ARD/ZDF-Onlinestudie: Video wird King.

Gestern haben ARD und ZDF die Ergebnisse ihrer jährlichen Onlinestudie vorgestellt. Die Randdaten finden sich in dieser Pressemitteilung, genauere Zahlen finden sich auf der dazugehörigen Homepage. Hier einige herausgepickte Werte und Einschätzungen.

Videos im Netz

65 Prozent der Onliner nutzen mindestens gelegentlich Video-Angebote im Netz.
9 Prozent der Onliner nutzen täglich Video-Portale, 36 Prozent monatlich oder wöchentlich.

Es war nicht anders zu erwarten. In einer vom Fernsehenkonsum bestimmten Medienwelt ist die Form VIDEO die stärkste und beliebteste Umsetzungsform für Inhalte. YouTube hat den Weg vorgezeichnet. In urbanen Gegenden mit schnellem Internetanschluss sind schon seit einigen Jahren Videoplattformen beliebte Anlaufziele im Netz. Viele junge Menschen googlen nicht mehr nach Antworten auf ihre Fragen, sie youtuben.

Die amerikanischen Fernsehanbieter, die BBC und das ZDF haben sehr schnell erkannt, dass hier die Zukunft liegt. Videos, onlinegerecht aufbereitet, sind leicht und schnell zu konsumieren und entsprechen dem über Jahre gelernten Offline-Nutzungsverhalten der allermeisten Internetnutzer.

Meiner Meinung nach macht hier BILD-Online den besten Job unter den erfolgreichen Online-Angeboten “klassischer Anbieter” in Deutschland. Absolut indiskutabel ist die inhaltliche Qualität der Beiträge von BILD-Online. Trotzdem gibt es zu den wichtigsten Themen des Tages bildstarke, kurze Videos, die unterhalten.

Auch tagesschau.de* präsentiert sich durch die Kraft von ARD-Aktuell mit einem starken Videoangebot im Netz. Vor allem die Tagesschau in 100 Sekunden und “tagesschau24” sind meiner Meinung nach hochjournalistische und qualitativ sehr wertvolle Video-Angebote.

Damit sind BILD.de, ARD und ZDF bestens gerüstet, wenn die Onliner in Zukunft weniger vor dem PC/Laptop sitzen werden sondern diese Inhalte auch auf dem Fernseher, dem Handy und Tablets konsumieren. Sind die Beiträge einmal digitalisiert, muss man “nur” noch eine Umsetzungsform für die Ausspielwege finden.

Videopodcasts

Nur noch drei Prozent der Onliner nutzen Videopodcasts. (7 Prozent im Jahre 2008)

Auch das ist keine überraschende Entwicklung. In Zeiten von ständigen, günstigen Internetverbindungen ist ein Download nicht mehr zwingend notwendig. Bin ich online, kann ich Videos schauen. Außerdem kann ich jederzeit wieder darauf zugreifen. Im Internet geht fast nichts verloren. Ausgenommen die Angebote von ARD, ZDF und dem Deutschlandradio.

Spannend hier: bei iTunes hat der Audio-Podcast der Tagesthemen eine bessere Bewertung als der Video-Podcast.

Live-Fernsehen im Internet

15 Prozent der Onliner schauen mindestens gelegentlich Live-Fernsehen über das Internet. (2009: 19%)

Diese Form der Nutzung geht scheinbar schon wieder zurück. Persönlich halte ich davon wenig. Die Qualität ist für längeres Fernsehen deutlich schlechter als das klassische Fernsehen. Zumal in Zeiten von HD, Dolby und Flatscreens das Fernsehschauen ein deutlich stärkeres, emotionales Erlebnis ist. Das zeigen auch die Zeiten der Fernsehnutzung: sie ist mit 244 Minuten im Schnitt pro Tag so hoch wie noch nie seit der Erhebung.

Onlineangebot stehen für die zeitsouveräne und selektive Nutzung und ist somit ein fantastisches Ergänzungstool zum klassischen Fernsehen. Es deutet auch darauf hin, dass die anstehende Verschmelzung von Fernsehen und Internet einen großen Boom auslösen kann. Google und Apple kämpfen bereits um den Markt – derzeit noch relativ unbemerkt im Hintergrund.

Radio im Internet

27 Prozent der Onliner hören mindestens gelegentlich über das Internet Radio.

Die Radionutzung über das Internet nimmt stetig zu.  Es sind kleine Schritte. Es könnte sprunghaft ansteigen, ist das Autoradio erst einmal internetfähig und stellen die mobilen Handynetze genügend Bandbreite zur Verfügung. Gerade junge Menschen mit einem extrem differenzierten Musikgeschmack finden auf der UKW-Frequenz keinen passenden Sender. Radio lebt hier vom Monopol. Die In-Haus-Nutzung nimmt stetig ab. Es ist ein schleichender Wandel. Radiosender müssen sich darauf einstellen. Verkehr und Wetter können mobile Geräte schon jetzt deutlich besser als das Radio an sich. Letzter Vorteil vom klassischen Radio: ich habe Augen und Hände frei um die Information zu konsumieren.

Communitys

45 Prozent aller Onliner nutzen täglich eine Community.
bei den ab 60jährigen sind die Wachstumsraten immens.
Alle Zahlen auf dieser Übersichtsseite.

Sie sind Alltag. Sie lösen die E-Mail nicht ab. Sie sind das perfekte Tool um mit echten Bekannten dauerhaft in Kontakt zu bleiben. Kaum jemand kennt die E-Mail-Adressen der Freunde, SMS sind immer noch unverschämt teuer, telefonieren geht nicht immer. Communitys nutzen diese Lücke perfekt. Am häufigsten werden Communitys zum Chatten und Versenden von Nachrichten genutzt.

Twitter

97 Prozent der Onliner nutzen nie Twitter.

Das muss ein wenig relativiert werden, da Google mittlerweile Twitter-Ergebnisse in das Ergebnisse einer Suche einspeist und somit viele Nutzer gar nicht der Twitter-Nutzung bewusst sind. Ansonsten zeichnet sich hier das deutliche Bild ab, dass Twitter eine Randerscheinung ist. Unnötig zu diskutieren jedoch, dass sich jeder Journalist mit dem Tool vertraut machen sollte. Allein, damit solche blamablen Meldungen wie bei der Bundespräsidentenwahl nicht mehr vorkommen.

Interessant: Twitter hat es jetzt schon vor den seit Jahren gehypten (meiner Meinung nach zu Unrecht) Lesezeichensammlung geschafft (98% Nichtnutzung).

*Disclaimer: ich arbeite derzeit für den NDR

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