Fünf sinnvolle Erweiterungen für Siri #102 – #106

Nachdem ich mich gestern zu Recht über die Absurdität aufgeregt habe, dass man über Siri selbst bei der Bildschirmsperre problemlos Nachrichten verschicken kann, muss ich heute noch ein wenig meiner Begeisterung für dieses Tool fröhnen.

Fünf spannende Erweiterungen für Siri:

  1. Übersetzung – offensichtlich, oder? “Übersetze mir den Satz ‘Wo gibt es hier lecker Paella?’ ins Spanische”
  2. News Update – “Sag mir was gerade auf der Welt los ist.” – ich finde hier sollten die 1LIVE Infos abgespielt werden.
  3. Einkaufsbegleiter – “Was muss ich noch einkaufen?” – “Du brauchst Gurken, Tomaten, Salz, Pfeffer, neue Panini-Sammelbildchen.” – drei Minuten später – “Okay, ich hab die Gurken und die Tomaten – was fehlt nochmal?” – “Salz, Pfeffer und natürlich die Sammelbildchen”
  4. Alkoholtest – “Darf ich noch Auto fahren?” – “Wiederhole folgenden Satz: ‘Fischers Fritz fischt frische Fische, Fischers Fritz fischt frische Fische.” – Anhand des Lall-Faktors gibt Siri eine unverbindliche Empfehlung
  5. “Wer wird Millionär – on the drive Edition” - Das Quiz für die Autofahrt. “Wer hat Hitler erschossen? A) Stauffenberg, B) Das Baby von den Simpsons, C) Niemand, Hitler lebt, D) Hitler hat sich selbst erschossen.” – “Haha.. witzig… das Simpsons-Baby..” – “Ich nehm’ den Telefonjoker”
:D

Der große GutSCHEIN?!

Bisher habe ich mich nur bedingt zu den Themen Groupon, DailyDeal, CityDeal etc. geäußert. Einmal vor vier Monaten als Tweet:

Deals sind das neue Jamba.

Ein weiteres Mal in meinem Blogbeitrag “Wir haben doch keine Zeit” vor einigen Wochen.

Aber einchecken in meinem Lokal – wozu? Um Gutscheine abzugreifen? Wenn es mir zu teuer ist, gehe ich nicht hin. Ökonomisch ist der Preis gebildet, mit Gutscheinen ist kein langfristiger Effekt zu gewinnen.

Der Artikel nahm zwar Bezug auf Gutscheine, die ich bei Foursquare und Co. abstauben kann, das Prinzip dahinter ist jedoch ähnlich.

Mir hat sich bisher nie die Frage gestellt, diese Angebote ernsthaft als nachhaltig zu betrachten. Es ist ein Hype, der schnell zusammenfallen wird. Schneller als Jamba würde ich tippen.

Wieso? Meine ökonomischen Kenntnisse beschränken sich zwar auf den Wirtschaftsteil der ZEIT, dem regelmäßigen Konsum des grandiosen Blogs weissgarnix.de und einem zweitägigen Zeit-Akademie “Studiums” aber diese Basis reicht aus um zu erkennen, dass Gutscheine nicht nachhaltig sind und somit auch das Geschäftsmodell der Gutschein-Anbieter es nicht ist.

Spätestens nach dreimaligem Nutzen werden die Kunden feststellen, dass sie die Gutscheine in den meisten Fällen gar nicht einlösen. Und nach einmaligem Nutzen werden Firmen, die über Groupon & Co. mit Hilfe von Gutscheinen neue Kunden gewinnen wollten, feststellen, dass das nicht der Fall ist.

Lange habe ich überlegt, ob ich dazu meine Gedanken ausführlich äußern soll. Das brauche ich jetzt zum Glück nicht mehr. T3N hat das für mich übernommen. Im Artikel “Groupon-Analyse: Die Zeichen stehen auf Fiasko” zieht Autor Dieter Petereit ein eindeutiges Fazit:

Groupons Modell schafft keine Werte, sondern zerstört sie. Je mehr Groupon-Präsenz in einer Region ist, umso schneller geht das. Am Ende muss das Groupon-Geschäftsmodell unweigerlich scheitern.

Update: Das ist ja noch viel besser.

The customers she attracted weren’t likely to be regulars. One customer tried to use three Groupons at once. “What are you going to get for $39? Do you want the whole shop? And they were really offended.” “Most people took a trek here. This is definitely a neighborhood shop. People don’t come here from other parts of town just to get coffee.”  Some were abusive to staff and didn’t tip.

Den kompletten Artikel “Groupon was ‘the worst decision I have ever made as a business owner” lesen.

Mein Leben ohne Facebook

(Bitte diesen Beitrag vorher betrachten)

Ja, ich bin glücklich.

Ohne Facebook. Okay, niemand hätte jemals behauptet, dass Facebook glücklich macht. Aber immerhin zeigen sich doch bei einigen Individuen auf diesem Planeten Sucht-Erschei… apropos. Ich hab Lust auf einen Pudding. Lecker.

Okay, wieder da. Was wollte ich schreiben?

Nehmen wir mal die lieben Kollegen. Trabe ich gemütlich an den Redaktionscomputern vorbei, findet sich bei einem flüchtigen Blick in nahezu jeder zweiten Taskleiste das blaue “F”. Geht es in die Mittagspause werden die Smartphones gezückt: Bei Facebook ist nix los, scheinen alle in der Mittagspause zu sein.

Ich versuche es mal auf den Punkt zu bringen.

Wir werden gemolken. Der Preis, den wir zahlen, sind unsere Geheimnisse. Facebook weiß mehr über uns, als wir selber zu wissen glauben. Facebook kann in Zukunft unsere Handlungen besser vorhersagen als Google. Facebook weiß zu welchen Events wir vielleicht gehen, wo wir uns befinden und was wir gut finden (und somit auch was wir nicht unbedingt geil finden, so dass wir dem ein Thumbs-up geben würden). Facebook weiß welche Geheimnisse wir vor unserem Partner haben, wen wir kennen und in welcher Beziehung wir zu nahezu jeder Person dieses Planeten stehen. Über die Informationen, die wir in unsere Profile eintragen, über die Freundesverknüpfungen, über unsere E-Mail-Adressbücher, die wir hochladen und über den Mailverkehr in unserer Facebook-Inbox.

All das weiß Google theoretisch auch. Nur bei Facebook sind alle Menschen miteinander verknüpft, diese Verbindungen können analysiert und ausgewertet werden. Und machen wir uns nichts vor: das werden sie auch. Alles andere zu glauben wäre naiv. Nicht umsonst testet die Firma hinter Facebook wie weit sie mit personalisierter Werbung gehen kann.

Wenn die Firma hinter Facebook wenigstens so ehrlich wäre und sagen würde: “Okay, Leute, wir haben es probiert, das macht so alles keinen Sinn – all eure Daten sind ab sofort öffentlich. Schluss mit den ganzen komplizierten Einstellungen, die wir nur aufgebohrt haben, damit ihr die Lust daran verliert und alles so lasst, wie wir es vorschlagen. Seid euch einfach bewusst: was ihr postet, ist öffentlich. Für alles und jeden.” Dann wäre zumindest in diesem Bereich abzuschätzen, was mit meinen Daten passiert. Dann wäre nur noch die Inbox eine Art Blackbox, bei der niemand bis heute so recht weiß wie die Firma hinter Facebook mit den gesammelten, privaten Briefen umgeht und wie private die privaten Chats nun wirklich sind.

Freuen wir uns also auf Identitätsdiebstähle, Informationserpressungen und der absoluten Wahrheit über uns und jeden, denn Sicherheit ist relativ und ein Super-Gau eben nur sehr, sehr unwahrscheinlich.

Das alles ist vollkommen okay. Wir lassen es schließlich kommentarlos zu.

Die Firma hinter Facebook baut nicht aus Spaß und Goodwill eine allumfassende Kommunikationsplattform im Netz. Sie wird nicht umsonst mit weit über 50 Milliarden Dollar bewertet. Das ist doch alles Scheiße. Wollen wir das wirklich? Haben wir Bock darauf? Nehmen wir diese ganzen Unsicherheiten einfach hin?

Ich habe mich lange gefragt, warum die meisten Leute diesen Verlust an Selbstbestimmung akzeptieren. Warum viele von uns so billig zu haben sind? Ökonomisch gesehen ist doch die Frage: Was bin ich bereit zu zahlen, um Facebook nutzen zu können? Klar, an Euros, nichts. Finanziell ist der ganze Quatsch keinen einzigen Cent wert. Aber an Privatsphäre und Intimität: was immer die Firma hinter Facebook von mir verlangt!

Das ist purer Wahnsinn. Das ist das wahre Genie in Mark Zuckerberg – er hat es geschafft, uns einen Seelenstriptease abzukaufen. Die einzige Möglichkeit, warum so viele es zulassen: Unwissen. Naivität. Die Annahme kostenlos sei gleich kostenlos. Nein, wir zahlen immer einen Preis. Mir ist der eindeutig zu hoch. Schon viel zu lange.

Wir hatten immer Angst vor dem gläsernen Bürger. Jetzt haben wir uns selbst verglast und leuchten jeden Winkel unserer Gedanken aus.

Und wer jetzt sagt: “ich poste da doch nix, ich maile auch selten, ich bin nur ab und an eingeloggt.”, der hat immer noch nicht verstanden, was diese Firma da auf diesen Planeten gesetzt hat. Wir helfen alle mit. Mit Like-Buttons im gesamten Netz, mit Empfehlungen, mit Verknüpfungen, mit Single-LogIns. Niemand muss mehr Facebook benutzen um von Facebook gekannt, erkannt und bewertet zu werden.

Den Teufel male ich euch gar nicht an die Pinnwand. Es ist wirklich egal. Die Welt geht niemals unter. Ich frage mich nur, ob wir am Ende die Dummen sein wollen?

 

Macht unsere Daten wertlos!

Daten sind nirgends nie nicht niemals sicher. Vergessen wir es. Geben wir es auf. Wir können die Verschlüsselung noch so sehr hochschrauben, wir können Daten auf Atombrennstäben speichern. Wer wirklich ran will, braucht nur Zeit. Im Zweifel versucht er als Programmierer in einem Unternehmen möglichst nah an die Daten ranzukommen. Was von Menschen programmiert wird, kann von Menschen ausgelesen werden.

Wir brauchen einen neuen, radikalen Ansatz. Die grundsätzliche Idee alle Daten öffentlich zu machen, halte ich für schieren Wahnsinn. Was soll es bringen wenn jeder meine Kontodaten, Krankenakte und darüber hinaus sämtliches Wissen über mich auswerten und nutzen kann? Mit allem Respekt: Das ist doch quatsch.

Entmachtet unsere Daten!

Wir haben uns einer Entwicklung hingegeben, die wir so sehr als gegeben sehen, dass scheinbar niemand mehr darüber nachdenkt, ob sie wirklich so sinnvoll ist. Ich meine damit nicht das Speichern von Daten an sich. Wir müssen Daten speichern und zugänglich machen. Noch viel stärker als je zuvor. Wir müssen uns diese Freiheit bewahren. Es ist ein Schlüssel zu mehr Aufgeklärtheit, zu mehr Demokratie und somit zu weniger Kriegen und religiös getriebener Gewalt. Von diesem Pfad des Speicherns und Auswerten von Daten dürfen wir nie wieder abkommen. Es ist die größte Errungenschaft seit der Erfindung des Buchdrucks.

Ich meine die Macht, die wir den Daten zugeteilt haben. Ganz freiwillig und ohne Gegenwehr. Weil wir gemütliche, faule Säcke sind.

Das beste – und zugleich perverseste – Beispiel sind Kreditkarten. Sie sind ein einfaches Zahlungsmittel. Durchziehen, unterschreiben, Produkt mitnehmen. Im Internet reicht die Eingabe von ein paar Daten, die sogar noch vollständig auf die Karte gedruckt sind. Warum nehmen wir das seit Jahren so hin?

Die Intention von VISA & Co. sind klar. Das Geld muss locker sitzen, damit die Leute viel davon ausgeben. Durchziehen, unterschreiben, Produkt mitnehmen ist tatsächlich simpel, da sitzt das Geld locker. Sollte mal etwas schief gehen, ist das gar kein Problem. Das wird beim aktuellen Sony-Gate wieder betont: Bei Missbrauch zahlt den Schaden die Versicherung. Es dauert nur einige Zeit bis alle reagiert haben und ich meine 1.000 Euro zurückhabe mit denen sich Hackerhorst27xx seinen Jahresurlaub gegönnt hat.

Die Anbieter von Kreditkarten sind jedoch viel stärker in der Pflicht, als das zur Zeit dargestellt wird. Hacker haben es doch nur auf diese Daten abgesehen weil sie damit problemlos weltweit einkäufen können. Wieso überhaupt? Wieso brauche ich für alles ein Passwort nur nicht für meine Kreditkarte? Wieso muss ich nicht jeden Einkauf an meinem Handy bestätigen? Wären die Daten alleine nichts wert, könnte ich sie sogar hier posten und niemand könnte damit etwas anfangen.

Diesen Ansatz müssen wir verfolgen. Wenn ein Datensatz nur mit Hilfe eines real existierenden, einmalig vorhandenen Dingsbums brauchbar wird, leben wir alle sicherer. Von mir aus lerne ich ein Gedicht auf altgriechisch auswendig, das ich am Telefon aufsagen muss um an meine Krankenakte zu kommen. Wer jetzt sagt: “Aber du hast doch nicht überall Handy-Netz” dann frage ich: “Und? Wie lange wollen wir das eigentlich noch hinnehmen?”. Wer sagt: “Aber wenn du sterbenskrank bist, dann muss man doch an deine Krankenakte und du kannst dann nicht dein Gedicht aufsagen” dann sage ich: “Ja, klar. Zwei Ärzte, die mit ihrer Blutprobe signieren, dass sie auf meine Krankendaten zugreifen, können gerne alles haben um mein Leben zu retten.” Aber doch bitte kein Hacker, der schlau genug war um die Sicherheitssysteme meiner Krankenkasse und Arztpraxen auszuhebeln.

Nutzen höhere Strafen?

Ja, zwar nicht vor Missbrauch aber vor der Speicherung. Wenn mir als Firma die Strafe droht, dass ich zwei Milliarden Euro Strafe zahlen muss, überlege ich mir mehrmals, ob ich die Daten wirklich speichern muss. Denn schützen kann ich sie eh nicht zu 100 Prozent. Das ist gut!

Alles was nicht gespeichert wird, kann nicht missbraucht werden. Es ist tatsächlich ein sinnvoller Ansatz Datenmissbrauch und einen laxen Umgang mit persönlichen Daten hart zu bestrafen. Mein Vorschlag: der Chef der zu bestrafenden Firma muss alle Informationen über sich, seine Familie und Freunde, sowie sämtliche Privatfotos freigeben. Dazu muss er alle Amazon-Einkäufe und die Logfiles seiner Kreditkarten freigeben. Wollen wir doch mal sehen, wer dann noch persönliche Daten speichert, nur um vielleicht mal eine Werbemail zu schicken.

Wir müssen radikal anders denken. Wir müssen Datensätze wieder wertlos machen. Niemand darf einen Nutzen davon haben, dass er meinen Rechner klaut und alle Daten von mir in seinem Besitz sind. Verschlüsselungssysteme, Sicherheitsvorkehrungen, Passwörter – das ist doch 90er. Wir müssen daran denken, dass wir auch noch in 500 Jahren Datensätze speichern wollen und nicht wieder aus der Not uns alles in unseren Köpfen merken müssen.

Wir haben doch keine Zeit!

Freunde, der unterhaltsamen Mitmach-Kultur im Internet,

wir diskutieren mehrmals täglich über die Zukunft der Printmedien. Wir sehen Blogs, Twitter und iPads als die Rettung des Journalismus. Wir glauben, dass das ganze Land irgendwo einchecken wird, den App-Store leer kauft; wir hoffen, sie laden Videos hoch, personalisieren sich ihre eigene Zeitung, fluten das Netz mit Bildern und geben bei diesem ganzen Wahnsinn auch noch ihr ganzes Geld aus.

Kommen wir zu etwas ganz anderem: ich will euch meinen guten, besten Freund Steve vorstellen. Steve ist seit dem vergangenen Herbst Lehrer an einem Gymnasium in der Nähe von Stuttgart. 5.30 Uhr klingelt sein Wecker, Steve schlurft ins Bad, macht das Radio an, SWR3 berichtet ihm von den Staus auf seiner Strecke Richtung Stuttgart, verrät ihm, während Steve Zähne putzt, ob die Regenjacke wichtig wird. Steve erfährt am Küchentisch das Neuste aus Japan und von der Euro-Krise während der erste Kaffee durchläuft und die Müsli vorbereitet werden. 6.30 Uhr: Steve sitzt in seinem neuen VW Golf Richtung Stuttgart. Bis 16.00 Uhr geht der Unterricht an vielen Tagen. Danach geht es zurück nach Hause, mit seiner Frau, auch Lehrerin, wird gemeinsam gegessen. Die Vorbereitungen auf den nächsten Tag nehmen zwei bis vier Stunden ein. Dazwischen wird eine Pause vor den Abendnachrichten eingelegt, um überhaupt mitzubekommen was an diesem Tag in der Außenwelt passiert ist. Steve antwortet sehr unregelmäßig auf meine E-Mails. Er sagt, er lese sie, nur zum Antworten fehle meist die Zeit. Bei Facebook ist er angemeldet um Kontakt zu alten Freunden zu halten.

Steve ist Lehrer, also Teil einer Berufsgruppe, der im Allgemeinen sehr viel Freizeit zugesprochen wird. Frisöre, der freundliche Herr an der Kasse von Aldi, die Bedienung im Café, die Frau an der Hotline von meinem Internetanbeiter: Ein sehr großer Teil der Menschen arbeitet, ein sehr großer Teil teilweise acht bis zehn Stunden täglich. Dazu kommen die Kinder, der Haushalt, die Pflichten als gesetzestreuer Mensch (Rechnungen bezahlen, Auto zum TÜV bringen) und irgendwann wollen wir alle ja auch noch soziale Kontakte pflegen, mit Freunden, mit echten Freunden – zu Hause oder im Café, im Kino oder im Biergarten.

Was ich sagen will: der größte Teil hat überhaupt keine Zeit sich tagtäglich die Welt selbst zu basteln – und selbst, wenn sie wollen würden, wer erklärt Ihnen wie das alles geht? E-Mail ja, Facebook ist simpel und spiegel.de kann jeder in eine Adresszeile eingeben. Aber einchecken in meinem Lokal – wozu? Um Gutscheine abzugreifen? Wenn es mir zu teuer ist, gehe ich nicht hin. Ökonomisch ist der Preis gebildet, mit Gutscheinen ist kein langfristiger Effekt zu gewinnen.

Einige wenige entdecken das Netz als ihr Hobby. Verbinden es mit ihrer Leidenschaft, wie dieser junge Mann, der sich liebevoll um Star Wars Figuren kümmert. Andere gehen lieber Fahrradfahren in ihrer Freizeit, zocken Spiele auf iPad, PS3 oder Wii.

Für mehr haben wir doch gar keine Zeit. Keine rentable Masse will sich eine eigene Zeitung zusammenstellen. Die meisten wissen mit ihrer Freizeit besseres anzufangen.

Nur ganz kurz noch als finaler Gedanke zu diesem komplexen Thema: hier hat Apple wirklich etwas erkannt. Die Dinge, die wir herstellen, müssen einfach funktionieren. Die Leute haben gar keine Zeit – und somit auch keine Lust und Energie – sich damit zu beschäftigen, wie etwas funktioniert. Anderes, sehr gutes Beispiel: ein Telefon. Ich wähle die Nummer von Person X, die ihm fest zugewiesen ist, und es klingelt. Er geht ran oder nicht. Wie das alles funktioniert, weiß kein Mensch. Es interessiert auch niemanden, aber es funktioniert. So und nun personalisieren wir uns mal alle eine Zeitung mit der wir 100 Prozent zufrieden sind. Bwahahaha.

Guten Morgen. Ich muss jetzt mal duschen.

Robert

Kommentare (3) – Flattrn für eine bessere Debattenkultur

Gute, inhaltlich kompetente Kommentare. Die Leser würden nachdenken bevor sie schreiben, recherchieren bevor sie posaunen.

in “Kommentare.” – einem Beitrag zur Debattenkultur in vielen Blogs.

Im zweiten Teil habe ich mir einen Flattr-Button für Kommentare gewünscht. Nun ist er da.

Von vorn:

Meiner Meinung nach ist ZEIT Online weit vorn was die Qualität und Ausführlichkeit der Debatten angeht. Außerdem haben Sie sich durch die Leser- und Redaktionsempfehlungen der Kommentare eine Möglichkeit geschaffen, die besten Kommentare zu filtern und den Nutzern zugänglich zu machen.

Seit dem Tagesschau-Posting in diesem Blog bin ich davon überzeugt, dass eine einigermaßen sachliche Diskussion auch in Blogs stattfinden kann. Allerdings war ich lange auf der Suche nach einem Anreiz für Kommentatoren einen sinnvollen Beitrag zu leisten.

Immerhin habe ich nun dafür eine Lösung gefunden, die, so empfinde ich es, eine Menge Potential birgt. Flattr. Wer das System noch nicht kennt, eine Kurzform: Via Flattr können Konsumenten Inhalte, die sie als wertvoll erachten, belohnen. Dabei stellt der Konsument auf der Plattform Flattr einen gewissen Betrag zur Verfügung, den er an gute Inhalte weiterreichen möchte. Über den Flattr-Button, der an verschiedene Inhalte angehängt ist, können Nutzer dann den Contentersteller belohnen.

Nun steht Flattr auch den Kommentatoren dieses Blogs zur Verfügung. Wer sich an einer Debatte beteiligt, kann seine Flattr ID angeben und wird, sollte der Kommentar auf genügend Zusprache stoßen, vielleicht belohnt.

Einschränkung: Da der meistgeflattrte Beitrag in diesem Blog polemisch und wenig tiefgründig ist (was ein großes Problem des Internets an sich und auch von Flattr im kleinen ist), kann der Versuch auch damit enden, dass sich das Flattrn nicht als Förderung der Debattenkultur im Internet herausstellt. Mal schauen :-)

BBC Radio 1: Klickbefehl

Radio ist angeblich langweilig, mainstreamig, ohne Überraschung und die Moderatoren labern immer nur die selben fünf Sätze von der besten Musik und den meisten Hits von Heute. Für einige Radiosender in Deutschland mag das ohne Frage zutreffen. Für eine Station in Großbritannien gilt zur Zeit das ganze Gegenteil.

Auf BBC Radio 1 moderieren tagsüber derzeit die Abendmoderatoren und stellen ihren Musikstil und sich selbst vor. Die Morningshow übernimmt der ausgezeichnete Zane Lowe, der in normalen Wochen den Abend bestückt. Danach bringt Annie Mac ihren ganz eigenen Moderationsstil und eine Mischung aus Dance, Elektro und Pop.

Das Besondere: nicht nur die Stimmen wandern in den Tag, sondern auch ein Großteil der dazugehörigen Musik. Das ist fantastisch abwechslungsreich und voller musikalischer Perlen.

Wer den wilden Musikmix tagsüber noch nicht erträgt, kann sich das Spektakel für die kommenden sieben Tage im BBC iPlayer on demand anhören.

Da verstecken sich zur Zeit einige Highlights: Nachmittagsmoderator Scott Mills präsentiert seine Top 10 der, Plan B stellen ihre Top 10 des Jahres 2010 vor, DJ Legende Pete Tong spielt seine Top 30 Dance-Tracks des letzten Jahres und die Top 100 All Time Downloadscharts werden heruntergezählt.

Zum Schluss möchte ich noch einen kleinen Link zum BBC Sound of 2011 setzen – eine Zusammenstellung von 15 Newcomern, die laut der britischen Musikszene das Jahr rocken werden. Dafür wurden 161 Musikexperten aus ganz UK befragt. Großartig.

2011 – der Anfang vom Ende des linearen Fernsehens?

1998 war der Anfang vom Ende der Musikindustrie. Napster ging online. Die Art wie wir heute Musik konsumieren, ist in keiner Weise mit der aus den 90ern zu vergleichen. 2000 markiert den Anfang vom Ende der Zeitungen. Google startete sein Werbeprogramm AdWords. Noch nie konnten Marketingabteilungen ihre Kunden so zielgerichtet erreichen. Schon zwei Jahre später meldete der Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger:

In den ersten fünf Monaten des laufenden Jahres (Januar bis Mai) sind die Anzeigenumfänge im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 14 Prozent (Ostdeutschland minus 17 Prozent) zurückgegangen, wie BDZV-Geschäftsführer Jörg Laskowski ausführte. Neben den Stellenanzeigen (minus 43 Prozent) waren besonders betroffen: Immobilien (minus 15 Prozent, überregionale Anzeigen (minus 11 Prozent), Kfz-Anzeigen (minus 9 Prozent).

Der Verband ging davon aus, dass es vor allem durch die damalige Konjunkturdelle zu diesen Einbrüchen kam. Erholen sollten sich viele Print-Konzerne, vor allem in den USA, seitdem nicht wieder.

Mittlerweile nahm die technische Evolution in Geschwindigkeit und Masse zu. Das Internet ist überall und jederzeit verfügbar, in Ballungsräumen schon jetzt mit einer immensen Geschwindigkeit auf mobilen Endgeräten. Das Format “Zeitung” kann nicht mehr mithalten. Weder in Umfang, Schnelligkeit oder Tiefe noch Aufbereitung der Informationen.

Ein Ende ist nicht absehbar – weder in der Entwicklung von neuen Rezeptionsformen, noch in einer zeitlichen Variable. Die technische Evolution schreitet voran. Mit Tablet-Computern und hochleistungsfähigen Smartphones wird auch der letzte Nicht-Nutzer zu einer aktuellen, videolastigen Zeitungsalternative geführt.

Wird nun 2011 der Anfang vom Ende des klassischen Fernsehens sein? Und ist irgendjemand darauf vorbereitet?

Es geht in diesem Beitrag nicht um das Sterben klassischer Medienfirmen. Schließlich ist der Springer-Verlag heute eine der profitabelsten Medienfirmen in Europa, trotz Zeitungs- und Zeitschriftenkrise. Es geht um einen Rundumblick: wo stehen wir technisch? Was wollen die Nutzer und wie lassen sie sich in Zukunft unterhalten und informieren. Medienfirmen werden nicht aussterben, aber sie müssen sich auf neue Umgebungen und Gewohnheiten einstellen. Und sich fragen wie sehr sie diese neue Umgebung mitbestimmen können.

Kurze Rückblende. Es gibt selten Momente in denen ich es bereue nicht auf Veranstaltungen zu sein, in denen sich Medienmacher die Köpfe rot diskutieren ohne wirklich irgendeine konstruktive Unterhaltung zu führen. Allerdings wäre ich gerne auf den Münchner Medientagen 2010 gewesen, als eine Runde zusammensaß, die – hätte man die Stundenlöhne zusammengerechnet – sicherlich eine kleine Lokalzeitung eine Woche lang hätte finanzieren können.

Während der scheinheiligen Qualitätsdebatte rund um das deutsche Fernsehen, fiel tatsächlich die Erkenntnis: “..und das wird alles noch viel schlimmer, wenn der ganze Schmutz aus dem Internet plötzlich auf einem Fernseher abrufbar wird.”

Vor Ort hätte ich gerne laut gelacht und festgestellt, dass ich noch nie einen so teuren Dornröschenschlaf gesehen habe. Es war erschreckend, wie fern ab von der Realität die lenkenden Medienmenschen Deutschlands schienen, denn niemand widersprach dieser absurden Feststellung.

Das Fernsehen selbst tummelt sich im Internet und funktioniert auf einem handelsüblichen Laptop scheinbar schon sehr gut parallel zu selbigem. Ein Umstand, der auf einem normalen TV-Gerät für viele Fernsehschaffende scheinbar undenkbar ist.

Die Technik – der digitale Geschwindigkeitszuwachs

Im Jahr 2000, als Napster seine Hochphase hatte, dauerte es im Schnitt zehn bis 20 Minuten bis ein Song komplett aus dem Netz heruntergeladen war. Heute ziehen wir uns ganze Kinofilme in weniger als einer halben Stunde auf den Rechner.

Schon jetzt ist die vierte Geschwindigkeitsstufe der mobilen Datennetze erprobt und einsatzbereit. Die Investitionen der Telekommunikationskonzerne werden nicht lange auf sich warten lassen.

Nur noch in wenigen Gegenden Deutschlands ist keine volle DSL-Geschwindigkeit abrufbar. Es ist eine Frage der Zeit bis die letzten Lücken geschlossen sind. Dann bekommt jeder die Möglichkeit Filme, Fernsehserien und digitale Angebote, wie T-Entertain der Telekom (HD über die Telefonleitung inklusive Pause-Taste fürs Live-Fernsehen), abzurufen.

Ein Vergleich mit der Musikindustrie: In rasantem Tempo – stand einmal flächendeckend die Technik zur Verfügung – saugten sich Menschen mangels komfortablen, legalem Angebot, ihre Lieblingsmusik auf den PC. Dank MP3-Player konnte man einfacher denn je eine scheinbar unendlich große Masse an Musik bei sich tragen.

Während in Deutschland die Zahlen der illegalen Musikdownloads seit den harten Kämpfen der Musikindustrie – unter anderem getrieben von der Firma promedia in Hamburg – zurückgehen, sieht es in Großbritannien weiter düster aus. Laut der britischen Musikindustrie stehen 370 Millionen legale Musikdownloads immer noch 1,2 Milliarden illegale Downloads gegenüber. Diese Zahlen sind nicht so einfach zu vergleichen, da nicht jeder illegale Download auch gleichzeitig ein legaler gewesen wäre, würde das illegale Angebot nicht zur Verfügung stehen.

Die Nutzer – die Sucht nach Video

Jede verfügbare Studie und auch die steigenden Zugriffszahlen von großen Videoportalen wie YouTube zeigen einen unumkehrbaren Trend: Videos werden langfristig zum meistgefragten Content im Netz.

Eine Zusammenfassung der Ergebnisse der jüngsten ARD/ZDF-Onlinestudie habe ich in diesem Beitrag zusammengefasst. Die Trendkurve geht stark nach oben. Sehr junge Internetanwender suchen mittlerweile häufig über YouTube nach Inhalten, statt zu googlen. Die YouTube Suche hat mehr Zugriffe als Yahoo.

Die Anbieter – veränderte Rollenverteilung

Der Springer-Verlag handelt seit Jahren sehr intelligent. Vielleicht hatten sie zwischendurch auch die Überlegung ins Zugangsgeschäft einzusteigen. Alice stand zum Beispiel mehrmals zum Verkauf. Sie hätten es vielleicht leichter gehabt, als mit der Post oder der ProSiebenSat.1 Mediengruppe, deren Kauf am Kartellamt scheiterte. Alice hat den Italienern zuletzt 900 Mio. Euro gekostet, der Konzernüberschuss Axel Springer AG Q3/2010: 257,6 Mio. Euro – kein Ding der Unmöglichkeit also.

Wer kontrolliert seit geraumer Zeit den Weg des Contents zum Endnutzer? Alice, Vodafone, Kabel Deutschland und die Telekom mit ihren Triple-Play-Angeboten: Fernsehen, Internet, Telefon aus einer Hand.

Das ist insofern wichtig, als dass die Fernsehsender in Zukunft auch von diesen Firmen abhängig sein werden. Denn die Zugangsanbieter haben einen dicken Player in Sachen Unterhaltung mit im Gepäck und bestimmen wer welchen Platz im Hauptmenü der Settop-Boxen bekommt.

Das Internet wird auf dem heimischen Fernsehgerät in wenigen Jahren ganz natürlich aufrufbar sein. Die Nutzer kennen sich in dieser Welt aus, sie lernen gerade mit Apps umzugehen und was es heißt ein Video zeitsouverän und mit Pausentaste zu schauen, ist seit 2005 – der Geburtsstunde von YouTube – allen klar.

2005 war meiner Meinung nach das Jahr, in dem das Ende des klassischen Videokonsums seinen Anfang fand. YouTube wurde von drei Freunden ins Netz gestellt. Mittlerweile werden täglich weltweit über eine Milliarde Videos abgerufen.

Es ist naiv zu glauben, dass YouTube immer nur eine Entertainment-Rolle mit lustigen, kurzen Clips von singenden Katzen und tanzenden Kindern spielen wird.

Es wäre ein leichtes für YouTube, die über ihre Mutterfirma Google mit massig Kapital ausgestattet sind, zu sagen: liebe Produktionsfirma von “Two And A Half Men” wir zahlen euch das Doppelte und bekommen die nächste Staffel exklusiv für YouTube auf Google TV. Über google.com und youtube.com könnte Google eine Werbeaktion starten, die nahezu jeden Amerikaner erreicht und dann wären die Karten gänzlich neu gemischt und die Fernsehsender müssten sich erst einmal in ihrer neuen Welt zurechtfinden.

Bei Bedarf werden Google, die Telekom oder andere plötzlich zu Content Produzenten. Die großen Fernsehsender haben sich aus diesem Bereich zu einem großen Teil zurückgezogen. Kaum einer der großen Fernsehsender produziert im Bereich der Unterhaltung noch etwas selbst. E bleiben Live-Show-Events und informative Formate, wie Nachrichten und Dokumentationen – selbst letztere werden auch bei den öffentlich-rechtlichen häufig extern produziert.

Fernsehen via Internet – missglückte Versuche und Einflussnahme

Einen ersten massiven Versuch den Fernsehmarkt komplett aus den Angeln zu hebeln, haben die großen Medienkonzerne 2010 noch abwenden können. Nach dem Start von Google TV sperrten die Medienkonzerne, vollkommen unbeobachtet von den Kartellwächtern, den Zugang zu ihren On Demand Angeboten und machten das Google Produkt vollkommen unattraktiv. Amerikas beliebteste On Demand Plattform für TV-Angebote, Hulu, war über Google TV nicht abrufbar. Genauso wie die Mediatheken weiterer großer Fernsehsender.

Offensichtlich befürchteten die großen Medienkonzerne, dass ihnen das gleiche Schicksal wie den Verlagen droht. Sie stellen Google “kostenlos” ihre Inhalte “zur Verfügung” und Google kassiert für die Werbung – eine weiterhin sehr eigenwillige Interpretation der Situation. So leicht wollte man es dem Internetgiganten nicht machen. Nicht beim ersten Versuch.

Die Fernsehsender haben ihre eigene Vorstellung vom Internet auf dem Fernseher. In Form von Standards, die verhindern sollen, dass die größte Werbefläche in heimischen Wohnzimmern plötzlich an andere geht. Irritierenderweise haben Fernsehsender eine eigenwillige Rolle im kommerziellen und rentablen Unterhaltungsbereich eingenommen. Sie sind der Filter zwischen Produktionsfirmen, die die Inhalte herstellen und dem Konsumenten.

Sie erreichen über die Verträge mit den Landesrundfunkanstalten Millionen von Menschen und kontrollieren auf diesem Wege nicht nur in einem gewissen Maß die Politik, sondern auch die Kosten, die Produktionsfirmen für ihre Produkte aufrufen können. Schließlich zahlt der Endkonsument nicht selbst, sondern ein Fernsehsender als Mittelsmann, der bisher nicht fürchten muss, dass die Produkte anderweitig abrufbar sind und der Endkonsumt sich somit vom klassischen Weg der Konsumierung abwendet – wie es der Musikindustrie plötzlich passiert ist.

Die hatten das Geschäft zum Endkonsumenten nie unter Kontrolle. Sie besaßen keine CD-Läden, sie mussten sich nie Gedanken machen auf welchem Weg ihre Musik den Konsumenten erreicht. Sie kümmerten sich um Talente und deren Vermarktung. Plötzlich gab es Napster und es wurde für den Konsumenten deutlich einfacher. Die Plattenfirmen erwachten aus ihrem zugedröhnten Dornröschenschlaf und fanden sich in einer neuen Welt wieder. Das Produkt erreichte immer noch den Kunden, jetzt über andere Kanäle, ohne, dass irgendwo Geld zurück an die Contentproduzenten floss.

Den Fernsehanstalten kann das so schnell nicht passieren. Sie schließen ihre Verträge direkt mit der Politik, aber der Markt wird diffuser. Nicht nur immer größere Digitalangebote über Satellit, Kabel und Internetleitungen machen den Markt schwer kontrollierbar. Hinzu kommen unabhängige Mediatheken und Abrufplattformen, die bisher nicht auf dem klassischen TV-Gerät abrufbar sind.

Auf dem Laptop, auf dem sich das klassische Fernsehen direkt mit dem Internet seinen Platz erkämpfen muss, sieht die Lage schon anders aus. Laut ARD/ZDF Onlinestudie 2010 schauen 58 Prozent der Onliner Bewegtbild auf Videoportalen. Dagegen stehen nur 15 Prozent, die live am Laptop Fernsehen schauen. Dieser Wert ist um drei Prozent gegenüber dem Vorjahr gesunken.

2011 – die Regeln ändern sich

Um das zu verhindern haben sich zum Beispiel die deutschen Fernsehschaffenden auf das Format HbbTV geeinigt. Der Red Button, der seit Jahren digitale Zusatzangebote in Großbritannien zur Verfügung stellt, soll nun endlich nach Deutschland kommen. Und das obwohl der Red Button schon wieder vom iPlayer der BBC, der nicht nur über TV Geräte sondern vor allem auch über Spielekonsolen, wie die Nintendo Wii und Playstation 3 von Sony, abrufbar ist, zurückgedrängt wird.

Wer sich mit HbbTV auseinandersetzt, bekommt schnell das Gefühl, dass hier jemand das Internet kastriert. Videotext 2.0, Zugang zu den sendereigenen Mediatheken, interaktive Werbung, dazu ausgewählte Webangebote. Noch deutlich geschlossener als Apples iPhone. HbbTV ist ein Gegenentwurf zu Google TV, kontrolliert von den Fernsehanstalten. Die große Fläche wird freigehalten für Werbung, die die eigene Sales-Abteilung verkauft.

Ohne Glaskugel oder andere Tricks lässt sich vorraussehen, dass Google einen zweiten Anlauf mit seiner Fernsehplattform nehmen wird. Spannend wird ebenfalls ein Blick auf die anderen Player, die sich in diesen Markt reinbewegen werden.

Seit Jahren erkämpft sich Apple Stück für Stück einen kleinen Platz in den Wohnzimmern mit der Mini-Settop-Box “Apple TV”. Seit dem letzten Update und der Reduktion auf eine reine Streamingeinheit für iTunes Inhalte ist das Gerät auch noch ein kleiner Erfolg. Zumindest ist es mittlerweile mehr als ein Hobby, als das es Steve Jobs bisher immer bezeichnet hat.

Eine Fortführung der Apps-Technologie auf Apple TV erscheint nur logisch und für dieses Jahr überfällig. Das würde auch den Fernsehsendern eine Möglichkeit geben ihre Inhalte via App auf den Fernseher zu streamen. Die Frage ist, wie oft die Leute dann noch zurück zum normalen, linearen Fernsehprogramm schalten werden. Zusammen mit dem iPhone, iPod touch und iPad hat Apple den Leuten über die letzten Jahre auch noch eine Fernbedienung in die Hand gegeben, die es so in den Wohnzimmern auch noch nicht gab. Dazu hatte ich mal etwas im März letzten Jahres geschrieben.

Die Frage, die wir jetzt schon beantworten können ist folgende: Lässt sich eine Evolution aufhalten? Nein. Denn sie kommt von unten und breitet sich über eine große Masse von Menschen aus. Sie bildet einen großen Fluss, der sich im Fall des Netzes seit dem Ende der 90er langsam einen Weg durch unseren Medienkonsum sucht.

Am Ende wird auch hier nicht bestehende Marktmacht entscheiden. Zuletzt musste das Microsoft spüren, als die Firma einen zeitgemäßen Sprung aufs Handy verpasste oder Nokia als sie den Weg zum Smartphone scheinbar vollkommen verschlafen haben und sich von Anbietern wie Google und Apple, die zuvor reichlich wenig mit mobilen Telefonapparaten zu tun hatten, abhängen ließen.

Am Ende entscheidet der Nutzer und das beste Angebot. Der Übergang wird schleichend stattfinden, die großen Player positionieren sich und geben ihr Bestes die gemachten Fehler von Musikindustrie und Zeitungsverlagen zu vermeiden. Am Ende entscheidet der Nutzer und das beste Angebot. So funktioniert jeder freie Markt. Wer die Linien logisch weiterdenkt, kann sich darauf einstellen, Zeit ist noch. Für uns Nutzer wird es eine neue, schöne Videowelt.

Ende.

Auf eine subtile Art und Weise hat sich das Universum doch noch am Ende des Jahres gegen mich gerichtet. Als ich soeben die Treppen zu meiner Kölner Ersatzwohnung bestieg, erwartete mich im Hausflur ein Klo. Liegend, nutzlos, hilflos. Nicht, dass ich kein Klo in meinem Hausflur erwartet hätte oder sonderlich überrascht gewesen wäre – schließlich sind wir hier in Köln und die Leute laufen freiwillig tagsüber mit knallroten Pappnasen in der Gegend rum – das Problem lag anderweitig: es handelte sich um mein Klo. Scheisse.

Seit einer Woche wuseln tagsüber von Zeit zu Zeit Bauarbeiter in meiner Wohnung – nun weiß ich nicht genau was die hier machen. Sie sagen nur jedes Mal: “wir müssen morgen noch ein einziges Mal kommen”. Morgen kommen sie zum vierten Mal. Jedenfalls habe ich gerade kein Klo. Womit das Bad seiner wichtigsten Funktion beraubt ist, selbst Wasser fließt nicht mehr und Waschbecken und Badewanne – Schrägstrich – Dusche sind vollgestellt.

Die Küche… also, die Küche. Der Kühlschrank geht noch. Herd, Spüle, Spülmaschine (siehe Fotobeweis oben) – alles außer Gefecht, bereit sich direkt neben das Klo zu legen. Wobei sich das Klo am Ende des Tages in einer nutzbaren Stellung einfinden soll – die Küche wird heute nichts mehr.

Aus Frust ess ich nun Schokolade Geschmacksrichtung Granatapfel/Chili – der Beginn einer langen Reihe an Darmproblemen, die mich sicherlich über Silvester begleiten werden.

Auf ein gutes Ende
Robert

Update: Das Klo hängt wieder. Ich betrachte das noch mit einer gewissen Skepsis. Schließlich lag das Teil bis eben im Hausflur. Wollte nur mal erwähnt haben, dass diese Bauarbeiter froh sein können, dass ich so ein entspannter Zwischenmieter bin. So sieht das mal aus.

Wikileaks: Eine Frage zur Diskussion

“Wikileaks has probably produced more scoops in its short life than The Washington Post has in the past 30 years.” (The National)

Bisher habe ich das noch nicht probiert, aber es ist ein Versuch wert. Eine Frage beschäftigt mich rund um Wikileaks. Es ist unverkennbar, dass die Seite über die letzten Jahre an Bekanntheit hinzugewonnen hat. Mit den ersten Veröffentlichungen hat man sich außerdem das Vertrauen erkämpft, die Anonymität der Quellen scheinbar tatsächlich zu schützen.

Das alles kann aber keine Begründung sein, warum solche brisanten Dokumente eher einer solchen Plattform zugetragen werden als den klassischen Medien, die sich seit Jahrhunderten in der Enthüllung von vertraulichen Informationen üben.

Also: wieso haben es die klassischen Medien nicht geschafft, über die letzten 400 Jahre genügend Vertrauen aufzubauen, damit die Menschen, die vertrauliche Informationen teilen wollen, direkt zu ihnen gehen sondern sich einer sehr neuen, relativ unbekannten und – vor allem – grundsätzlich unberechenbaren Internetseite mit unbekanntem Auftrag und keinerlei offensichtlichen Verpflichtung, außer gegenüber sich selbst, zuwenden?

Das ist ein sehr spannendes Phänomen. Ich würde mich über eine Diskussion, frei von Polemik, freuen.