Das iPhone als presserechtsfreier Raum?

Schon wieder so eine irreführende Diskussion, die von scheinbarem Unwissen geprägt ist. Es ist eine ganz andere Geschichte wenn Apple plötzlich unzählige iPhone Apps löscht und damit einigen Programmierern die Lebensgrundlage entzieht. Außerdem ist das undurchsichtige Zulassungssystem für neue Applikationen ein unkalkulierbares Investitionsrisiko.

Nur vielleicht sollte man sich noch einmal auf die Geschichte der iPhone Apps, von denen vor zwei Jahren noch kaum jemand geredet hat und erst Recht niemand ahnen konnte, dass deren Existenz auch tausende Arbeitsplätze töten könnte.

Als Apple das erste iPhone vorstellte, war Steve Jobs der Überzeugung, dass es Apple vorbehalten sein sollte überhaupt Apps herzustellen. Entwickler sollten doch bitte auf sogenannte Web-Apps setzen, also ihre eh schon bestehenden Webseiten an das iPhone anpassen und alle Anwendungen darüber laufen lassen.

Hintergrund: Apple wollte verhindern, dass Programme die Funktionsfähigkeit des Gerätes einschränken und das “Gefühl” bei der Bedienung kaputt machen.

Nach kurzer Zeit entschied man sich aber dazu die Welt an den neuen Verdienstmöglichkeiten mit “Apps” teilhaben zu lassen. Apple sah einen kommenden Goldrush für Entwickler und sich selbst. Und Verlage sahen plötzlich Licht am Horizont.

Nun hat Apple spontan unzählige Applikationen gelöscht, die ihrer Meinung nach zu offensiv mit nackter Haut umgingen. Die Regeln sind irritierend, nicht nachvollziehbar und werden scheinbar willenlos angewendet.

Leidtragender war auch das Magazin “Stern“. Wegen einer Slideshow mit nackten Brüsten flog die Applikation aus dem App-Store.

Der Aufschrei erinnert ein wenig an den Aufschrei gegen eine geplante Applikation der Tagesschau. Auch in ihrer Arroganz:

“morgen sind es wichtige gesellschaftliche und politische Themen, die den Verantwortlichen von Apple missfallen. Das ist Zensur und davor müssen wir uns schützen”. (Wolfgang Fürstner, Geschäftsführer des Zeitschriftenverbandes VDZ gegenüber Spiegel Online.)

“Es ist eine Art pressrechtsfreier Raum, der da entsteht.” (Axel Postinett, Redakteur Abendblatt gegenüber dem NDR-Magazin Zapp)

Nein. Es ist keine Zensur und es entsteht auch kein pressrechtsfreier Raum. Warum? Weil alle Slideshows mit Halbnackten, gänzlich Nackten und Bikinidamen, die die Klickstrecken der großen Onlineportale füllen, weiterhin auf dem iPhone verfügbar sind. Sogar, oh Schreck, Hardcorepornos sind auf dem iPhone abrufbar.

Wie?

Über das Internet. Wer den Safari-Browser öffnet, kann ganz normal www.bild.de eingeben. Oder auch stern.de oder youporn.com. Nur eben ohne App-Store und ohne eigenes Vergütungsmodell. Das haben die Verlage für ihre eigene Webportale schließlich immer noch nicht gefunden.

Hier weiterlesen...

This entry was posted in Beiträge and tagged , , , . Bookmark the permalink. Post a comment or leave a trackback: Trackback URL.

2 Comments

  1. Luckr
    Posted February 25, 2010 at 16:54 | Permalink

    YouPorn ohne Flash stell ich mir aber auch ziemlich langweilig vor … oder gibts da mittlerweile ne App? ;-)

  2. Posted February 25, 2010 at 18:38 | Permalink

    Die BILD schafft es auch Videos ohne Flash aufs iPhone zu bringen über bild.de – im Browser.

Post a Comment

Your email is never published nor shared. Required fields are marked *

*
*

You may use these HTML tags and attributes: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>