Vorweg: ich bin in bester Gesellschaft.
A number of high-profile web industry leaders have quit Facebook this week, a turn of events that’s sure to heat up conversation about the social network’s perceived transgressions.
Und womit? Mit Recht!
Aber von vorne. Nach knapp zwei intensiven Jahren habe ich mein Facebook-Profil gelöscht. Mit 210 Freunden. Jetzt kommt der Trick: Dafür gibt’s eine Facebook-Fan-Page mit meinem Namen:
http://www.facebook.com/pages/Robert-Kindermann/110422429001213
Warum? Facebook baut Mist. Das wissen wir eigentlich seit dem ersten Versuch vor ein paar Jahren mit Beacon (Hintergrund Infos bei Wikipedia: http://en.wikipedia.org/wiki/Facebook_Beacon) – einem Werbeprogramm, das Unternehmen umfassenden Zugriff auf Nutzerprofile gewährleistete. 2009 drehte Facebook das Rad zurück. Beacon wurde abgeschafft. Danach wurde eigentlich alles schlimmer.
Es ist kein Problem sein Facebook-Profil zu großen Teilen vor der Öffentlichkeit zu verstecken. Nur kann keiner darauf vertrauen, was Facebook als Öffentlichkeit ansieht und für wie lange diese Definition standhält. Vielleicht überlegt sich Facebook morgen alles freizugeben. Das sorgt für ein permanentes Unwohlsein.
Facebook ist schlimmer als Windows.
Nichts für ungut, Microsoft hat es möglich gemacht, dass Millionen Menschen einen Computer im Ansatz bedienen können. Aber sie haben auch für Viren, Trojaner und anderen Schrott eine Plattform geschaffen um Menschen an ihrem Computer zu misshandeln, Daten zu stehlen und Konten zu plündern. Das geht auch woanders, aber Microsoft zieht auch nach 25 Jahren nicht die Notbremse und setzt das System endlich neu auf. (Auch im neusten Windows, Windows 7, funktionieren problemlos die allermeisten Trojaner und Viren der Vorgängerversionen).
Facebook ist schlimmer. Innerhalb von zwei Jahren ist es zu einem System voller Stolperfallen, Sicherheitslöchern und gefährlichen Anwendungen gewachsen. Ob es die spontanen Änderungen der Sicherheitseinstellungen sind, Löcher im hauseigenen Chatsystem oder der Zugriff von außen auf sämtliche Profildaten. Der Nutzer ist ihnen, so scheint es oft, egal.
Zumindest will Facebook nun gegen dieses Image arbeiten. Zusammen mit der New York Times hat Elliot Schrage, vice president for public policy, die Fragen der aufgeregten Nutzer beantwortet. Heraus kam ein Erguss devoter Peinlichkeit:
This is a good opportunity for Facebook to listen to and learn from an important group of users.
Als ob dieser Verein nicht die unzähligen Gruppen und Seiten gesehen hat, die sich über den Datenschutz beschwert haben.
Und weiter:
Reading the questions was a painful but productive exercise. Part of that pain comes from empathy. Nobody at Facebook wants to make our users’ lives more difficult. We want to make our users’ lives better.
Das ist widerlich und eklig. Und ich glaube, Mark Zuckerberg ist ein frustrierter Nerd, der in der Schule keinen Stich landete und jetzt kein Problem damit hat die Weltherrschaft zu proklamieren. 400 Millionen Nutzer können auch zu einem gewissen Größenwahn führen. Zeit Zuckerberg auf den Teppich zu holen.
Solche Sätze lassen die Mitarbeiter von Facebook für mich in einem Sumpf aus Wahn, Verlogenheit, Paranoia und Kotze erscheinen. Vor allem nach solchen Schlagzeilen:
Was Facebook über Nicht-Mitglieder weiß (3. Februar)
Facebook im Datenschutz-Test von Stiftung Warentest: “Erhebliche Mängel” (25. März)
Verbraucherzentrale rät zu Verzicht auf Facebook (7. April)
Facebook reduziert Privatsphäre (20. April)
Facebook-Gau: 1,5 Millionen Nutzerkonten gehackt (23. April)
Wie man Nutzer zu Spamschleudern macht (23. April)
Sicherheitslücke: Facebook-Nutzer konnten fremde Chats belauschen 6. Mai
US-Verbraucherschützer gegen Facebook (9. Mai)
Yelp Security Hole Puts Facebook User Data At Risk, Underscores Problems With ‘Instant Personalization’ 11. Mai
Und trotz aller nachträglichen Bemühungen um Schadensbegrenzung, am Ende entscheidet der Kontostand. Es gibt einige Investoren, die gerne mehr Geld wiedersehen würden, als sie anfangs in Facebook investiert haben. Auch die wissen wahrscheinlich, dass Facebook nur ein Strohfeuer ist. Machen wir uns nichts vor: AOL war riesig, MySpace war mal DER Hype. Irgendwann kommt das nächste große Ding nach Facebook.
Warum ist das eigentlich so? Meiner Meinung nach hat das drei entscheidende Gründe: zum einen, weil Kinder nicht dahin gehen, wo Mama und Papa sind. Spätestens dann hat sich Facebook erledigt. Ein anderer: wir haben eigentlich keine Zeit und genug anderes zu tun. Facebook benötigt so viel Interaktion, dass es Zeit stiehlt – und auf kurz oder lang wird jeder merken, dass es ziemlich verschwendete Zeit ist. Zuletzt stellt Facebook keine Technik zur Verfügung. Ein Beispiel: Niemand würde auf E-Mails verzichten, aber jeder kann auf GMX verzichten. Facebook bietet nichts, was ich woanders nicht auch bekommen könnte.
Facebook nervt.
Vielleicht die persönlichste Komponente an diesem Schritt. Es stresst mich. Der Facebook-Button auf meinem iPhone wurde ständig geklickt. Und es ist doch nichts passiert. Mich würden viel mehr “esse gerade Pizza”-Postings freuen. Ansonsten nur Musikvideos von den immer gleichen Leuten, was schön ist, aber wenn der Musikgeschmack nicht zusammen passt, nervt es irgendwann. Keine anregenden Diskussionen, kein Streit, eigentlich nur Langeweile. Ich will keine Spiele spielen, ich will auf keine Veranstaltungen und ich will auch nicht in Gruppen eintreten.
Stinkefinger 2.0
Robert Scoble ist ein NERD und er öffnet sein Facebook-Profil komplett – schon immer.
Den Ansatze finde ich spannend. Sein Hintergrund: als er bei Microsoft arbeitete, wurden irgendwann alle internen E-Mails öffentlich gemacht. Seitdem weiß er: wenn eine Information nicht auf der Titelseite einer großen Tageszeitung erscheinen soll, tippe die Information nicht in einen Computer. Großartig. So sehe ich das seitdem auch.
Und jetzt kommt mein Trick – so zeige ich Facebook meinen Stinkefinger. Ich existiere als Produktseite weiter. Als “Person des öffentlichen Lebens”. Alles was ich schreibe ist für alle sichtbar. Ich muss mir meinen Kopf nicht mehr zerbrechen, ob ich semi-private Dinge poste. Das habe ich selten getan, aber es gab eine gewisse Grenze. Jetzt poste ich nur noch Informationen, die ich an eine Bushaltestelle kleben würde.
Facebook weiß somit nichts über mich. Es gibt kein Profil von der Person Robert Kindermann, ich habe keinen Wohnort, den Facebook kennt und ich habe keine private E-Mail-Adresse. Für Facebook bin ich eine öffentliche Präsenz – wie McDonalds oder Starbucks. Etwas, das sie nicht mit ihrem Targeting erreichen. Keine andere Internetseite, die den Social Graph von Facebook auswertet, kann auf meine Daten zugreifen. Ich bin für Facebook wieder anonym, ein Produkt. HAHA!
Twitter reicht.
Ich bin in den letzten Monaten immer mehr ein Fan von Twitter geworden. Und somit ein offizieller Nerd auf allen Begegnungen bei denen es zu diesem Thema kommt. Ich finden den Ansatz sehr spannend. Denn Twitter will keine Plattform, sondern Technologie sein. Etwas, das man wirklich vermisst, wenn es wieder weg wäre.
In der Echtzeit-Suche ist Twitter schon jetzt unschlagbar und ich will darauf nicht mehr verzichten. Zwei aktuelle Beispiele aus der vergangenen Woche:
Als am Mittwoch das WLAN-Urteil vom Bundesgerichtshof kam, war die Pressemitteilung zuerst bei Twitter verlinkt und ich fand schnell Informationen und Einschätzungen von Rechtsanwälten. Weit vor den Agenturen von der DPA. N-JOY war somit einer der ersten Sender, die darüber berichtet haben. Wir hatten im gesamten NDR Hörfunk die Info zuerst.
Am gleichen Tag fielen gegen 13.30 Uhr sämtliche DE-Adressen aus. Mit einem Blick auf Twitter war schnell klar, dass das nicht nur uns in der Redaktion betraf und auch nicht auf Hamburg beschränkt war. Wir wussten von dem Problem VOR der Telekompressestelle und waren eine Stunde vor allen Agenturen mit dem Thema auf Sendung. Mit Verweis auf N-JOY brachten auch andere NDR Wellen die Geschichte in ihren Nachrichten. Ohne Twitter wäre ich nicht so schnell an Informationen von so vielen Seiten gelangt.
Bei Twitter geht es nicht um Menschen und ihre Interessen und um die Vermarktung dessen. Denn das funktioniert nicht, wie nach MySpace und anderen Social Networks nun Facebook erfahren muss. Bei Twitter geht es um Inhalte. Ich abonniere Menschen, die nichts mit meinem Freundeskreis sondern meinen Interessensgebieten zu tun haben. Die private Identität dahinter ist zweitrangig, mir geht es um die Informationen und Links, die diese Person teilt.
Ich bekomme Tipps zur Suchmaschinenoptimierung von Danny Sullivan, folge einem Rechtsanwalt mit Kerngebiet IT-Recht, bekomme Breaking News von CNN und Spiegel.de.
Zum Einstieg empfehle ich die Suche von Twitter unter search.twitter.com
So geht’s weiter.
Auf meiner Produktseite gibt’s dann weiterhin die Warnungen vor Facebook-Lücken und anderen Quatsch, den ich an meine öffentliche Bushaltestelle klebe. Und ich wünsch mir einen Facebook-Stinkefinger.
Vorweg: ich bin in bester Gesellschaft.
A number of high-profile web industry leaders have quit Facebook this week, a turn of events that's sure to heat up conversation about the social network's perceived transgressions.
Und womit? Mit Recht!
Aber von vorne. Nach knapp zwei intensiven Jahren habe ich mein Facebook-Profil gelöscht. Mit 210 Freunden. Jetzt kommt der ...