldungen wie bei der Bundespräsidentenwahl nicht mehr vorkommen.

Interessant: Twitter hat es jetzt schon vor den seit Jahren gehypten (meiner Meinung nach zu Unrecht) Lesezeichensammlung geschafft (98% Nichtnutzung).

*Disclaimer: ich arbeite derzeit für den NDR

Zur Diskussion um die Web-Tagesschau: verfrüht, überzogen, unverhältnismäßig

Super-GAU, Persilschein, Kampfansage. Die Reaktionen auf ein internes Papier des NDR-Rundfunkrates, das dem Spiegel vorliegt, können überzogener kaum sein.

Es ist immer noch für alle ungwohnt und es wird noch einige Zeit vergehen müssen, bevor sich alle an die neuen Gegebenheiten in der digitalen Welt gewöhnt haben: Verleger und öffentlich-rechtliche Angebote finden plötzlich auf den gleichen Plattformen statt.

Dem Internet-Nutzer ist es egal, ob die Einen früher Papier bedruckt und die Anderen Bänder bespielt haben. Jetzt erarbeiten alle ihre eigenen Web-Angebote für verschiedene Plattformen und stehen in direkter Konkurrenz. Nicht nur, wie bisher, um das Medien-Zeitbudget sondern um konkrete Klicks und andere messbare Werte, die für die Einen bares Geld bedeuten.

Eigentlich exisitiert das “Problem” seit der Erfindung des Internets. Nur zur Zeit wird vor allem im Hause der Verleger deutlich welche Bedeutung diese Entwicklung hat und welchen Lauf sie nehmen wird. Mit Apples iPad haben sie auf einmal die Zukunft gesehen: ihre Zeitungen werden vielleicht doch in der alten Form digital weiter existieren können, für Geld. Aber eben nicht außerhalb der Konkurrenz von GEZ-finanzierten Inhalten, so wie es am Kiosk bisher der Fall war.

Vielleicht sollten sich die Verleger noch einmal mit den Chefs der privaten Fernsehanbieter unterhalten. Dort gibt es die Ko-Exisitenz seit den 80er Jahren. Und trotzdem: die “Privaten” waren bei “den Jungen” nie so erfolgreich, wie zur Zeit. Auch im Netz also kann es für die Verleger gar nicht der Untergang des Abendlandes sein, wenn Tagesschau.de in Grundzügen ähnliches darf wie Zeit-Online.

Bei der ganzen – überhitzten – Debatte um die Erfüllung des 3-Stufen-Tests von Tagesschau.de wird etwas ganz vergessen: Die Tagesschau ist ein – entschuldigen Sie, geschätzter Kollege Gniffke – Spartenangebot. Ein aufwendig produziertes, sehr teures, gesellschaftlich unersetzbares und nur in dieser Finanzierungsform mögliches Angebot mit einer stark fokussierten Ausrichtung. Jetzt werden einige schreien: Moment, die Tagesschau hat jeden Abend nahezu zehn Millionen Zuschauer allein im Ersten. Was ist daran Sparte?

Es ist die Themenauswahl – und die erstreckt sich in dieser Form auch auf alle Online-Angebote von Tagesschau.de. Es ist die große Politik, die bei anderen Sendern nur noch wenige Minuten Zeit eingeräumt bekommt. Es sind weltpolitische Zusammenhänge, Krisenherde weit entfernt von der eigenen Haustür, es sind globale, komplizierte und ungemütliche Themen, die sich die großen Privaten in dieser Ausgiebigkeit nicht trauen.

Die wenigsten Menschen informieren sich rein über die Tagesschau. Sie schauen auch RTL Aktuell, Punkt 12, Taff, bei den Jungen sind es sogar sehr oft die RTL  2 News. Das ist online nicht anders. Wer nur tagesschau.de ansurft, bekommt vieles von dem was Spiegel.de, Stern.de oder gar BILD.de bietet nicht – das ist gewollt so und gut so. Es ist also reinste Stimmungsmache wenn Vorstandschef schreiben, dass eine Tagesschau-Applikation für das iPhone tausende Arbeitsplätze kosten wird:

“Wenn sich bezahlte Applikationen auf mobilen Geräten nicht durchsetzen, wird dies Tausende Arbeitsplätze in der Verlagsbranche kosten” (Mathias Döpfner, Vorstandschef Axel-Springer im Focus)

Noch bizarrer wird es bei der Betrachtung anderer Angebot auf dem iPhone: Stern.de und andere sind im übrigen längst mit einer kostenlosen App auf dem iPhone vertreten. Allein dieser Umstand zeigt wie wenig Substanz in der aktuellen Diskussion steckt.

Jetzt wird also gegen das gesamte Online-Angebot der Tagesschau gewettert. Spiegel Online schreibt:

“Der neue Rundfunkstaatsvertrag würde zur Farce, die private Konkurrenz düpiert.”

Nein, der Rundfunkstaatsvertrag ist sicher keine Farce. Es gibt eine knallharte Negativliste, die den Online-Redaktionen der öffentlich-rechtlichen Anstalten ohne großartige Begründung bestimmte, über die Verleger-Lobby durchgedrückte Punkte, verbieten.

Außerdem kooperieren viele Verlage schon jetzt mit den Online-Ablegern von ARD+ZDF. Zeit.de bindet die 100-Sekunden-Ausgabe der “Heute” ein, andere die “Tagesschau in 100 Sekunden“. Der Tagesspiegel kooperiert zukünftig mit dem RBB.

Gerade die Tagesschau und tagesschau.de sind Angebote, das wichtiger kaum sein können für eine demokratische Gesellschaft. Eine unabhängige, journalistische Berichterstattung, und damit Dokumentation, digitalisiert auf alle Zeit. Das könnten natürlich private Anbieter ebenfalls erarbeiten. Werden sie aber nicht, allein aus finanziellen Gründen und was passiert mit den Archiven, wenn Spiegel-Verlag oder Holtzbrinck in 25 Jahren doch mal pleite gehen?

Es geht also um weit mehr. Während die Verleger vor allem von wirtschaftlichen Interessen in knappen Zeiten getrieben sind und im Fieberwahn gegen die öffentlich-rechtlichen hetzen. Dabei übersehen sie auch, dass tagesschau.de nicht einmal – wie im Radio die Programme der öffentlich-rechtlichen und im Fernsehen das Erste und das ZDF – die Marktpreise für Werbung mitdiskutieren.

Schrecklich müssen sich die Vorstandschef fühlen zur Zeit. Eingekeilt zwischen Google und den öffentlich-rechtlichen. Da hilft scheinbar nur lautes Gebrülle, unseriöse Berichterstattung und Stimmungsmache auf Kosten eines Systems, das durch diese Art in Frage gestellt wird. Das kann wirklich niemand ernsthaft wollen. Denn: das duale Rundfunksystem ist eine wichtige Säule unserer Demokratie.

Denn wenn die Tagesschau im Netz nicht darf, was andere dürfen, wird sie zwangsläufig verschwinden, da in wenigen Jahren nur noch das Netz – die digitale Welt – existiert.

Disclosure: ich arbeite seit vielen Jahren für den NDR und den öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Dieser Artikel spiegelt meine persönliche Meinung wieder und nicht zwangsläufig die des NDR. Update: ich arbeite weder für die Tagesschau oder tagesschau.de, noch ARD-Aktuell.

Die Reaktion vom derzeitigen ARD-Vorsitzenden Peter Boudgoust.

Das “Wir machen alles”-Syndrom deutscher Verlage

Über AOL lästert die Internet-Welt. Zugangsgeschäft abgegeben, vom Global Player zum langweiligen Onlineportal. Jetzt sind fast alle europäischen Standorte dicht. Dabei zeigt AOL den Verlagen wie sie im Internet immer noch mehr Geld verdienen könnten als bisher.

Eines der besten Beispiele im AOL-Kosmos war der Hollywood-Gossip-Blog “TMZ.com“. Die Frage, ob die Arbeit der “Journalisten” moralisch okay ist oder nicht, sei für einige Zeilen auszublenden. Mit “TMZ” hatte AOL bis zum Split mit Time Warner eine der erfolgreichsten Gossip-Seiten im Netz.

Über diese Seite wurde die Welt zum Beispiel darüber informiert, dass ein Krankenwagen zum Haus von Michael Jackson gerufen wurde. Außerdem wurde der Videobereich massiv ausgebaut, eine eigene TV-Sendung ist entstanden und an manchen Tagen streamten die Macher Livevideos aus den Vorgärtern der Promis. TMZ.com ist das FoxNews der amerikanischen Gossip-Szene. Einnahmen 2008: 25,4 Millionen US-Dollar (ca. 17,6 Mio. Euro).

Ein anderes Beispiel ist die Seite “GNN.com – Good News Now” – eine Seite, die ausschließlich gute Nachrichten verbreitet. In der rechten, oberen Ecke zählt ein Countdown die Stunden zum Wochenende. Andere Seiten des AOL-Netzwerkes sind: popeater.com (Gossip) oder moviefone.com (Kino).

Die Strategie von AOL ist klar: Content-Portale zu verschiedenen Themen sollen in ihren Segmenten Marktführer und gewinnträchtig werden. Denn mit klar ausgerichteten Inhalten, lassen sich klare Zielgruppen erreichen und gezielte Werbeblöcke schalten. Man muss die Nutzerdaten gar nicht bis zur Perversion auswerten. Zusätzlich können einzelne Marken so mit Kompetenzen aufgeladen werden, die sich bezahlt machen und auch auf andere, klassische Medien übertragen werden könnten.

Bei der Präsentation der aktuellen Quartalszahlen sagte AOL-Chef Tim Armstrong zu den Zielen der kommenden Monate:
“1. in content, building content platforms for journalists on the web, matching technology with content can capture large audiences.
2. In advertising want to help brand advertisers transition to the Web
3. Communications, working on new platform
4. Paid services, we will be testing services and subscriptions in 2010″

Das ist mehr als viele deutsche Verlage vorweisen können. Die konzentrieren sich zur Zeit lieber darauf rumzumeckern und den technischen Fortschritt allgemein in Frage zu stellen. Nebenbei probieren sie undurchsichtige Paid-Content-Modelle.

In Deutschland haben Verlage größtenteils ein irritierendes Konzept: sie versuchen alle, Alles zu machen. Mit wenig Leuten, wenig Geld und wenig Erfolg. Sueddeutsche.de, stern.de, focus.de, faz.de – größtenteils verzichtbar. Der Inhalt unterscheidet sich nicht mal mehr in der Qualität der Beiträge. Weil sie es so aus ihren Kernmärkten im Print kennen, wird viel, möglichst schnell und kostengünstig online gestellt. Und die Marken verwässern immer stärker. Oder wer kann sagen wofür FAZ.de steht und wo es sich genau von sueddeutsche.de unterscheidet?

Auch ZEIT-Online, die ein, meiner Meinung nach, starkes Text-Online-Angebot produzieren, haben Probleme sich von Spiegel.de abzugrenzen. Das mag auch an der optischen Aufmachung der Seite liegen. Grundsätzlich positioniert sich die Zeit aber immer besser im Online-Sektor, auch die Zuwachsraten versprechen Gutes. Die Meinungsstärke der Beiträge zahlt sich aus. Die Macher haben es verdient.

Aber wer sagt eigentlich, dass alle Alles machen müssen? Und das auch noch auf der gleichen Plattform? Es sind genug Nischen in Deutschland noch nicht besetzt. Und dabei gibt es von einigen Privatleuten spannende, erfolgreiche (auch im kleinen Rahmen wirtschaftlich gesehen) Angebote.

Gerade im Bereich der Tech- und Medienseiten sind sowohl die Amateurszene (besonders in der Berichterstattung rund um den Konzern Apple aktiv) und die Kleinstredaktionen erfolgreich und wirtschaftlich gut aufgestellt.

Das reine Online-Medienmagazin dwdl.de begeistert seit Jahren mit einer fundierten und klar ausgerichteten Berichterstattung eine ganze Branche. Das zahlt sich aus. Mittlerweile arbeiten drei feste Redakteure für die Seite.

Bisher haben die Verlage vor allem eines versucht: ihre eh sehr reichweitenstarken Massenmarken im Netz zu positionieren und damit zu Geld zu machen. Dagegen werden die kleineren, speziellen Marken auch im Netz künstlich klein gehalten. Investiert wird dort gar nicht. Dabei wäre es in diesen Bereichen gar nicht so mitarbeiter- und kostenaufwändig.

Denn: Es zählen nicht 20 oder mehr eigenrechierte Geschichten jeden Tag. Durch eine intelligente Verlinkung anderer, ähnlicher Portale könnte sich jede Randmarke zu einem Marktführer in ihrem Segment im Internetbereich hocharbeiten. Dazu noch ein passendes Forum und die Nutzer kommen von allein. Die Werbekunden würden es Ihnen danken. Denn für einen Anbieter von Angelhaken gibt es wenig Fläche auf Spiegel Online und Co.

Obwohl Spiegel Online mit einer speziellen iPhone-App überrascht hat. Statt auch dort die bekannten und schon mehrfach abrufbaren Inhalte zu verbreiten, schickte man eine Wissens-Test-App ins Rennen und kann damit wirtschaftlich für wenig Aufwand etwas Geld verdienen.

Scheinbar hat man erkannt, dass sich Journalismus nicht unbedingt mit dem Verkauf des Produkts “Journalismus” refinanzieren kann.

Solange die Verlage aber weiterhin von allem ein wenig aber wenig richtig machen, werden Sie im Internet auf keinen grünen Zweig kommen. Denn so ist das alles nicht gedacht. Im großen, mittlerweile doch gar nicht mehr so jungen Internet.

Wie die BBC das Radio beerdigt und größer werden lässt als je zuvor

In Großbritannien war Radio schon immer mehr. Nicht nur Abspielstation für die Hits der 90er, 2000er und dem Besten von Heute. Radio war Unterhaltung, Radio bestand aus Shows, DJs, aus echten Producern. Selbst kleinere Lokalstation leisten sich noch heute 24-Stunden-Vollmoderation.

Ganz vorn dabei: die BBC. Gefühlt noch vor dem Internet selbst, war die britische Anstalt online. Schnell wurde der Radiobereich zu einem der wichtigsten und innovativsten weltweit. On-Demand-Streams gehörten zur Grundausstattung; seit langer Zeit sind sämtliche Radiosendungen der letzten sieben Tage aller Programme on demand zum Anhören. Erfolgreich:

  • wöchentlich ca. drei Millionen Unique User (!) der Radio-Streams im Mai 2009
  • 14 Mio. Stunden an Live-Stream-Abrufen
  • unglaublich viele, viele, viele Podcast-Abrufe (der erfolgreichste hat im Monat 1,2 Mio. Downloads!)

Die Content-Seiten der BBC-Radiostationen speisen sich bis heute nur in den seltensten Fällen aus Textinhalten. Die Sendungen und ihre Moderatoren stehen seit Beginn im Zentrum. Kontinuierlich wurden neue Formate, zum Beispiel Podcasts (weltweit einmalig mit kommerzieller Musik) gestartet.

Digital, und wie.

Erst kürzlich proklamierte die BBC, dass “‘Radio 1′s Big Weekend’ das größte interaktive Event bisher” war. Online und auf anderen digitalen Plattformen wurde ein Event selten so massiv begleitet:

  • 5.3 million video requests received to Radio 1′s Big Weekend website, compared to one million from last year
  • Six webcams were placed within the site offering live streaming of the event, creating over one million hits
  • Over 1.1 million people tuned into BBC Red Button coverage of Radio 1′s Big Weekend
  • Unique Users to Radio 1′s mobile site tripled over the weekend

Zu jeder Stunde verkündet die junge Station, dass BBC Radio 1 “digital, FM and online” empfangbar ist. Alle drei Verbreitungswege sind gleichberechtigt.

Die BBC geht sogar noch einen Schritt weiter: während in Deutschland noch der Kampf um die Zukunft des digitalen Radios ausgetragen wird, schlägt die BBC den Bogen und verbündet sich mit der privaten Konkurrenz. Damit der Verbreitungsweg “Radio” auch in Zukunft erhalten bleibt. Die gemeinsamen Ziele:

  • develop an online live radio player – an open platform that streams all live UK radio in one place
  • develop a common user interface and electronic programme guide (EPG) for listeners across all devices – DAB, DTV, online and mobile phones
  • develop a calendar of exclusive digital-only content for listeners on DAB

Die Entwicklung der BBC-Radiosender im Internet kann jeder interessierte im Radio Labs Blog und im BBC Internet Blog mitverfolgen. In letzter Zeit war dort zu lesen, dass der Sound der Live-Streams verbessert wurde oder, dass der BBC iPlayer, das Herzstück der OnDemand- und Streaming-Angebote der BBC, auch auf anderen Handys empfangbar wird.

BBC everywhere

Ein sehr spannender Punkt. Schnell war klar: Online ist nicht nur “www”. Ins Internet geht es auch mit dem Handy, der Wii oder der PS3. Und überall dort sind die BBC Inhalte auch empfangbar. Im Browser klassisch über http://www.bbc.co.uk/iplayer. Und sonst:

  • Apple iPhone/iPod touch
  • HTC Diamond
  • HTC Touch HD
  • Nokia N85
  • Nokia N96
  • Nokia 5800
  • Samsung Omnia
  • Sony Ericsson C905
  • Sony Ericsson W705
  • Sony Ericsson W715
  • Sony Ericsson W775
  • Sony Ericsson Xperia X1
  • Archos 605 WiFi
  • Archos Internet Media Tablet
  • Creative Zen X-Fi and Creative Zen
  • Philips GoGear SA52 series
  • Samsung YP-P2 and YP-Q1
  • Sony Walkman E and S series
  • Nintendo Wii
  • Sony Playstation 3
  • Linksys DMA2200
  • Netgear EVA8000

…und und und und und und und und. Kurz gesagt: auf möglichst vielen Internet-Empfangsgeräten. Genau dort, wo die Hörer sind.

Zuerst war der Sound, dann kam das Bild

Bei der Liste oben stellt jeder schnell fest: im Vergleich zu klassischen Radio-Empfangsgeräten hat so ziemlich jedes Internet-Empfangsgerät auch einen Bildschirm. Das merkte auch die BBC und fragte sich selbst: was passiert eigentlich auf dem Bildschirm?

Schon im Februar 2008 kam es zu ersten Überlegungen zum Thema “Visual Radio”. Im Blog wurden verschiedene Prototypen vorgestellt. Einer der interessanten war eine MashUp-Webseite, die sich zum aktuell laufenden Titel unzählige Informationen aus dem Netz holte:

Noch heute ist der Prototyp online.

Zufrieden waren die Macher noch nicht ganz. Der Autor Simon Cross schloss mit den Sätzen:

“What we need to do now is make it visually stunning (..) and work on the data to make a truly compelling offering.”

Es sollte noch das ganze Jahr 2008 vergehen eh eine Oberfläche geschaffen war, mit der die BBC am 12. Januar 2009 an den Start ging. Der Test dauerte eine Woche. Das Ergebnis lässt sich noch heute auf YouTube anschauen:

[youtube:http://www.youtube.com/watch?v=0omRYZRD_pU 320 240]

In der Testwoche probierten die Macher viel aus (SMS-Einbindung, Polls, kleine Logbuch-Einträge der Moderatoren – alles nachzulesen und anzuschauen im Blogeintrag) Für Nerds wird hier die Technik dahinter erklärt.

Die Grundregeln waren klar. In einem Fazit beschreibt Tristan Fert worum es ging:

We didn’t want to radically change the way a programme is produced, or how the output is perceived by the listeners. What we did want to do is add value for a new group of listeners, and I feel at points during this trial we achieved this.

Roll on phase 2

Boom – and everybody watched Radio

Diese zweite Phase läuft zur Zeit und ist ein Knall. Vielleicht nicht der Urknall für das digitale Radio. Aber das Ergebnis ist so weit vorn, dass ich in der Redaktion mit offenem Mund saß und mir einen Zweitwohnsitz in Großbritannien wünschte (Erstwohnsitz weiterhin hier, weil unser Gesundheitssystem noch deutlich besser ist als auf der Insel).

Der Nachrichtensender Five Live sendete seine Nachmittagshow gleich drei Wochen lang digital via Video und Zusatzinformationen. BBC Radio 1 darf sechs Wochen die Frühsendung mit Chris Moyles übertragen, dazu noch die Vorabendsendung mit Zane Low. Das erfolgreiche Wortprogramm Radio 4 überträgt eine Sendung. Selbst die Digitalstation “6 Music” sendet eine Musiksendung als Visual Radio Show.

Warum soviel? Schließlich ist das Projekt sehr teuer, technisch unglaublich aufwendig. Mark Friend schreibt:

The programmes in the trial represent a cross-section of BBC Radio output and target audiences in order to give us representative insights into how we can innovate and offer a much richer experience to those listening to their radio on a device with a screen, but without losing any quality to traditional radio output.

Weitere Highlights des neuen Players:

  • Widescreen-Format
  • Empfang auf mobilen Geräten
  • Textnachrichten direkt über die Konsole in Studio
  • weiterführende Zusatzinformationen von anderen BBC Plattformen

Die BBC versucht das Projekt herunterzuspielen, spricht von einem “Trial”, einem Experiment, aber Guy Strelitz bringt es im Radio Labs Blog auf den Punkt:

We’ve made a monster. We think it’s pretty cool.
We hope you enjoy it!

Take a look back – when there was still just… Radio

Wenn in Deutschland in der nächsten Woche die neue Radio MA kommt, werden alle Stationen feststellen, dass die Kernzielgruppe 14-49 sich langsam aber bestimmt vom Radio abwendet. “Bei den 14- bis 49-Jährigen ist die Reichweite allerdings erneut gefallen, diesmal von 78,1 auf 77,8%” schreibt kress.de vorab. In kleinen Schritten, aber bewegend.

Radiomacher in Deutschland haben schnell richtig erkannt, dass Radio ein Nebenbei-Medium ist. Und genauso nebenbei haben viele den Weg freigemacht für ein austauschbares Programm.

Die BBC wollte das nicht hinnehmen. Radio ist Leben, Unterhaltung und überall wo du bist. Und das Beste: du kannst nebenbei machen was du willst. Und wenn du nichts besseres zu tun hast, dann schau jetzt eben Radio.