Wenn es Facebook Radio geben würde #76 //1000.Ideen

Es tut mir Leid, euch, liebe Radiomacher, schon wieder erschrecken zu müssen. Mein Beitrag “Wenn es Google Radio gäbe” hat ich schon angerissen, welch wundervoll personalisiertes Programm Google machen würde.

Marcel Tuljus twitterte daraufhin:

Es macht mir Angst, aber ich würde es hören.

Das geht noch besser.

Vorher eine Exkursion. Gunter Dueck hat beim radioday in Köln vergangene Woche erzählt, dass Google irgendwann einfach ausspuckt wonach wir verlangen. Ich sage “Lady Gaga” und mein Google Handy (aka Android Handy) spielt mir Lady Gaga. Ich sage “Informationen zur Euro-Krise” und mein Google Handy spielt mir Beiträge zum Thema Euro-Krise vor. Im Autoradio, während ich fahre.

Das glaube ich auch. Es entspricht aber nicht der Hör-Situation, die wir vom Radiohören kennen. In gewissen Situationen wollen wir gar nichts sagen oder können gar nichts sagen. Wir wollen einfach, das etwas läuft. Im Büro, beim Kochen, beim Abwasch, beim Frühstück. Uns wird die freundliche Radiostimme am Morgen also vermutlich noch einige Zeit erhalten bleiben. Der Konkurrenzdruck wird stärker, die Möglichkeiten für den Konsumenten deutlich vielfältiger. Ob sich mit Radio in acht Jahren noch Geld verdienen lässt, sei einmal dahin gestellt.

Wie würde also ein Facebook Radio aussehen?

Stellen wir uns folgende Situation vor. Ich logge mich bei Facebook ein – im Web oder über die App – und finde dort plötzlich einen “Radio hören” Button. Wird der so heißen? Nein. Wird er Radio abspielen? Nein. Zumindest nicht so wie wir es kennen.

Das Prinzip ist ähnlich meinem beschriebenem Google Radio Prinzip. Durch die vielen Kooperationen, die Facebook mit Content Partnern eingeht (darunter für Musik Spotify, für News die Washington Post), verfügt der Konzern über einen unerschöpflichen Topf an Content in allen Varianten für alle Zielgruppen und – über die kommenden Jahre – in allen Sprachen.

Facebook hat – im direkten Vergleich mit Google – einen einmaligen Vorteil: es weiß wirklich sehr genau, was wir mögen. Wir klicken schließlich “like/gefällt mir”. Außerdem kennt Facebook unsere Freunde. Zeig mir deine Freunde und ich zeig dir wer du bist. Ein Facebook Radio wäre exponentiell personalisierter als ein Google Radio – bisher, Google+ entwickelt sich scheinbar ganz gut.

Durch diese Freundschaftsverknüpfungen kann Facebook sogar über den Tellerrand schauen (Klaus’ Freund David gefällt schon einen neuer Song, den Klaus noch nicht kennt, der ihm aber gefallen könnte, also spielen wir den mal). Das Erlebnis wäre viel näher am persönlichen Geschmack einer Person als Pandora oder LastFM. Es geht nicht mehr nur um Stimmung oder “Musik ähnlich Coldplay” Mechanismen. Es geht um echte Geschmäcker. Über die lässt sich nicht streiten. Denn jeder hat seinen eigenen.

All das ersetzt weiterhin nicht den Moderator am Morgen, der gute Laune versprüht und unterhält. Ich frage mal provokant: werden unsere Kinder, die jetzt vielleicht zehn oder elf Jahre sind, den überhaupt vermissen, wenn sie in acht Jahren 18 oder 19 sind?

Die andere Frage ist: würden Facebook und Google das überhaupt machen? Bestimmt nicht. Aber wieso nicht einfach wir Radiomacher? Facebook erlaubt doch den Zugriff auf alle möglichen Daten seiner Nutzer.

Mein Leben ohne Facebook

(Bitte diesen Beitrag vorher betrachten)

Ja, ich bin glücklich.

Ohne Facebook. Okay, niemand hätte jemals behauptet, dass Facebook glücklich macht. Aber immerhin zeigen sich doch bei einigen Individuen auf diesem Planeten Sucht-Erschei… apropos. Ich hab Lust auf einen Pudding. Lecker.

Okay, wieder da. Was wollte ich schreiben?

Nehmen wir mal die lieben Kollegen. Trabe ich gemütlich an den Redaktionscomputern vorbei, findet sich bei einem flüchtigen Blick in nahezu jeder zweiten Taskleiste das blaue “F”. Geht es in die Mittagspause werden die Smartphones gezückt: Bei Facebook ist nix los, scheinen alle in der Mittagspause zu sein.

Ich versuche es mal auf den Punkt zu bringen.

Wir werden gemolken. Der Preis, den wir zahlen, sind unsere Geheimnisse. Facebook weiß mehr über uns, als wir selber zu wissen glauben. Facebook kann in Zukunft unsere Handlungen besser vorhersagen als Google. Facebook weiß zu welchen Events wir vielleicht gehen, wo wir uns befinden und was wir gut finden (und somit auch was wir nicht unbedingt geil finden, so dass wir dem ein Thumbs-up geben würden). Facebook weiß welche Geheimnisse wir vor unserem Partner haben, wen wir kennen und in welcher Beziehung wir zu nahezu jeder Person dieses Planeten stehen. Über die Informationen, die wir in unsere Profile eintragen, über die Freundesverknüpfungen, über unsere E-Mail-Adressbücher, die wir hochladen und über den Mailverkehr in unserer Facebook-Inbox.

All das weiß Google theoretisch auch. Nur bei Facebook sind alle Menschen miteinander verknüpft, diese Verbindungen können analysiert und ausgewertet werden. Und machen wir uns nichts vor: das werden sie auch. Alles andere zu glauben wäre naiv. Nicht umsonst testet die Firma hinter Facebook wie weit sie mit personalisierter Werbung gehen kann.

Wenn die Firma hinter Facebook wenigstens so ehrlich wäre und sagen würde: “Okay, Leute, wir haben es probiert, das macht so alles keinen Sinn – all eure Daten sind ab sofort öffentlich. Schluss mit den ganzen komplizierten Einstellungen, die wir nur aufgebohrt haben, damit ihr die Lust daran verliert und alles so lasst, wie wir es vorschlagen. Seid euch einfach bewusst: was ihr postet, ist öffentlich. Für alles und jeden.” Dann wäre zumindest in diesem Bereich abzuschätzen, was mit meinen Daten passiert. Dann wäre nur noch die Inbox eine Art Blackbox, bei der niemand bis heute so recht weiß wie die Firma hinter Facebook mit den gesammelten, privaten Briefen umgeht und wie private die privaten Chats nun wirklich sind.

Freuen wir uns also auf Identitätsdiebstähle, Informationserpressungen und der absoluten Wahrheit über uns und jeden, denn Sicherheit ist relativ und ein Super-Gau eben nur sehr, sehr unwahrscheinlich.

Das alles ist vollkommen okay. Wir lassen es schließlich kommentarlos zu.

Die Firma hinter Facebook baut nicht aus Spaß und Goodwill eine allumfassende Kommunikationsplattform im Netz. Sie wird nicht umsonst mit weit über 50 Milliarden Dollar bewertet. Das ist doch alles Scheiße. Wollen wir das wirklich? Haben wir Bock darauf? Nehmen wir diese ganzen Unsicherheiten einfach hin?

Ich habe mich lange gefragt, warum die meisten Leute diesen Verlust an Selbstbestimmung akzeptieren. Warum viele von uns so billig zu haben sind? Ökonomisch gesehen ist doch die Frage: Was bin ich bereit zu zahlen, um Facebook nutzen zu können? Klar, an Euros, nichts. Finanziell ist der ganze Quatsch keinen einzigen Cent wert. Aber an Privatsphäre und Intimität: was immer die Firma hinter Facebook von mir verlangt!

Das ist purer Wahnsinn. Das ist das wahre Genie in Mark Zuckerberg – er hat es geschafft, uns einen Seelenstriptease abzukaufen. Die einzige Möglichkeit, warum so viele es zulassen: Unwissen. Naivität. Die Annahme kostenlos sei gleich kostenlos. Nein, wir zahlen immer einen Preis. Mir ist der eindeutig zu hoch. Schon viel zu lange.

Wir hatten immer Angst vor dem gläsernen Bürger. Jetzt haben wir uns selbst verglast und leuchten jeden Winkel unserer Gedanken aus.

Und wer jetzt sagt: “ich poste da doch nix, ich maile auch selten, ich bin nur ab und an eingeloggt.”, der hat immer noch nicht verstanden, was diese Firma da auf diesen Planeten gesetzt hat. Wir helfen alle mit. Mit Like-Buttons im gesamten Netz, mit Empfehlungen, mit Verknüpfungen, mit Single-LogIns. Niemand muss mehr Facebook benutzen um von Facebook gekannt, erkannt und bewertet zu werden.

Den Teufel male ich euch gar nicht an die Pinnwand. Es ist wirklich egal. Die Welt geht niemals unter. Ich frage mich nur, ob wir am Ende die Dummen sein wollen?

 

Facebook – die neue alte Privatsphäre

Mit etwas Abstand betrachtet: Die ganze Aktion war eine große PR-Nummer. Mehr nicht.

Facebook hat vor einigen Wochen die Einstellungen zur Privatsphäre erneuert.

Es gibt weiterhin viel Unklares, aber auch Verbesserungen. Damit möchte ich anfangen:

1. Es ist mit einem Klick möglich alle Applikationen innerhalb von Facebook zu deaktivieren/blockieren.
2. Die automatische Personalisierung von Dritt-Webseiten lässt sich komplett und einfach deaktivieren.
3. Facebook hat versprochen zukünftig keine Einstellungspunkte mehr zurückzusetzen – wie vor sechs Monaten geschehen.

Es gibt Punkte, die mich wirklich verärgern:

Zuckerberg hat gesagt, dass 50% der Nutzer mindestens eine Einstellung innerhalb der Privatsphäre verändert hat. Er legt das als Erfolg aus. Ich finde es besorgniserregend, dass scheinbar zwischen 200 und 250 Millionen Nutzer mit einem komplett offenem Profil durchs Netz surfen. Das ist krank.

In einem Video, das Zuckerberg zu den neuen Einstellungen online gestellt hat, kommt er wieder mit dem “umso mehr Informationen geteilt werden, umso schneller lassen sich die Probleme dieser Welt lösen”-Satz. Ich weiß nicht, ob er das wirklich ernst meint – wenn ja, ist Zuckerberg komplett kaputt im Kopf. Meint er es nicht ernst, würde sich wenigstens meine alte Vermutung über Zuckerberg bestätigen.

Was sollen wir für Probleme lösen, wenn Menschen private Fotos und Informationen allen anderen Menschen zur Verfügung stellen? Ich halte viel von Protestgruppen, Aktionen, die sich über Facebook organisieren und Veranstaltungen auf die viele Leute aufmerksam gemacht werden. Aber es gibt einen Bereich meines Lebens, der privat ist. Und zwar so privat, dass er nur von wirklich ausgewählten Leuten erschlossen werden soll – selbst Facebook sollte diese Zeilen dann ignorieren. An so etwas denkt Zuckerberg nicht. Das bereitet mir Sorgen.

Außerdem findet sich auf den Erklärseiten zu den neuen Einstellungsmöglichkeiten ein Widerspruch, der nicht aufgelöst wird:

“Werbekunden: Wir teilen deine persönlichen Informationen niemals mit Werbekunden.”

“Umgehende Personalisierung: Einige ausgewählte Partnerseiten können auf deine Informationen zugreifen, um dein Nutzererlebnis zu personalisieren sobald du ihre Webseite aufrufst.”

Letzteres betrifft zwar nur Informationen, die eh schon “ALLEN” zur Verfügung gestellt werden. Der Gedanke, das von Facebook erwählte Seiten trotzdem meine Informationen verarbeiten können, ist verwirrend und erzeugt Unsicherheit. Zumal hier nicht klar getrennt wird. Können Werbekunden auch Partnerseiten sein?

Was mich außerdem verwirrt ist das Verständnis von Facebook Dinge zu vereinfachen. Ja, die neuen Privacy-Einstellungen sind besser strukturiert. Aber weit davon entfernt simpel, deutlich und klar zu sein. Man muss weiterhin in mindestens drei Untermenüs, teilweise sogar noch tiefer.

Vor allem wer einzelne Punkte wirklich allen vorenthalten möchte, oder – noch heftiger – bestimmte Punkte nur bestimmten Personen oder Nutzerlisten zugänglich machen will, kommt schnell in ein Klick-Chaos mit unsicherem Ende. Ob man wirklich an alles gedacht hat, ist nicht ganz klar.

Außerdem fasst Facebook sehr viele Punkte unter einem Punkt zusammen – wer dort noch mal unterscheiden will, der kann ein Buch drüber schreiben. Ich finde sogar, dass einige Punkte erst richtig versteckt wurden.

Zusammengefasst lässt sich ganz klar sagen: guter PR-Stunt. Nach der ganzen negativen Presse in den letzten Wochen und Monaten, schickte Facebook seinen 26jährigen Gründer vor die Presse. Er musste den Kopf hinhalten und zu Kreuze kriechen. Auf seine bekannte eklige “ich will doch nur die Welt verbessern” Art.

Verbessert hat sich nicht wirklich etwas. Zumal der Umgang mit einmal eingetragenen Daten – ewiges Speichern, kompliziertes Löschen des Profils, unklare Rechtelage der geposteten Inhalte – nicht geändert wurde. Hier bleibt Facebook seiner Linie treu: was du gibst, nehmen wir dir.

Deshalb würde ich weiterhin uneingeschränkt empfehlen auszutreten und vorher noch E-Mail-Adressen oder Handynummern auszutauschen.

Mehr Links von Danny Sullivan:

Facebook – Gespräch mit NDR Info zum QuitFacebookDay

Warum treten viele Menschen aus? Was hat sich geändert? Was wenn meine Kinder zu Facebook möchten? (Zum Hören klicken)

“Es war eine große PR-Kampagne”

Heute im Mittagsecho bei NDR Info.

Was veröffentlicht Facebook über mich?

Es ist ein wenig undurchsichtig was Facebook nun anderen Seiten in welcher Form über eine Person zur Verfügung stellt. De Facto ist es so, dass andere Seiten über gewisse Schnittstellen auf euer Profil zugreifen können.

Deshalb sollte natürlich jeder seine Privacy-Einstellungen genau durchschauen. Hier noch einmal die aktuellen Screenshots verlinkt.

Es gibt allerdings hier einen guten Test: http://www.rabidgremlin.com/fbprivacy/

Klickt dort einfach auf den LogIn-Button und die Seite zeigt euch an, welche Daten von eurem Facebook-Profil frei verfügbar sind. Das ist sehr spannend und zeigt, ob ihr auch wirklich alle Einstellungen korrekt getätigt habt.

Wir Idioten

Angeblich hat Mark Zuckerberg, Gründer und Chef von Facebook, kurz nach dem Start von Facebook folgendes gesagt:

Zuck: Yeah so if you ever need info about anyone at Harvard

Zuck: Just ask.

Zuck: I have over 4,000 emails, pictures, addresses, SNS

[Redacted Friend's Name]: What? How’d you manage that one?

Zuck: People just submitted it.

Zuck: I don’t know why.

Zuck: They “trust me”

Zuck: Dumb fucks

Hier das Statement von Facebook dazu.

Über ihn gibt es so einige, spezielle Geschichten. Zumindest ist er niemand, dem ich traue.

Tschüss Facebook

Vorweg: ich bin in bester Gesellschaft.

A number of high-profile web industry leaders have quit Facebook this week, a turn of events that’s sure to heat up conversation about the social network’s perceived transgressions.

Und womit? Mit Recht!

Aber von vorne. Nach knapp zwei intensiven Jahren habe ich mein Facebook-Profil gelöscht. Mit 210 Freunden. Jetzt kommt der Trick: Dafür gibt’s eine Facebook-Fan-Page mit meinem Namen:
http://www.facebook.com/pages/Robert-Kindermann/110422429001213

Warum? Facebook baut Mist. Das wissen wir eigentlich seit dem ersten Versuch vor ein paar Jahren mit Beacon (Hintergrund Infos bei Wikipedia: http://en.wikipedia.org/wiki/Facebook_Beacon) – einem Werbeprogramm, das Unternehmen umfassenden Zugriff auf Nutzerprofile gewährleistete. 2009 drehte Facebook das Rad zurück. Beacon wurde abgeschafft. Danach wurde eigentlich alles schlimmer.

Es ist kein Problem sein Facebook-Profil zu großen Teilen vor der Öffentlichkeit zu verstecken. Nur kann keiner darauf vertrauen, was Facebook als Öffentlichkeit ansieht und für wie lange diese Definition standhält. Vielleicht überlegt sich Facebook morgen alles freizugeben. Das sorgt für ein permanentes Unwohlsein.

Facebook ist schlimmer als Windows.

Nichts für ungut, Microsoft hat es möglich gemacht, dass Millionen Menschen einen Computer im Ansatz bedienen können. Aber sie haben auch für Viren, Trojaner und anderen Schrott eine Plattform geschaffen um Menschen an ihrem Computer zu misshandeln, Daten zu stehlen und Konten zu plündern. Das geht auch woanders, aber Microsoft zieht auch nach 25 Jahren nicht die Notbremse und setzt das System endlich neu auf. (Auch im neusten Windows, Windows 7, funktionieren problemlos die allermeisten Trojaner und Viren der Vorgängerversionen).

Facebook ist schlimmer. Innerhalb von zwei Jahren ist es zu einem System voller Stolperfallen, Sicherheitslöchern und gefährlichen Anwendungen gewachsen. Ob es die spontanen Änderungen der Sicherheitseinstellungen sind, Löcher im hauseigenen Chatsystem oder der Zugriff von außen auf sämtliche Profildaten. Der Nutzer ist ihnen, so scheint es oft, egal.

Zumindest will Facebook nun gegen dieses Image arbeiten. Zusammen mit der New York Times hat Elliot Schrage, vice president for public policy, die Fragen der aufgeregten Nutzer beantwortet. Heraus kam ein Erguss devoter Peinlichkeit:

This is a good opportunity for Facebook to listen to and learn from an important group of users.

Als ob dieser Verein nicht die unzähligen Gruppen und Seiten gesehen hat, die sich über den Datenschutz beschwert haben.

Und weiter:

Reading the questions was a painful but productive exercise. Part of that pain comes from empathy. Nobody at Facebook wants to make our users’ lives more difficult. We want to make our users’ lives better.

Das ist widerlich und eklig. Und ich glaube, Mark Zuckerberg ist ein frustrierter Nerd, der in der Schule keinen Stich landete und jetzt kein Problem damit hat die Weltherrschaft zu proklamieren. 400 Millionen Nutzer können auch zu einem gewissen Größenwahn führen. Zeit Zuckerberg auf den Teppich zu holen.

Solche Sätze lassen die Mitarbeiter von Facebook für mich in einem Sumpf aus Wahn, Verlogenheit, Paranoia und Kotze erscheinen. Vor allem nach solchen Schlagzeilen:

Was Facebook über Nicht-Mitglieder weiß (3. Februar)
Facebook im Datenschutz-Test von Stiftung Warentest: “Erhebliche Mängel” (25. März)
Verbraucherzentrale rät zu Verzicht auf Facebook (7. April)
Facebook reduziert Privatsphäre (20. April)
Facebook-Gau: 1,5 Millionen Nutzerkonten gehackt (23. April)
Wie man Nutzer zu Spamschleudern macht (23. April)
Sicherheitslücke: Facebook-Nutzer konnten fremde Chats belauschen 6. Mai
US-Verbraucherschützer gegen Facebook (9. Mai)
Yelp Security Hole Puts Facebook User Data At Risk, Underscores Problems With ‘Instant Personalization’ 11. Mai

Und trotz aller nachträglichen Bemühungen um Schadensbegrenzung, am Ende entscheidet der Kontostand. Es gibt einige Investoren, die gerne mehr Geld wiedersehen würden, als sie anfangs in Facebook investiert haben. Auch die wissen wahrscheinlich, dass Facebook nur ein Strohfeuer ist. Machen wir uns nichts vor: AOL war riesig, MySpace war mal DER Hype. Irgendwann kommt das nächste große Ding nach Facebook.

Warum ist das eigentlich so? Meiner Meinung nach hat das drei entscheidende Gründe: zum einen, weil Kinder nicht dahin gehen, wo Mama und Papa sind. Spätestens dann hat sich Facebook erledigt. Ein anderer: wir haben eigentlich keine Zeit und genug anderes zu tun. Facebook benötigt so viel Interaktion, dass es Zeit stiehlt – und auf kurz oder lang wird jeder merken, dass es ziemlich verschwendete Zeit ist. Zuletzt stellt Facebook keine Technik zur Verfügung. Ein Beispiel: Niemand würde auf E-Mails verzichten, aber jeder kann auf GMX verzichten. Facebook bietet nichts, was ich woanders nicht auch bekommen könnte.

Facebook nervt.

Vielleicht die persönlichste Komponente an diesem Schritt. Es stresst mich. Der Facebook-Button auf meinem iPhone wurde ständig geklickt. Und es ist doch nichts passiert. Mich würden viel mehr “esse gerade Pizza”-Postings freuen. Ansonsten nur Musikvideos von den immer gleichen Leuten, was schön ist, aber wenn der Musikgeschmack nicht zusammen passt, nervt es irgendwann. Keine anregenden Diskussionen, kein Streit, eigentlich nur Langeweile. Ich will keine Spiele spielen, ich will auf keine Veranstaltungen und ich will auch nicht in Gruppen eintreten.

Stinkefinger 2.0

Robert Scoble ist ein NERD und er öffnet sein Facebook-Profil komplett – schon immer.

Den Ansatze finde ich spannend. Sein Hintergrund: als er bei Microsoft arbeitete, wurden irgendwann alle internen E-Mails öffentlich gemacht. Seitdem weiß er: wenn eine Information nicht auf der Titelseite einer großen Tageszeitung erscheinen soll, tippe die Information nicht in einen Computer. Großartig. So sehe ich das seitdem auch.

Und jetzt kommt mein Trick – so zeige ich Facebook meinen Stinkefinger. Ich existiere als Produktseite weiter. Als “Person des öffentlichen Lebens”. Alles was ich schreibe ist für alle sichtbar. Ich muss mir meinen Kopf nicht mehr zerbrechen, ob ich semi-private Dinge poste. Das habe ich selten getan, aber es gab eine gewisse Grenze. Jetzt poste ich nur noch Informationen, die ich an eine Bushaltestelle kleben würde.

Facebook weiß somit nichts über mich. Es gibt kein Profil von der Person Robert Kindermann, ich habe keinen Wohnort, den Facebook kennt und ich habe keine private E-Mail-Adresse. Für Facebook bin ich eine öffentliche Präsenz – wie McDonalds oder Starbucks. Etwas, das sie nicht mit ihrem Targeting erreichen. Keine andere Internetseite, die den Social Graph von Facebook auswertet, kann auf meine Daten zugreifen. Ich bin für Facebook wieder anonym, ein Produkt. HAHA!

Twitter reicht.

Ich bin in den letzten Monaten immer mehr ein Fan von Twitter geworden. Und somit ein offizieller Nerd auf allen Begegnungen bei denen es zu diesem Thema kommt. Ich finden den Ansatz sehr spannend. Denn Twitter will keine Plattform, sondern Technologie sein. Etwas, das man wirklich vermisst, wenn es wieder weg wäre.

In der Echtzeit-Suche ist Twitter schon jetzt unschlagbar und ich will darauf nicht mehr verzichten. Zwei aktuelle Beispiele aus der vergangenen Woche:

Als am Mittwoch das WLAN-Urteil vom Bundesgerichtshof kam, war die Pressemitteilung zuerst bei Twitter verlinkt und ich fand schnell Informationen und Einschätzungen von Rechtsanwälten. Weit vor den Agenturen von der DPA. N-JOY war somit einer der ersten Sender, die darüber berichtet haben. Wir hatten im gesamten NDR Hörfunk die Info zuerst.

Am gleichen Tag fielen gegen 13.30 Uhr sämtliche DE-Adressen aus. Mit einem Blick auf Twitter war schnell klar, dass das nicht nur uns in der Redaktion betraf und auch nicht auf Hamburg beschränkt war. Wir wussten von dem Problem VOR der Telekompressestelle und waren eine Stunde vor allen Agenturen mit dem Thema auf Sendung. Mit Verweis auf N-JOY brachten auch andere NDR Wellen die Geschichte in ihren Nachrichten. Ohne Twitter wäre ich nicht so schnell an Informationen von so vielen Seiten gelangt.

Bei Twitter geht es nicht um Menschen und ihre Interessen und um die Vermarktung dessen. Denn das funktioniert nicht, wie nach MySpace und anderen Social Networks nun Facebook erfahren muss. Bei Twitter geht es um Inhalte. Ich abonniere Menschen, die nichts mit meinem Freundeskreis sondern meinen Interessensgebieten zu tun haben. Die private Identität dahinter ist zweitrangig, mir geht es um die Informationen und Links, die diese Person teilt.

Ich bekomme Tipps zur Suchmaschinenoptimierung von Danny Sullivan, folge einem Rechtsanwalt mit Kerngebiet IT-Recht, bekomme Breaking News von CNN und Spiegel.de.

Zum Einstieg empfehle ich die Suche von Twitter unter search.twitter.com

So geht’s weiter.

Auf meiner Produktseite gibt’s dann weiterhin die Warnungen vor Facebook-Lücken und anderen Quatsch, den ich an meine öffentliche Bushaltestelle klebe. Und ich wünsch mir einen Facebook-Stinkefinger.

Facebook Privacy: the closest you’ll get (Screenshots)

Frage nach den Einstellungen der Facebook-Privatsphäre. Welche Punkte sollten wie eingestellt sein?

Allgemein ist Facebook, was die Privatsphäre angeht, ein Schweizer Käse. Es gibt Löcher, die von Haus aus kommen und die sich nicht stopfen lassen. Man kann nur drum rum essen. Das sollte jeder bedenken. Außerdem würde ich folgende Grundregeln befolgen:

  1. Kein Upload von privaten Fotos.
    Laut Facebook-AGBs werden alle Rechte abgetreten. Konkret: “Du gibst uns eine nicht-exklusive, übertragbare, unterlizenzierbare, unentgeltliche, weltweite Lizenz für die Nutzung jeglicher IP-Inhalte, die du auf oder im Zusammenhang mit Facebook postest („IP-Lizenz“). Diese IP-Lizenz endet, wenn du deine IP-Inhalte oder dein Konto löscht, außer deine Inhalte wurden mit anderen Nutzern geteilt und diese haben sie nicht gelöscht.”
    Alternative: ladet die Fotos zum Beispiel bei flickr.de hoch – dort gebt ihr diese Rechte nicht so weiträumig ab. Das gleiche gilt übrigens für Videos.
  2. Nutzt nicht die Funktion “Finde Personen, denen du E-Mails sendest” im Bereich Freundefinder
    Facebook speichert alle E-Mail-Adressen, die bei deinem E-Mail-Provider hinterlegt sind und knüpft so im Hintergrund ein Netzwerk aller Menschen auf dieser Welt. Grund: so können sie schon nach der Anmeldung neuen Mitgliedern Personen vorschlagen, die sie vielleicht kennen könnten. Ein nachträgliches Löschen ist unter diesem Link möglich.

Direkt nach der Anmeldung sind im Übrigen alle Tore bei Facebook offen. Jeder sollte und muss in den Privatsphären-Einstellungen nachbessern. Warum ist das so? Facebook will zum Einen, dass die Leute abhängig werden. Das passiert in dem die Mitglieder möglichst viele Informationen mit möglichst vielen anderen Menschen teilen. Außerdem will Facebook möglichst viel über seine Nutzer wissen um gezielter Unternehmen Informationen zum Targeting zur Verfügung zu stellen.

Für Facebook ist dieser Umgang übrigens normal:

“Menschen sind einverstanden damit, Informationen über sich mit anderen zu teilen und werden immer offener zu immer mehr Menschen. Die sozialen Normen hier haben sich in der Zeit entwickelt.” (Mark Zuckerberg, Facebook-Gründer)
Quelle: Spiegel.de

Ein großes Problem ist die Verknüpfung aller Online-Aktivitäten auf einer Plattform. Während Google seine Dienste Suche, Mail, Google Reader und Google Kalender physisch trennt, wird bei Facebook alles unter einer ID – deinem persönlichen Namen – gespeichert. Facebook weiß deutlich mehr und deutlich personenbezogen – nämlich mit Klarnamme – über seine Nutzer als Google.

Zum Vergleich: Google kennt erst einmal nur die IP-Adresse eines Nutzers. Das heißt wenn einen PC drei Personen im gleichen Haushalt nutzen, steckt für Google die gleiche Person dahinter. Bei Facebook loggt sich jeder mit seinem privaten Namen ein. Das ist ein wichtiger Unterschied.

Nun zu den Screenshots. Alle Einstellungen findet ihr unter dem Punkt “Konto” -> “Privatsphäre-Einstellungen” (für Vollbild auf das Bild klicken):

Facebook Privatsphäre-Einstellungen Kontaktinformationen

Facebook  Privatsphäre-Einstellungen Suche

Facebook Privatsphäre-Einstellungen Suche

Facebook  Privatsphäre-Einstellungen Profilinformationen

Facebook Privatsphäre-Einstellungen Profilinformationen

Facebook  Privatsphäre-Einstellungen Anwendungen und Webseiten

Facebook Privatsphäre-Einstellungen Anwendungen und Webseiten

Facebook  Privatsphäre-Einstellungen Anwendungen und Webseiten Übersicht

Facebook Privatsphäre-Einstellungen Anwendungen und Webseiten Übersicht

Zuletzt noch der Hinweis wo ihr euer Facebook-Profil komplett und gänzlich löschen könnte: hinter diesem Link.

Verbesserungsvorschläge gerne über die Kommentare.