Bill Gates ist ein unglaublich reicher Mann. Er hat mit dem Betriebssystem Windows und seiner Firma Microsoft die Welt in den 90ern massiv revolutioniert.
Nur dann hat er, aus für mich absolut unerklärlichen Gründen, das Internet für nicht zukunftsfähig erklärt. Vielleicht hat ihn irritiert, dass Steve Jobs iMacs herstellen ließ. Das “i” stand einmal für “Internet” und bisher hatte noch nichts so richtig funktioniert, was Steve Jobs gestartet hat. Zumindest nicht kommerziell im Vergleich zu den Erfolgen von Microsoft.
Folge: der Internet Explorer brauchte Jahre, um doch noch Marktführer zu werden, nur um jetzt wieder an Bedeutung zu verlieren (gerade im privaten Bereich), Angebote wie MSN, Windows LIVE und BING mussten und müssen sich ihren Platz erkämpfen. Es hat lange gedauert, bis eine klare Strategie im Onlineangebot von Microsoft erkennbar war. Jetzt versucht der Laden auch auf dem Smartphonemarkt zu retten, was noch zu retten ist. Ein paar Marktanteile zwischen iOS, Android und Blackberry soll sich Windows Phone 7 sichern.
Bisher konnte Microsoft mit viel Geld seine Produkte zumindest mit viel Macht in den Markt drücken – auch nachträglich. Beim Internet Explorer hat das geklappt und auch BING ist der erfolgreichste webbezogene Launch seit langer Zeit.
Eine gewisse Arroganz sorgte dafür, dass Microsoft nach der Jahrtausendwende davon ausging, dass alles was mit und auf einem PC passiert, aus Redmond (dem Sitz der Zentrale in den USA) gesteuert werden kann. Und solange sollte auch die Marktführerschaft auf allen Bereichen, die irgendwas mit einem Computer im Privatbereich zu tun haben, bestehen bleiben.
Hart musste Microsoft spüren, dass am Ende nicht die Logik des Marktes oder bestehende Macht über die Zukunft entscheidet, sondern der Nutzer.
Daraus kann jeder wirklich viel lernen. Wir können da auch einen kurzen Blick zu Steve Jobs wagen. Er geht gänzlich und einzig vom Nutzer aus. Viele sagen er führe den Laden wie ein Diktator und setzt seinen Willen durch. Ich glaube das nicht. Apple überlegt sich ganz genau: Wollen das die Leute? Und wenn ja, funktioniert es auch so, dass es jeder versteht?
Wer den aktuellen “Bill Gates”‘ der Medienbranche in München zuhört, möchte meinen, dass sie auch gerne mit aller Macht die bestehenden Konstruktionen so belassen wollen, wie sie sind. Sie haben Angst vor dem Internet auf dem Fernseher – gleichzeitig haben sie kein Problem mit dem Fernsehen auf internetfähigen Laptops. Sie befürchten die Vermischung von Rundfunk und Wildfunk, sie sehen immer noch einen Unterschied zwischen einem großen 27″ Monitor mit einem Kabel zur Internetdose und einem Fernseher, der an einem anderem Stecker hängt.
Und es ist besonders irritierend, dass in der “Elefantenrunde” zum Auftakt der Medientage noch einmal innerhalb der kurzen Qualitätsdebatte (schlimmes, schlimmes RTL) darauf hingewiesen wird, dass das was mit dem Internet auf den Fernseher kommt, noch alles viel schlimmer und widerwärtiger wäre als alles was wir bisher sehen. Als gäbe es das Internet bisher nur in dunklen Hinterräumen von irgendwelchen Kneipen und dort sei immer noch nicht geregelt, was gezeigt werden darf und was nicht.
Da fragt man sich schon, wie realitätsfern diese Menschen sind und ob sie mitbekommen was gerade passiert. Viel schlimmer noch: Verfallen sie auch dem Glauben, dass sie als reine Contentlieferanten die technischen Verbreitungswege steuern könnten? Das war noch nie so und wird auch in Zukunft nicht sein. Wie sich Medienfirmen darauf einstellen mussten, dass es nach dem Buchdruck irgendwann Radio und später irgendwann das Fernsehen gab, kann jetzt nicht gefordert werden: Entwicklung stopp, uns geht das alles ein wenig zu sehr kreuz und quer.
Was gerade passiert ist längst keine Revolution mehr. Es ist pure Evolution. Es gibt keinen Knall, wie bei der Internetblase, es gibt auch keine Pressemitteilung vom “Internet” in der steht, dass jetzt alles anders läuft und es werden erst recht keine roten Knöpfe gedrückt. Es kommen einfach noch mal neuere Fernseher von Sony und Co., es kommen noch leistungsstärkere Handys und Tablets von Apple und Co. und Google wird auch nicht aufhören das Internet zu sortieren und auszulesen nur weil es sich ein paar Medienschaffende anders überlegen. Wer immer noch glaubt, lineares Fernsehen wird in zehn Jahren noch existieren, hat die letzten zehn Jahre gnadenlos ignoriert.
Man kann nur hoffen, dass das alles eher Spaß ist, was viele vorgeben zu glauben und sie sich einfach nicht in die Karten schauen möchten. Ansonsten wird das für alle ein großer Knall in den kommenden Jahren.
Bill Gates ist ein unglaublich reicher Mann. Er hat mit dem Betriebssystem Windows und seiner Firma Microsoft die Welt in den 90ern massiv revolutioniert. Nur dann hat er, aus für...