Zur Diskussion um die Web-Tagesschau: verfrüht, überzogen, unverhältnismäßig

Super-GAU, Persilschein, Kampfansage. Die Reaktionen auf ein internes Papier des NDR-Rundfunkrates, das dem Spiegel vorliegt, können überzogener kaum sein.

Es ist immer noch für alle ungwohnt und es wird noch einige Zeit vergehen müssen, bevor sich alle an die neuen Gegebenheiten in der digitalen Welt gewöhnt haben: Verleger und öffentlich-rechtliche Angebote finden plötzlich auf den gleichen Plattformen statt.

Dem Internet-Nutzer ist es egal, ob die Einen früher Papier bedruckt und die Anderen Bänder bespielt haben. Jetzt erarbeiten alle ihre eigenen Web-Angebote für verschiedene Plattformen und stehen in direkter Konkurrenz. Nicht nur, wie bisher, um das Medien-Zeitbudget sondern um konkrete Klicks und andere messbare Werte, die für die Einen bares Geld bedeuten.

Eigentlich exisitiert das “Problem” seit der Erfindung des Internets. Nur zur Zeit wird vor allem im Hause der Verleger deutlich welche Bedeutung diese Entwicklung hat und welchen Lauf sie nehmen wird. Mit Apples iPad haben sie auf einmal die Zukunft gesehen: ihre Zeitungen werden vielleicht doch in der alten Form digital weiter existieren können, für Geld. Aber eben nicht außerhalb der Konkurrenz von GEZ-finanzierten Inhalten, so wie es am Kiosk bisher der Fall war.

Vielleicht sollten sich die Verleger noch einmal mit den Chefs der privaten Fernsehanbieter unterhalten. Dort gibt es die Ko-Exisitenz seit den 80er Jahren. Und trotzdem: die “Privaten” waren bei “den Jungen” nie so erfolgreich, wie zur Zeit. Auch im Netz also kann es für die Verleger gar nicht der Untergang des Abendlandes sein, wenn Tagesschau.de in Grundzügen ähnliches darf wie Zeit-Online.

Bei der ganzen – überhitzten – Debatte um die Erfüllung des 3-Stufen-Tests von Tagesschau.de wird etwas ganz vergessen: Die Tagesschau ist ein – entschuldigen Sie, geschätzter Kollege Gniffke – Spartenangebot. Ein aufwendig produziertes, sehr teures, gesellschaftlich unersetzbares und nur in dieser Finanzierungsform mögliches Angebot mit einer stark fokussierten Ausrichtung. Jetzt werden einige schreien: Moment, die Tagesschau hat jeden Abend nahezu zehn Millionen Zuschauer allein im Ersten. Was ist daran Sparte?

Es ist die Themenauswahl – und die erstreckt sich in dieser Form auch auf alle Online-Angebote von Tagesschau.de. Es ist die große Politik, die bei anderen Sendern nur noch wenige Minuten Zeit eingeräumt bekommt. Es sind weltpolitische Zusammenhänge, Krisenherde weit entfernt von der eigenen Haustür, es sind globale, komplizierte und ungemütliche Themen, die sich die großen Privaten in dieser Ausgiebigkeit nicht trauen.

Die wenigsten Menschen informieren sich rein über die Tagesschau. Sie schauen auch RTL Aktuell, Punkt 12, Taff, bei den Jungen sind es sogar sehr oft die RTL  2 News. Das ist online nicht anders. Wer nur tagesschau.de ansurft, bekommt vieles von dem was Spiegel.de, Stern.de oder gar BILD.de bietet nicht – das ist gewollt so und gut so. Es ist also reinste Stimmungsmache wenn Vorstandschef schreiben, dass eine Tagesschau-Applikation für das iPhone tausende Arbeitsplätze kosten wird:

“Wenn sich bezahlte Applikationen auf mobilen Geräten nicht durchsetzen, wird dies Tausende Arbeitsplätze in der Verlagsbranche kosten” (Mathias Döpfner, Vorstandschef Axel-Springer im Focus)

Noch bizarrer wird es bei der Betrachtung anderer Angebot auf dem iPhone: Stern.de und andere sind im übrigen längst mit einer kostenlosen App auf dem iPhone vertreten. Allein dieser Umstand zeigt wie wenig Substanz in der aktuellen Diskussion steckt.

Jetzt wird also gegen das gesamte Online-Angebot der Tagesschau gewettert. Spiegel Online schreibt:

“Der neue Rundfunkstaatsvertrag würde zur Farce, die private Konkurrenz düpiert.”

Nein, der Rundfunkstaatsvertrag ist sicher keine Farce. Es gibt eine knallharte Negativliste, die den Online-Redaktionen der öffentlich-rechtlichen Anstalten ohne großartige Begründung bestimmte, über die Verleger-Lobby durchgedrückte Punkte, verbieten.

Außerdem kooperieren viele Verlage schon jetzt mit den Online-Ablegern von ARD+ZDF. Zeit.de bindet die 100-Sekunden-Ausgabe der “Heute” ein, andere die “Tagesschau in 100 Sekunden“. Der Tagesspiegel kooperiert zukünftig mit dem RBB.

Gerade die Tagesschau und tagesschau.de sind Angebote, das wichtiger kaum sein können für eine demokratische Gesellschaft. Eine unabhängige, journalistische Berichterstattung, und damit Dokumentation, digitalisiert auf alle Zeit. Das könnten natürlich private Anbieter ebenfalls erarbeiten. Werden sie aber nicht, allein aus finanziellen Gründen und was passiert mit den Archiven, wenn Spiegel-Verlag oder Holtzbrinck in 25 Jahren doch mal pleite gehen?

Es geht also um weit mehr. Während die Verleger vor allem von wirtschaftlichen Interessen in knappen Zeiten getrieben sind und im Fieberwahn gegen die öffentlich-rechtlichen hetzen. Dabei übersehen sie auch, dass tagesschau.de nicht einmal – wie im Radio die Programme der öffentlich-rechtlichen und im Fernsehen das Erste und das ZDF – die Marktpreise für Werbung mitdiskutieren.

Schrecklich müssen sich die Vorstandschef fühlen zur Zeit. Eingekeilt zwischen Google und den öffentlich-rechtlichen. Da hilft scheinbar nur lautes Gebrülle, unseriöse Berichterstattung und Stimmungsmache auf Kosten eines Systems, das durch diese Art in Frage gestellt wird. Das kann wirklich niemand ernsthaft wollen. Denn: das duale Rundfunksystem ist eine wichtige Säule unserer Demokratie.

Denn wenn die Tagesschau im Netz nicht darf, was andere dürfen, wird sie zwangsläufig verschwinden, da in wenigen Jahren nur noch das Netz – die digitale Welt – existiert.

Disclosure: ich arbeite seit vielen Jahren für den NDR und den öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Dieser Artikel spiegelt meine persönliche Meinung wieder und nicht zwangsläufig die des NDR. Update: ich arbeite weder für die Tagesschau oder tagesschau.de, noch ARD-Aktuell.

Die Reaktion vom derzeitigen ARD-Vorsitzenden Peter Boudgoust.

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18 Comments

  1. Peter Lustig
    Posted February 17, 2010 at 09:22 | Permalink

    Schön, hier verteidigt also jemand seinen Arbeitsplatz… Die GEZ und GEZ-finanzierten Angebote sind heutzutage nur noch überflüssig und überteuert. Sie gehören schnellstens abgeschafft bzw. durch Abo-Gebühren finanzierte freiwillige Modelle ersetzt. Wann hat die “für die Demokratie unbedingt notwendige” Tagesschau denn je mal einen Skandal aufgedeckt?

  2. Posted February 17, 2010 at 09:34 | Permalink

    Gerade die Tagesschau und tagesschau.de sind Angebote, das wichtiger kaum sein können für eine demokratische Gesellschaft.

    Gibt es dafür einen Beleg? Was würde Schlimmes geschehen, wenn wir die Tagesschau von heute auf morgen nicht mehr hätten? 10 Millionen Zuschauer würden ein abendliches Ritual verlieren. Viele Politiker hätten keine bequeme Abspielstation für ihre Statements mehr. Aber ein Verlust für die demokratische Gesellschaft?

    Eine unabhängige, journalistische Berichterstattung, und damit Dokumentation, digitalisiert auf alle Zeit. Das könnten natürlich private Anbieter ebenfalls erarbeiten. Werden sie aber nicht

    Sie tun es schon. Wenn Sie sich über die Weltlage informieren möchten, werden Sie zum Beispiel beim Economist deutlich besser bedient als bei der Tagesschau. Wenn Sie wirklich kritische Analysen des üblichen Politikergeblubbers zu schwierigen Themen lesen möchten, gehen Sie zum Blogger Ihrer Wahl.

  3. Posted February 17, 2010 at 09:40 | Permalink

    Nur kurz zur Info: nein, ich arbeite nicht für die Tagesschau, nicht für Tagesschau.de und auch sonst nicht für ARD-Aktuell.

  4. Axolotti
    Posted February 17, 2010 at 10:57 | Permalink

    Wenn, ja, wenn die Tagesschau (oder andere ÖR Nachrichtenmagazine) TATSÄCHLICH offen berichten, Themen von mehreren Seiten beleuchten und tatsächlich unabhängige Nachrichten machen würden, dann würde ich dafür ohne zu zögern meine GEZ-Gebühr abdrücken.

    Tun sie aber nicht.

    Wenn ich mich über ein Thema informieren will, gehe ich ins Internet. Dort finde ich alle Seiten der Medallie. Nicht, daß die Privaten da besser wären, ganz sicher nicht. Diese legen ihr Augenmerk eher auf Themen seichter Natur. Wenn man da mal danebenliegt, fühlt sich schlimmstenfalls ein B-Promi ans Bein gepinkelt. Davon geht die Welt nicht unter.
    Die ÖR-Nachrichten gehen in der Tat in die große Politik. Es geht um Themen, die unser aller Leben auf Jahre beeinflussen. Aber was tut man? Man plappert nach, was die Politiker sagen. Dabei ist es viel wichtiger, was sie NICHT sagen. Wie simpel sie sich bloßstellen lassen, zeigte doch der Kollege aus den Niederlanden bei Frau Merkel. Politiker sind es gewohnt, vorhersehbare, nette Frage zu bekommen. Und sie sind es gewohnt, wenn dann doch mal eine unangenehme Frage kommt, daß sie diese mit einem kleinen Witz wegwischen können. Die Journallie lacht mit und keiner mag mehr diese enge Band brechen, das da geknüpft wurde.
    Aber genau das muß gerade die unabhängige, vom Bürger genau dafür bezahlte Presse leisten! Sie DARF nicht Freund sein mit der Politik, mit er Wirtschaft. Sie muß dahingehen, wo es wehtut. Fragen stellen, die entblößen. Aufdecken, was vertuscht werden soll. All das tut sie nicht. Man versteht sich. Natürlich auch deshalb, weil der ÖR nicht unabhängig ist, sondern am Tropf der Politik hängt, wie uns Herr Koch vor Kurzem eindrucksvoll bewies. Wer nicht brav mitspielt, der wird rausgeworfen.

    Man bezahlt also die Politiker dafür, daß sie sich die Taschen vollstopfen und im Klüngel mit der Wirtschaft das Land unter sich aufteilen. Der Bürger bleibt dabei Mittel zum Zweck. Man muß ihn soweit möglich mundtot machen, ihn einschüchtern und einlullen. Dagegen sollte sich die Presse stemmen und diese Seilschaften aufklären…was aber nicht passiert, zumindest kaum außerhalb des Internet, von ein paar löblichen Ausnahmen im Printbereich mal abgesehen. Nein, man reiht sich brav in die Reihe ein und berichtet, was einem zu berichtet angeboten wird. Floskeln, Lügen, Beschönigungen. Man nimmt all das unreflektiert hin und sendet es. Auftrag erfüllt.

    Dafür zahl ich nicht.

    Wenn man nur mal bedenkt, wieviel Geld und Personal dahintersteckt! Und was im Gegensatz dazu Privatpersonen in Blogs nur mit ein wenig Recherche und wachem Verstand zuwege bringen. Was würden die erst schaffe, was alles aufdecken, wenn man ihnen ein paar Millionen zur Verfügung stellt?

    Und man kann das auch ganz neutral machen, wenn man will. Ganz ohne fiese Spöttelei. Hätte man z.B. bei der Nominierung des rollstuhlfahrenden Terrorjägers zum Oberbankmann nicht nur den FUD der Pressekonferenzen gesenden, sondern auch Archivmaterial von damals, als es um Schwarzgelder, Betrug und Unterschlagung ging, wäre das schon der Aufklärung dienlich gewesen.
    Die Politik und die Wirtschaft sind keine Freunde der freien Presse. Man muß sie als Kontrahenden sehen, die nur das Nötigste geben und viel verheimlichen. Die müssen die Presse einerseits als Werbeplattform dringend benötigen, sie aber andererseits als knallharten Aufklärer fürchten. Die derzeitige Hofberichterstattung, die nichts Böses über gewählte Volksverkäufer sagen möchte, ist einer freien Presse unwürdig. Vor allem, wenn sie von denen bezahlt wird, auf deren Rücken die ganze Misere ausgetragen wird. Bei Privaten kann ich das akzeptieren. Die müssen ihr Fähnchen nach dem Wind drehen, sonst gibt’s kein Geld. Und genau das ist der Grund für ÖR-Medien. Aber diese tun das gleiche, TROTZ Finanzierung durch den Bürger. Und das ist wesentlich abgründiger.

    Axi

  5. Rainer Barg
    Posted February 17, 2010 at 12:22 | Permalink

    > Schön, hier verteidigt also jemand seinen Arbeitsplatz… Die GEZ und
    > GEZ-finanzierten Angebote sind heutzutage nur noch überflüssig und überteuert.
    > Sie gehören schnellstens abgeschafft bzw. durch Abo-Gebühren finanzierte
    > freiwillige Modelle ersetzt.

    Super, dann sind RTLII-Nachrichten wahrscheinlich ganz vorneweg. Fresst mehr Scheiße – Millionen Fliegen können nicht irren!

    Das ist ja immer ein Lieblingsmodell: Umstellen auf Pay TV. Mit demselben Argument kann man dann auch die öffentliche Förderung für Theater und Opernhäuser abschaffen – Pay per Oper, auch wenn’s dann 150 Euro je Karte kostet. Oder Pay per Schuljahr. Oder ne Straßenmaut auf alle Straßen für alle – ich zahl nur das, was ich benutze.

    Angebote wie vieles von dem, was die ÖRs machen, lassen sich eben nicht privatwirtschaftlich finanzieren. Und dabei denke ich an Angebote wie die Multikulturwellen, DLF, DRadio, Arte, 3Sat, die Inforadios und vieles mehr. Wenn man das haben will, funktioniert das nur auf einer sehr breiten (Zwangs-)finanzierung. Wenn man das alles nicht haben will, dann kann man das natürlich fordern. Dann aber bitteschön auch für alle anderen oben genannten Fälle.

    Zweitens berichten Institutionen die privatwirtschaftlich finanzier sind, natürlich ganz besonders aus dem privatwirtschaftlichen Blickwinkel. Das kennt man ja mittlerweile von fast allen Verlagen. Klar decken die Polit-Skandale auf, kostet ja nichts. Aber bei Wirtschaftsskandalen sieht die Sache schon ganz anders aus. Eine Lokalzeitung, die heute negativ über Lidl oder Aldi berichtet, kann wahrscheinlich dicht machen – da fehlen dann wöchentlich zig Anzeigenseiten.

    Insofern hat jedes der Systeme einen anderen Blickwinkel, jedes jeweils andere Schwächen, aber zusammen ist das doch ein gelungenes Konstrukt, das eigentlich alle Bedürfnisse abdeckt.

    Dass die ÖRs auf ihren Mainstream-Wellen allerdings flachstes Zeug versenden, von Marienhof bis Brisant und Silbereisen, ist allerdings etwas, was diese Argumentation schwer macht. Da hat man sich selbst eine Achillesverse geschaffen.

  6. nicht überzeugt
    Posted February 17, 2010 at 12:35 | Permalink

    ob die tagesschau (und sonstige produkte der ö/r) sich im internet breitmac hen oder nicht — m it weidlcih selbstbeweihräucherung wie in obigem artikel — ist ziemlich egal.

    nicht egal ist allerdings, dass das auf zwangsgebührenbasis passiert.

    als das wesen des ö/r rundfunks geschaffen wurde, wurde bweusst keien ö/r_zeitung_ geschaffen — mit der begründung, dass auf dem zeitungsmarkt meinungsvielfalt bereits gegeben ist.
    im rundfunk war das nicht der fall und aufgrund der überzeugung von der immensen bedeutungd es rundfunks für die meinunsgbildung, ist daher ein ö/r rundfunk errichtet worden, der umfassend informieren, bilden und der eminungsvielfalt eine platform bieten sollte.
    was davon heute noch übrig ist, hat die jüngste zdf-querele deutlich gemacht (um kreisler zu zitieren “und was macht das arme publikum? das publikum hat pech!”).

    wen wir uns die obige begründung, warum es keine ö/r zeitung gibt, nochmal durch den kopf gehen lassen udn die landsachaft des internets betrachten, werden wir sehr schnell fragen müssen, wo denn bitte die meinungsvielfalt _nicht_ gegeben ist — und wo damit also die existenzberechtigung eines gebührenfinanzierten ö/r rundfunks im internet herkommt.

    die antwort kann nur lauten: gibt es nicht.

    wenn der zweckpessimismus des “Denn wenn die Tagesschau im Netz nicht darf, was andere dürfen, wird sie zwangsläufig verschwinden, da in wenigen Jahren nur noch das Netz – die digitale Welt – existiert.” stimmen sollte (faktisch ist er blödsinn), dann muss man wohl konstatieren, dass das ö/r rundfunkwesen teil einer historischen epoche war, so wie stadtschreiber, wandernde moritatensänger, tankwarte oder duodezfürsten.
    wenn das interent tatsächlich den herkömmlichen rundfunk vollständig ersetzen sollte, dann ist die existenzberechtigung des öl/r rundfunks erloschen — er ist immerhin nicht zum selbstzweck erschaffen worden, sondern zur sicherung der meinunsgvielfalt — und die ist, ich wiederhole mich, im internet gesichert (und in gefahr eher durch die von den herkömmlichen medien in ihrer allgemeinheit betrieben diffamierungs- und eroberungskampagnen gegen die unangenehme vielfalt des inets).

    was der ö/r rundfunk und auch obiger artikel betreibt, ist ein überlebenskampf aufgrund des bewusstseins, dass die eigene existenzberechtigung schwindet. allerdings besteht der kampf nicht darin, sich auf die uireigene qualitätenm zu besinnen, sondern das, was den ö/r sowieso angreift, nämlich beliebigkeit und niveaulosigkeit, in’s inet zu erweitern.

    was von den ö/r in sachen inet zu erwarten ist, hat die permanente debatte um rundfunkgebühren für “neuartige empfangsgeräte” gezeigt –e s gibt nach wie vor praktisch keine den nahmen “rundfunk” verdienenden angebote im inet, aber das hindert nicht, schonmal abzukassieren.
    man wundert sich, dass es noch kiene 0800 nummer gibt, über die man dem ö/r lauschen kann, könnten dann doch locker alle telephonanschlüsse gebührepflichtig werden.

    aber, das kommt wohl auch noch …

  7. jobe
    Posted February 17, 2010 at 13:43 | Permalink

    Hach, die Tagesschau ist zentral für die Demokratie, für den reflektierten, mündigen Bürger? Niedlich bist du.

  8. Posted February 17, 2010 at 14:15 | Permalink

    Niedlich wird in Bezug auf diese Diskussion auch viel zu selten verwendet. Das find ich gut :-)

  9. Posted February 17, 2010 at 16:40 | Permalink

    Als ehemaliger Mitarbeiter fühle ich mich dem ÖRR durchaus verbunden. Eine schöne Welt in sich, nicht wahr? Auch die Honorare waren für mich natürlich schöner als bei den Privaten. Aber bei den Privaten haben wir exklusive Infos GEFEIERT, die wir recherchiert haben. Das hab ich im ÖR nicht erlebt.

    Mal angenommen, Recherche würde von jemandem wie eine Kunst betrachtet. Künstler hassen es doch, sich dem Markt anzupassen und das erschaffen zu müssen, was “gewollt” ist, aus purem Überlebensdrang. Sie lieben es viel mehr, sich authentisch auszudrücken. Im Zweifelsfall aneckend und unbequem. Sie träumen von der Freiheit, das tun zu können, was sie wirklich tun möchten, ohne Einschränkung durch finanzielle Zwänge. Von einer Freiheit, die eben auch genügend vorhandenes Geld verspricht. Oder eine Vielzahl von Mäzenen. So eine Art … ähm… Gebührenzahler. ;)

    Es liegt in der Natur des Privatfunks, dass er möglichst viel werberelevantes Volk mit dem kleinsten Info- und Unterhaltungs-Nenner beliefern muss. Wer weiß, wie das mit Zugriff auf Gebühren wäre. Was macht denn der ÖR aus all dem Geld? Wo ist die Innovation? Wo ist das “Neue”? Wo ist die unbequeme Recherche, geschützt durch all die wirtschaftliche Unangreifbarkeit und all die journalistische Macht? Und – jetzt der Lacher – wo steht die Tagesschau bei all dem? Wo macht sie den deutschen Demokraten mündig und umfassend informiert?

    Die Tagesschau als Mittel zur Demokratie. Ist das die Sicht eines Bürgers, der sich in der Theorie oder in der Praxis mit Demokratie auseinandersetzt? Der sich schon einmal gegen Un-Demokratie engagiert hat? Wenn ich das Wort “Tagesschaudemokratie” (gerade erfunden, geradezu privat :) ) schreibe, kann man da den Unterton lesen? Ich hoffe.

    Grundsätzlich stimme ich mit den Beiträgen von “nicht überzeugt” und “Axolotti” weitgehend überein. Als Journalist habe ich mir über die Klugheit und den Horizont des durchschnittlichen medienkonsumierenden Bürgers irgendwann schon einmal meine eigenen Gedanken gemacht. Wenn das Volk bezahlen MUSS, dann soll es das eben. Aber für Leistung. Der Verkündungsjournalismus der Tagesschau entspricht schon im Fernsehen nicht der Leistung, für die ich bereit bin, etwas zu bezahlen. Und ich bin ebenfalls nicht bereit zu akzeptieren, dass die ARD mit ihrer Medienkraft nun etwas völlig Unnützes und Schädliches herbeisubventioniert. Mag der Durchschnittsdeutsche sein schlechtes Informations-Gewissen bei der abendlichen terrestrisch-digitalen Tagesschau befriedigen. Aber bitte nicht im web2.o.

    Wer sich wirklich für Hintergrundinformationen und Perpektiven interessiert, dem wird eine Tagesschau dort nur schaden. Wozu diese sinnlose Informationsbarriere? Klares NEIN zum faulen Ei. Ganz privat bleibe ich übrigens auch nach mehr als 30 Jahren ohne Tagesschau ein informierter Demokrat. Kann natürlich auch sein, dass ich einfach ein Genie bin. :)

  10. tadamtadam
    Posted February 17, 2010 at 19:28 | Permalink

    —-Es ist die Themenauswahl – und die erstreckt sich in dieser Form auch auf alle Online-Angebote von Tagesschau.de. Es ist die große Politik, die bei anderen Sendern nur noch wenige Minuten Zeit eingeräumt bekommt. Es sind weltpolitische Zusammenhänge, Krisenherde weit entfernt von der eigenen Haustür, es sind globale, komplizierte und ungemütliche Themen, die sich die großen Privaten in dieser Ausgiebigkeit nicht trauen.—

    ich frage mich, ob der autor dieses artikels in letzter zeit mal die tagesschau angesehen hat. abgesehen von tagespolitischem kleinkram ist die die tagesschau überfüllt mit nullmeldungen. das krasseste beispiel ist hier die rückkehr von michael schuhmacher in die formel 1. die tagesschau berichtete darüber als hauptnachricht gleich zu beginn der sendung 3 minuten lang (mehr als ein fünftel der sendezeit!!!). als ob den ganzen tag nichts wichtigeres in der welt passiert wäre als dass ein steuerflüchtling wieder im kreis fährt… tut mir leid: die tagesschau hat sich schon lange von gutem journalismus verabschiedet… mir wird sie nicht fehlen, sollte es sie mal nicht mehr geben… zumindest in dieser form

  11. Robert
    Posted February 17, 2010 at 23:17 | Permalink

    Ich zahle meine Rundfunkgebühr. Und dafür erwarte ich (!), dass tagesschau und Co. umfassend (!!) im Internet vertreten sind.

  12. Posted February 18, 2010 at 09:41 | Permalink

    Ich bin ja erfreut, dass die Kommentare hier deutlich gehaltvoller sind, als die Kommentare zum Beispiel bei BILD-Online. Die Reaktionen hatte ich erwartet, auch, dass viele in das eine Extrem (Weg mit der GEZ) gehen, ist nicht überraschend.

    Trotzdem wundert es mich, wie wenige zum Thema mitdiskutiert haben, sondern einfach klar machen wollten, wie doof sie die TS an sich finden.

    Ein paar Sachen möchte ich aber nicht so stehen lassen.

    Die Tagesschau ist nicht nur die 20-Uhr-Ausgabe. Es geht um ARD-Aktuell. Und die produzieren auch Tagesthemen, Nachtmagazin, Wochenspiegel und den Digitalkanal EinsExtra, sie unterhalten das Hauptstadtstudio Berlin und produzieren die Frühnachrichten für das Morgenmagazin. Das wird oft gar nicht gesehen, was bei den Kollegen alles entsteht.

    Ja, ich glaube, dass die Tagesschau gesellschaftlich relevant und wichtig für unsere Demokratie ist.

    Zum Thema “gesellschaftliche Relevanz” hier die meistzitierten Quellen 2009 Radio & TV:
    1. ARD Tagesschau
    2. ARD Tagesthemen
    3. ZDF Heute
    4. ZDF heute-journal
    5. Deutschlandfunk Nachrichten
    6. Pro Sieben Newstime
    7. RTL Aktuell
    8. SAT.1 Nachrichten

    Wer häufig zitiert wird, ist relevant. Und: scheinbar beliefern ARD/ZDF andere Medien mit sehr vielen Informationen, die sie woanders nicht bekamen, sonst hätten sie nicht zitieren müssen.

    Und zu der Argumentation “wichtig für die Demokratie”: definitiv. Keiner ist unabhängiger. Ein schönes Beispiel unter den Kommentaren war die schwierige Situation der Lokalzeitungen, die auf große Anzeigen von Discountern angewiesen sind. Lokalzeitungen kämpfen mit dem Überleben. Die Regionalstudios von ARD-Fernsehen und -Hörfunk bleiben. Der SZ-Verlag kommt ins Schlingern – ARD-Aktuell bleibt. Das ist alles ist gut und wichtig so. Wer sagt denn, dass diese Vielfalt für immer so bleibt? In jeder der zukünftigen Wirtschaftskrisen. Das ist mir hier in den Kommentaren teilweise viel zu kurz gedacht.

    Und: Würde das alles wegfallen, gäbe es kein Gegengewicht mehr. ProSieben, RTL und Co. könnten ihre Nachrichten noch mehr vereinfachen, weil es keine Konkurrenz mehr gäbe. Das wäre alles andere als niedlich.

    Und zu den vielen, polemischen Aussagen, die ARD würde keine investigative Recherche betreiben. Sowas macht mich tatsächlich aggressiv, weil es eine Beleidigung für die Kollegen in den Aktuell/Nachrichten-Abteilungen ist (zu denen ich nicht gehöre). Einfach in die ARD-Mediathek gehen und die Bereiche Nachrichten, Kultur & Gesellschaft, Medien, Politik & Zeitgeschehen, Wissen & Bildung, Wirtschaft & Börse abgrasen. Und dann noch einmal darüber entscheiden.

  13. Riddler
    Posted February 18, 2010 at 12:24 | Permalink

    Also ich kann mir beim besten Willen keine Erklärung aus den Fingern oder sonstwoher saugen, um den Fortbestand des ÖRR zu begründen. Der ÖRR ist UNABHÄNGIG? Siehe dazu auch die Seilschaften beim ZDF… Aus meiner Sicht ist KEIN Rundfunk und kein Printmedium unabhängig! Alle produzieren nur noch seichtes Gelaber, propagieren aber “harten Enthüllungsjournalismus”. Den suche ich leider immer noch vergeblich. Und ARD aktuell… jaaaaaa, gehts noch? Wenn ich eine Einschlafhilfe brauche, okay, dann schau ich mir halt irgendeine dieser Sendungen an… Der ÖRR hat sich leider seiner eigenen Daseinsberechtigung beraubt, als er sich auf das Niveau der Privatsender herabgelassen hat. Klar, dieser Vorgang geschah schleichend, niemand hat es wirklich bemerkt und/oder ernst genommen, aber m. E. nach sollten ARD und ZDF mit sämtlichen Spartenkanälen sich doch z. B. bei SKY anschließen, dann kann jeder, der möchte, die meist nicht sehr guten, aber extrem teuren Beiträge konsumieren!

  14. nicht überzeugt
    Posted February 18, 2010 at 12:49 | Permalink

    “Wer häufig zitiert wird, ist relevant.”
    wie passend da gestern bei xkcd der richtige comic erschien … (bitte auch den titel beim drüberfahren lesen)
    http://xkcd.com/703/

    die tautologier greift nicht — sie belegt lediglich eine medienpolitischen tunnelblick, dass nämlich der kreis einandere referenzierender medien schon per se die welt ist.
    wenn welt sich auf bild beruft und sz sich auf welt und bild wieder auf sz — dann ist gar nichts passiert, was der nqachricht irgendwelchen wert verleiht — aber jede der drei beteiligten … printerzeugnisse darf sich wieder eine punkt in der “relevanz”-spalte gutschreiben.
    meine persönliche erfahrung ist, das von den aufgelisteten nachrichtensendungen am ehesten noch dradio ein plausible und seriöse darstellung von nachrichten präsentiert (das erwähnte schuhmacher-blabla ist geradezu typisch).

    wenn es sie “aggressiv” macht, dass gebührenzahlendes publikum der der ard vorwirft, keine investigativen journalismus zu betreiebn, dann fühle ich mich wunderbar an die regelmässigen reaktionen der ör-fürsten zur kritik erinnert: sofort zum angriff übergehen, da es offenbar keine echten gegenargumente gibt.
    dass so eine behauptung “es eine Beleidigung für die Kollegen in den Aktuell/Nachrichten-Abteilungen ist”, ist, mit verlaub, humbug.
    so eine behauptung ist zuerst einmal meinung eines konsumenten, der (gezwungenermassen) für ein produkt bezahlt und es konsumiert. wenn nach seiner überzeugung gewisse dinge nicht drin sind, dann ist das seine überzeugung — und statt mit schwerem geschütz diese meinung zu diffamieren, wäre es wohl wichtiger, zu fragen, was den konsumenten (der ja absolut nicht alleine dasteht) zu dieser meinung bringt und ob ggf die investigative recherche, sdo sie denn statfindet, womöglich einfach zu wenig im regulären programm durchscheint.
    wenn morgens um 2:45 mal was tiefschürfenderes gesendet wird, das den begriff “investigativer recherche” erfüllt, dann ist das immer noch nicht viel wert — weil nämlich um die zeit wohl kaum nennenswerte zuschauerzahlen vorhanden sind und das ganze den charakter einer alibi-veranstaltung gewinnt.

    was den untergang des abendlandes beim verschwinden der ör betrifft: das ist wieder so eine unbegründetes schreckensszenario wie die behauptung, dass bald alles web sei.
    aus der perspektive eines inflexiblen und um seine heuraufe bangenden ör-systems sicherlich verständlich, aber wieder in der inhärenten arroganz, dass die ör die hüter der qualität wären (und wenn ich mal durch das nachmittags-/vorabendprogramm der ard-sender zappe, kann ich nur sagen — der unterschied zu den “qualitätslosen” privaten ist null, beim mittlerweilen berüchtigten kandiaten-”duell” merkel vs steinmeier haben die _privaten_ zudem gezeigt, wie qualität aussehen kann).

    es hat vor und neben den ör qualitätsmedien gegeben und es wird auch nach den ör qualitätsmedien geben.
    die welt hat nicht mit der ard angefangen und sie wird mit sicherheit nicht mit der ard enden — höchstens für die, die sich in den funkhäusern warm gesessen haben.

  15. Posted February 18, 2010 at 13:20 | Permalink
  16. Posted February 19, 2010 at 07:53 | Permalink
  17. Posted February 19, 2010 at 14:31 | Permalink
  18. Posted July 27, 2010 at 11:04 | Permalink

    Für die Liberalisierung von Zwangsabgaben ist das Internet ein echtes Geschenk. Im Netz kann jeder mündiger Nutzer selbst entscheiden für welche Leistungen er zahlen möchten. Wenn von der GEZ tatsächlich nur wertvolle Polit-TV-Produkte finanziert würden, hätte ich kein Problem damit. Wir alle wissen aber, dass dies gerade nicht der Fall ist, sondern in den politischen Redaktionen der Rotstift herrscht, um Geld einsparen zu können, damit Promis wie Jauch und Schmidt in die öffentlich-rechtlichen Sender gelockt werden.

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